Wahlkampf ist Grabenkampf. Nirgends sonst spielen Parteien derart hart auf den Mann oder die Frau. Das Resultat sind Extrempositionen. In den Augen des Laufner FDP-Landrats Rolf Richterich ist die SP-Regierungskandidatin Kathrin Schweizer deshalb «nicht durchsetzungsfähig», «mit bescheidener politischer Einflussnahme», «hat Selbstzweifel», «ohne Mehrwert für die Regierung» und «von ihrer Partei in eine Rolle gedrängt» (siehe bz vom Freitag).

In den Augen des heute Freitag im Liestaler Regierungsgebäude aufgetretenen Unterstützungskomitees ist Schweizer dagegen «hartnäckig», «eine Chrampferin», «nie abgehoben», «führungs- und meinungsstark», «mit Erfahrung in der Legislative und Exekutive», «vorausschauend und strategisch denkend und handelnd», «nahe bei den Menschen», «kompromissbereit», «kooperativ, streitfähig und schlagfertig», «dossiersicher, überlegt und kompetent», «eine Macherin in der Exekutive», kurz: «prädestiniert, Regierungsrätin zu werden».

Diffuse Unterstützung der Grünen

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. So kann man der 49-jährigen Muttenzerin zwar kaum vorwerfen, nicht exekutiverfahren zu sein, schliesslich sitzt sie seit 2015 im Gemeinderat. Doch sagt Schweizer auf Nachfrage der «Schweiz am Wochenende» selbst: «Für jeden Neugewählten ist das Regierungsratsamt ein riesiger Sprung und sicher anspruchsvoller. Davor habe ich grossen Respekt.» Sie sei jedoch überzeugt, diese Aufgabe zu meistern.

Unterstützt auf ihrem Weg wird Schweizer übrigens nicht nur von SP-Vertretern wie Präsident Adil Koller oder der Birsfelder Gemeinderätin Regula Meschberger, die an der Pressekonferenz die Werbetrommel rührten. Auch Landrätin und alt Parteipräsidentin Florence Brenzikofer von den Grünen sass mit am Tisch. Gibt es also doch eine offizielle Wahl-Kooperation der beiden Parteien? «Es bleiben zwei verschiedene Wahlkämpfe», stellt Brenzikofer klar. Man wolle aber sicher Gewisses gemeinsam machen. So bleibt es dabei, dass der Grüne Isaac Reber wie schon 2015 auf eigenen Wunsch alleine zur Wiederwahl antritt und Reber/Schweizer im Gegensatz zu den vier bürgerlichen Kandidaten keinen gemeinsamen Plakatauftritt haben werden.

Überzeugt, jede Direktion führen zu können

Zurücklehnen geht also nicht. Als erste grosse Aktion plant die SP eine Velotour: Vom 11. bis 13. Oktober fährt Schweizer mit dem Zweirad durch den Kanton und sammelt Briefe mit den Wünschen der Bevölkerung. Bei den Zielen, die Schweizer als Regierungsrätin konkret erreichen möchte, blieb sie sich gestern treu: Sie wolle die soziale Stimme der Regierung sein und sich gegen die Abbaupolitik der vergangenen Jahre wehren. Schweizer setzt sich für eine höhere Prämienverbilligung, für Familien-Ergänzungsleistungen, für mehr gemeinnützigen Wohnraum und fürs Staatspersonal ein. Wenig erstaunlich will sie den öV und die Bildung stärken und sagt Günstlingswirtschaft, Filz und Kungeleien in der Baselbieter Politik den Kampf an.

Bei der Frage nach ihrer Wunsch-Direktion gibt sich Biologin und Verkehrsplanerin Schweizer selbstbewusst: «Ich bin so breit aufgestellt, dass ich überall anfangen könnte.»
Sollte es mit der Wahl in die Regierung am 31. März 2019 nicht klappen, hat Schweizer übrigens vorgesorgt: Sie tritt parallel auch zur Wiederwahl in den Landrat an. Bloss der Gratis-Zug in den Nationalrat ist abgefahren, seit Schweizer als Erstnachrückende für Susanne Leutenegger Oberholzer verzichtete und Samira Marti den Vortritt liess. Zu Rolf Richterichs Attacke möchte sich Schweizer übrigens nach wie vor nicht äussern. Bloss etwas: «Seine Aussagen sagen mehr über ihn aus als über mich.»