Die Finger in kalten Lehm drücken, Füsse und Köpfe modellieren, den Blick von der Staffelei ins Grüne richten, Farben mischen und auf die Leinwand tupfen, ist teuer geworden: Gewisse Schüler des Vorkurses der Basler Schule für Gestaltung müssen im aktuellen Schuljahr die Kurskosten selber tragen. 16'300 Franken kostet das künstlerische Lernen. Zahlen müssen Baselbieter, die keine Matura vorweisen können.

Im einjährigen Kurs erlernen sie, ihr Handwerk zu präzisieren. Im Aktsaal verfeinern sie ihre Wahrnehmung, schärfen den Blick im Modellieren und Illustrieren von nackten, runden und schlanken Körpern. Sie sammeln Wissen aus der Mediengeschichte, der Kunstgeschichte und lassen ihren Eingebungen freien Lauf.

Nur zum Schein gespart

Dass Baselbieter Schüler ohne Matur nun für ihre Kurskosten selber aufkommen sollen, ist für die CVP-Landrätin Christine Gorrengourt ein Spar-Scheinmanöver, das sie verhindern wollte. Sie reichte einen Vorstoss ein und hatte Erfolg: Ab Herbst wird der Entscheid vorübergehend aufgehoben.

Gorrengourt äussert sich hierzu folgendermassen: «Wird diese Vergütung des Vorkurses nach der Volksschule erneut gestrichen, werden in Zukunft Grafiker nur noch über die Fachhochschule ausgebildet. Das zwingt Schüler ohne Matura, eine Fachmaturität abzuschliessen, da sie keine Grafiklehre mehr absolvieren können. Die Streichung der Subventionierung ist ein Spar-Scheinmanöver: Die betroffenen Schüler schreiben sich dann in der FMS ein und erscheinen dort nicht im Budget. Das Ganze ist ein Schubladendenken, das auf dem Rücken der Schüler ausgetragen wird.»

Für viele Absolventen ist der Kurs ein wichtiges Eintrittsbillett in die Welt der gestalterischen Berufslehren. Für die meisten Hochschulen der Künste ist er die Voraussetzung. Wer zum Beispiel angehender Mode-Designer ist und auf dem virtuosen Markt keine Praxiserfahrung hat, findet eine Plattform im Vorkurs. Dort übt er seine Hand im Skizzieren von möglichen Kleiderkollektionen.

Hanspeter Hauenstein, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung Baselland, ist anderer Meinung. Er erklärt, wie es zur Streichung der Fördergelder kam: «Als Vorbereitung auf eine gestalterische Grundbildung bedarf es keines Vorkurses. Die vierjährige Lehrzeit der gestalterischen Grundbildung reicht allemal aus, begabten Bewerberinnen und Bewerbern die notwendigen Grundlagen zu vermitteln.»

Von grossem Nutzen

Eine solche vierjährige gestalterische Grundbildung bietet die Grafik-Fachklasse an der Schule für Gestaltung in Basel (SFG). Derzeitige Schüler der Grafik-Fachklasse möchten, wie sie der bz berichten, nicht auf den Vorkurs verzichten. Für sie war er wegweisend und eine wichtige Vorbereitung für die Grafikausbildung. Für die Aufnahmeprüfung mussten sie eine Mappe mit rund 50 Skizzen zusammenstellen. Das hätten sie zu Hause, ohne Siebdruckmaschinen und das Wissen, das sie im Vorkurs gesammelt haben, niemals geschafft.

Auch für Meret Hammel war der Vorkurs von grossem Nutzen. 2014 schloss sie die Grafik-Fachklasse an der SFG ab und arbeitet heute als Praktikantin für die renommierten Basler Grafiker Simon Hauser und David Schwarz. «Ich habe den Vorkurs 2009 auf Empfehlung einer Lehrerin besucht. Ich war damals noch Schülerin an der FMS in der Fachrichtung bildnerisches Gestalten und wollte mich in den gestalterischen Berufen orientieren. Im Vorkurs konnte ich diesem Wunsch nachgehen.»

Keine Fördergelder ab 2016/17

Hauenstein erachtet den Kurs als nur nützlich für Lernende mit einem qualifizierten Schulabschluss auf der Sekundarstufe II, also mit Matur oder Fachmaturität. Dann dient er ihnen als Ersatz für das vorgeschriebene Praxisjahr. Ab dem Schuljahr 16/17 werden die Fördergelder erneut gestrichen. Das steht bereits fest, es sei denn, es folgt ein nächstes Budgetpostulat, das die Gelder doch noch fliessen lässt. Dann dürfen auch begabte Baselbieter, ohne in die Tasche greifen zu müssen, ans Werk.