Die Bilder vom Terroranschlag von Nizza sind noch allgegenwärtig. Am 14. Juli 2016, dem französischen Nationalfeiertag, raste ein radikaler Islamist auf der Promenade des Anglais mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge. Die Folgen waren schrecklich: 86 Tote und 400 zum Teil schwer Verletzte lautete die Opferbilanz. Der Attentäter in der Führerkabine konnte von der Polizei erst mit einer tödlichen Salve aus der Dienstwaffe gestoppt werden.

Bei einem 29-jährigen Mann aus dem Baselbiet haben diese Ereignisse besonders tiefe Spuren hinterlassen. Der in der Administration und als Putzhilfe angestellte Mitarbeiter einer Reinigungsfirma verbrachte mit seiner Freundin einen Urlaubsabend in Nizza, als das Attentat geschah. Die Ereignisse bekam das Paar in einem rund 650 Meter vom Tatort entfernten Beachclub mit.

Seither klagt der Mann über Panikattacken und Schlafstörungen. Seine Beschwerden wurden so schlimm, dass er sich in psychologische Behandlung begeben musste.

Um die Behandlungskosten ist indes ein Streit entbrannt, der erst jetzt letztinstanzlich vom Bundesgericht entschieden wurde. Während die Behandlungskosten seiner ebenfalls traumatisierten Freundin – zumindest zeitweise – von einem privaten Unfallversicherer übernommen wurden, verneinte die Suva als obligatorische Unfallversicherungsanstalt des Mannes eine Leistungspflicht. Beim Erlebten habe es sich um keinen Unfall im eigentlichen Rechtssinne gehandelt.

Nicht nah genug dran

Vor dem Kantonsgericht, das die Beschwerde gegen den ablehnenden Suva-Bescheid im vergangenen Mai behandelte, argumentierte der Mann, dass er insbesondere durch die «mehr als vier Stunden erlebte Todesangst, Hilflosigkeit und Ohnmacht» traumatisiert worden sei. Dies bestätigte eine psychologische Abklärung. Auch habe er auf der Strasse mit Folie abgedeckte Menschenkörper gesehen.

Seinen Ausführungen schenkte die Dreierkammer der Abteilung Sozialversicherungsrecht zwar durchaus Glauben, doch habe er sich nie in unmittelbarer Todesgefahr befunden. Darum lag laut Baselbieter Kantonsgericht «kein aussergewöhnliches Schreckereignis im Sinne eines Unfalls» vor.

Da er sich von den Baselbieter Richtern in seiner Wahrnehmung zu wenig verstanden fühlte, zog der Betroffene den Fall vors Bundesgericht weiter. Doch kam dieses in einem soeben publizierten Urteil zum gleichen Schluss. Das Kantonsgericht habe die Umstände sorgfältig geprüft und die Beschwerde zurecht abgewiesen. Weder wurde der Mann damals in Nizza verletzt, noch sah er direkt das Attentat oder die darauf folgende Schiesserei.

Das Bundesgericht brummte dem Mann Gerichtskosten von 800 Franken auf. Das Kantonsgericht hatte noch auf Verfahrenskosten verzichtet.