Die Zusammenarbeit von SVP, FDP und CVP ist im Baselbiet eine politische Konstante, die den Bürgerlichen in den vergangenen zwei Jahrzehnten manchen Wahlerfolg beschert hat. Doch nun, wo die Kampagne für die Wahlen vom 31. März 2019 Fahrt aufnimmt, ist der Wurm drin: Die SVP als wählerstärkste Kraft im Kanton fordert ultimativ einen zweiten Regierungskandidierenden neben Amtsinhaber Thomas Weber.

FDP-Chef Paul Hofer ist zwar mittlerweile bereit, sein ursprüngliches Wahlziel, die beiden freisinnigen Regierungssitze zu halten, zugunsten des SVP-Anspruchs aufzugeben. Die bz machte vergangene Woche ein vertrauliches Papier hierzu publik. Damit soll die bürgerliche Zusammenarbeit (Büza) gerettet werden.

Doch diese Nachgiebigkeit missfällt der Dritten im Bunde, CVP-Chefin Brigitte Müller-Kaderli. Erst recht gross ist die Skepsis bei der CVP, wenn der zweite SVP-Regierungskandidat Thomas de Courten heissen soll. Der 51-jährige Nationalrat aus Rünenberg hat sein Interesse bereits kundgetan. Er ist erfahren und bestens vernetzt, steht aber politisch am rechten Rand der SVP und ist daher für viele moderate Bürgerliche unwählbar. De Courten machte bereits deutlich, dass er eine definitive Zusage von einer Klärung der Ausgangslage im bürgerlichen Lager abhängig mache.

Oberwils Präsi Ryser will nicht...

Bekannt ist ferner, dass die SVP Muttenz Dominik Straumann, den langjährigen Fraktionschef im Landrat, zuhanden der Kantonalpartei nominiert hat. Straumann gilt als «Nice Guy» und wäre etwa bei der CVP-Basis besser akzeptiert als de Courten. Allerdings zweifeln einige, ob der 42-jährige Unternehmer, Kommandant der Muttenzer Stützpunktfeuerwehr und Präsident des Feuerwehrverbands beider Basel über das nötige Format verfügt.

Die Frage drängt sich auf: Gibt es bei der SVP – einen bislang nicht diskutierten – Kandidierenden mit Wahlchancen, auf den sich die drei Parteien einigen könnten? Mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht.

Auf Anfrage sagen mehrere Papabili, dass sie kein Interesse an einer Regierungskandidatur haben. Zum Beispiel Hanspeter Ryser. Der Oberwiler Gemeindepräsident verfügt als einer von wenigen SVP-Politikern im Kanton über Exekutiverfahrung in einem grossen Gemeinwesen. Ryser politisierte von 1998 bis 2010 im Landrat und amtete 2003/2004 als Landratspräsident. Er wäre dem Regierungsamt gewachsen und mit 53 im besten Alter. Dennoch winkt er ab: «Ich habe in Oberwil spannende Projekte am Laufen. Mir ist es in meinem jetzigen Amt sehr wohl.»

Eine Absage kommt auch von Peter Riebli. Der Landrat und Gemeindepräsident von Buckten musste jüngst wegen seines Vorstosses zur Kürzung der Sozialhilfe heftige Kritik einstecken. Dennoch wird er von Vertretern anderer Parteien als umgänglicher Brückenbauer gelobt. Riebli sagt, dass er sich durchaus als Exekutivpolitiker verstehe, fügt dann aber an: «In meinem Alter wird man höchstens noch US-Präsident, sicher nicht Baselbieter Regierungsrat.» Riebli ist 62.

...und Johannes Sutter auch nicht

Eine weitere interessante Personalie ist Johannes Sutter. Der Gemeindepräsident von Arboldswil hat sich als Gegner von Gemeindefusionen und der Regionenbildung einen Namen gemacht. Er ist Vizepräsident der kantonalen SVP und Inhaber eines Ingenieurbüros mit Dutzenden Mitarbeitenden. Der gewiefte Baujurist wäre der ideale Nachfolger der abtretenden Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP). Doch auch Sutter will nicht – noch nicht. «Im Moment ist eine Regierungskandidatur kein Thema». Er schliesse aber nicht aus, dass das in einigen Jahren anders aussehe. Mit 45 steht Sutter nicht unter Zugzwang.

Als frische Kraft mit Potenzial gilt zudem Matthias Liechti. Der Gemeindepräsident von Rümlingen, Theologe und Bio-Bauer reagiert überrascht auf die Anfrage: «Ich habe mir die Frage nach einer Regierungskandidatur noch nie gestellt.» Für den 38-Jährigen käme dies wohl etwas früh. Er gibt jedoch an, bei den Landratswahlen kandidieren zu wollen.

Schliesslich sagt auch Landrätin Caroline Mall, dass die Regierungswahlen für sie kein Thema seien. Der Stern der einstigen SVP-Hoffnungsträgerin leuchtet nicht mehr so hell wie auch schon; im November 2017 scheiterte sie bei den Gemeinderatswahlen in Reinach. Mall ist eine versierte Bildungspolitikerin, gilt aber als unbequem. Die Partei würde sie wohl nicht portieren.

Die Frist zur Einreichung von Kandidaturen ist Mitte Mai verstrichen. Dennoch will SVP-Chef Oskar Kämpfer nicht verraten, wer sich gemeldet hat. Nur so viel: Die möglichen Kandidierenden werden derzeit in der Personalkommission auf Herz und Nieren geprüft. Spätestens Ende Juni will die SVP bekannt geben, welche Nominierten zur Auswahl stehen.

Ebenfalls vor den Sommerferien soll die Bündnisfrage im bürgerlichen Lager geklärt sein. Das Ticket für die Regierungswahlen 2019 wird am SVP-Parteitag am 23. August bestimmt.