Die Muttenzer Sportvereine haben erfolgreich mobilisiert. Mit 360 stimmberechtigten Anwesenden war die Muttenzer Budgetgemeindeversammlung überdurchschnittlich gut besucht. Und die vom Gemeinderat geplante Gebührenerhöhung für die Nutzung der Turnhallen und der Sportanlage Margelacker blieb chancenlos. Keine zehn Stimmbürger waren für die Gebührenerhöhung, mit denen der Gemeinderat ab dem kommenden Jahr für die Turnhallen 50'000 statt wie bisher 27'000 Franken und für die Sportanlage Margelacker 20'000 statt 10'000 Franken pro Jahr einnehmen wollte. Es brauchte nur gerade zwei Statements von Karl Flubacher, Präsident des Turnvereins, sowie von SV-Muttenz-Präsident Hans-Beat Rohr, um die Gebührenerhöhung zu kippen. Beide riefen die Leistungen der Vereine in Erinnerung, die für ein lebendiges Muttenz und für die Integration von Kindern und Jugendlichen so wichtig seien. «Das passiert in den meisten Fällen ehrenamtlich. Dabei werden Hunderte Stunden an freiwilliger Arbeit pro Woche geleistet», betonte Flubacher, der gleichzeitig Präsident der IG Ortsvereine Muttenz ist.

Seit Generationen unterstütze die Gemeinde die Vereine. Ein Geben und Nehmen also, das jetzt gekappt werden solle. Steigende Gebühren hätten für die Vereine wohl höhere Mitgliederbeiträge zur Folge. Rohr sah in der Gebührenerhöhung eine zusätzliche Bestrafung. «In anderen Gemeinden werden die Vereine für ihre Bemühungen finanziell unterstützt oder sie können die Infrastruktur unentgeltlich nutzen. Und bei uns sollen die Gebühren jetzt noch steigen?» Rohr und Flubacher äusserten Verständnis für die schwierige Finanzlage der Gemeinde. «Es ist aber falsch, das fehlende Geld bei den ehrenamtlichen Arbeiten für die Jugendförderung einzuholen», warnte Rohr.

Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP) bat seine Gemeinderatskollegen um eine Stellungnahme. Doch diese schauten sich erst konsterniert an, bis Franziska Stadelmann (CVP) schüchtern antwortete: «Die Gebührenerhöhung ist eine der Massnahmen, um die finanzielle Situation der Gemeinde zu verbessern. Wir können die Bedenken der Vereine verstehen.» Sie versprach, die Vereine nicht im Regen stehen zu lassen. «Wir werden zusammensitzen und uns austauschen.»

Schuldenberg wächst

Doch dieses Angebot kam zu spät. Dabei hätte die Gemeinde jeden zusätzlichen Franken bitter nötig. Muttenz budgetiert für 2018 bei Gesamtausgaben von 84 Millionen Franken mit einem Defizit von 1,9 Millionen Franken. Die Steuersätze bleiben für natürliche Personen bei 56 Prozent. Auch die Aussichten für die darauffolgenden Jahre sind düster. Finanzchef Alain Bai (FDP) plant bis 2022 mit Verlusten: «Das Fremdkapital wird bis 2022 auf 126 Millionen Franken anwachsen, das Eigenkapital wird dann komplett aufgebraucht sein.» Bis 2022 rutscht die Gemeinde in eine Nettoschuld pro Einwohner. Bai kündigte weitere Massnahmen zur Sanierung der Finanzen an und sagte: «Ab 2022 wollen wir ohne neue Schulden auskommen.»

Trotz der angeschlagenen Finanzlage gewährte die Gemeindeversammlung mit grossem Mehr 94'000 Franken für die Überdachung der Veloabstellplätze beim erst im August eröffneten Schulhaus Gründen. Diese beantragte Thomas Schaub (CVP) auch im Namen der Eltern und Lehrpersonen. Steigende Eintrittspreise für das Hallenbad liess die Versammlung trotz aufkommender Kritik im Budget stehen.