Der Kanton Baselland und die Gemeinde Muttenz sind sich einig: Für Velofahrer ist die Situation rund um die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz nicht befriedigend. Am 17. September wird der FHNW-Neubau eingeweiht, dann werden dort rund 4000 Studenten und Lehrkräfte ein und aus gehen. Als unangenehm für Radler, die von Osten oder Nordwesten her kommen, gilt insbesondere die Hofackerstrasse. Denn hier sind viele Lastwagen unterwegs.

Der Zufall will es, dass gerade in diesen Monaten über einen weiteren Ausbau der kantonalen Radrouten diskutiert wird. Es geht um einen Kredit über 20 Millionen Franken, um in den kommenden Jahren das bereits 1987 beschlossene kantonale Radroutennetz weiter zu erstellen.

Ein nicht genanntes Mitglied der vorberatenden Bau- und Planungskommission (BPK) des Landrats wollte nun den Zufall ausnützen. Es beantragte, insbesondere die westliche Anbindung des Polyfelds (wo sich die FHNW befindet) zeitnah velofreundlicher zu gestalten. Das ist dem Kommissionsbericht zu entnehmen.

Heikle Kreuzung bleibt

Der Antrag wurde mit 7 zu 6 Stimmen abgelehnt. Auch die Vertreter der Kantonsverwaltung waren dagegen. Sie erklärten vor der BPK, die Anbindung der FHNW ans Velonetz betreffe eine kommunale Strecke. Doch das stimmt nur halb: Die Hofackerstrasse gehört zwar der Gemeinde Muttenz, und diese will die Strasse bis 2021 velofreundlicher gestalten. Doch wer von Westen her hineinfahren will, muss über die Kreuzung mit der Birsfelderstrasse – eine Kantonsstrasse. Dieser Knotenpunkt gilt als besonders velounfreundlich. 2014 starb dort ein Velofahrer nach einem Unfall mit einem Lastwagen.

Zudem wäre ein Eingreifen des Kantons zugunsten des Veloverkehrs auf Gemeindestrassen nichts Neues. Am anderen Ende der Hofackerstrasse hat er genau das bereits getan. Er liess nämlich neulich Velospuren auf der Neuen Bahnhofstrasse auftragen – eine Gemeindestrasse. Doch falls der Landrat der BPK-Mehrheit und den Ingenieuren aus Liestal folgt, bleibt für FHNW-Studenten aus Basel der tägliche Pendelweg schwierig.

Mehr Gnade fand in der BPK ein Anliegen aus Maisprach und Buus. Die kantonale Veloroute zwischen den beiden Gemeinden soll nicht auf der Kantonsstrasse führen, sondern auf einem separat zu erstellenden Veloweg. Nutzniesser sein sollen die Schüler der seit einem Jahr zusammengelegten Primarschule.

Die BPK empfiehlt, dafür 1,5 Millionen Franken zusätzlich in den Velokredit aufzunehmen, gegen den Willen der Regierung, die das Projekt aufschieben wollte.

Noch offen ist, ob eines Tages die Arbeitspendler sicher vom Bahnhof Dornach-Arlesheim ins Reinacher Gewerbegebiet Kägen radeln können. Reinach und die übrigen Birsstadt-Gemeinden setzen sich stark für das Projekt ein, mit der Absicht, den bereits überbordenden Individualverkehr im Kägen einzuschränken.

Doch einigen BPK-Mitgliedern sind die fünf Millionen Franken, die eine neue Brücke über die A 18 kosten würde, zu viel. Jetzt bleibt die Summe zwar im Kredit, aber das Tiefbauamt verpflichtet sich, die BPK über die weitere Projektplanung auf dem Laufenden zu halten.

Keine Zahlen vorhanden

Wie viele Velofahrer von den Massnahmen in Muttenz, Maisprach-Buus und Reinach profitieren könn(t)en, bleibt unklar. «Wir haben für die genannten Abschnitte keine Zahlen», heisst es auf Anfrage bei der kantonalen Bau- und Umweltschutzdirektion. «Potenzialschätzungen sind beim Velo kaum möglich beziehungsweise wenig aussagekräftig, wenn bisher noch kein Angebot vorhanden war.»