Es sind rund zehn Orte im Baselbiet, an denen der Kanton die Velorouten verbessern möchte. «Verlegung von Kantonsstrasse auf durchgängig verfügbare Gemeindestrassen» – so oder ähnlich formuliert er es im Entwurf zur Anpassung des Kantonalen Richtplans (Krip). Die Velofahrer sollen also weniger auf den viel befahrenen Kantonsstrassen fahren, dafür häufiger parallel dazu auf ruhigen Gemeindestrassen. Solche Orte, die den Velofahrern nicht mehr zugemutet werden sollen, sind zum Beispiel der Kreisel südlich des Reinacher Dorfkerns oder die Rheinstrasse in Frenkendorf-Füllinsdorf. Dies soll im Rahmen von «Optimierungen» bereits bestehender oder erst geplanter Velorouten umgesetzt werden.

Doch für die veloverbundenen Organisationen der Region geht die Absicht des Kantons in die falsche Richtung. Verdränge man die Velofahrer von den Hauptstrassen, werde das Velo nicht zur valablen Alternative für Pendler, monieren Pro Velo, Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), Pro Natura und die Grünen Baselland in ihren Vernehmlassungsantworten zum angepassten Krip. Denn auf Gemeindestrassen sei man langsamer unterwegs, weil man meist nicht vortrittsberechtigt sei. Zudem seien die separaten Routen oft weniger direkt als auf Kantonsstrassen. Und schliesslich, so der Tenor, entsprächen die kurvigen Routen nicht den Bedürfnissen der E-Biker.

Routen sollen direkt bleiben

Landrat Jan Kirchmayr (SP) bringt die Haltung der Velo-Lobby auf den Punkt, wenn er meint: «Der Veloverkehr ist auf vortrittsberechtigten, gut ausgeschilderten und befestigten Achsen ohne Umwege und nennenswerte Höhenunterschiede zu führen.» Pro Velo ist nicht grundsätzlich gegen die Verlegungen, fordert aber, dass die Routen «trotzdem möglichst direkt bleiben». Und die Pendlerinnen und Pendler dürften nicht von den direkt geführten Hauptstrassen abgehalten werden. Und die Grünen schreiben: «Es entspricht nicht der gebotenen Veloförderung, die Velos von den Kantonsstrassen zu verdrängen, anstatt ihnen dort den sicheren Radweg oder Radstreifen zu schaffen.» Das widerspreche den vom Kanton gesetzten Zielen.

Tatsächlich hat sich die Regierung bereits dazu bekannt, den Veloverkehr möglichst rasch fliessen zu lassen. So schreibt sie zum Radrouten-Verpflichtungskredit, den der Landrat derzeit behandelt: «Die kantonalen Radrouten sind die ‹Autobahnen› der Radfahrenden.»

Radroutennetz ist von 1987

Armin Schmauss, Projektleiter im Baselbieter Tiefbauamt, relativiert das jetzt allerdings. «Wenn die Sicherheit auf der Kantonsstrasse nicht gewährleistet ist, braucht es abgetrennte Wege», sagt er. Und gleichzeitig gilt für ihn: «Die neue Linienführung darf den Komfort nicht mit Umwegen einschränken, sie muss weiterhin direkt sein.» Das Abwägen zwischen Sicherheit und Geschwindigkeit sei oft schwierig. Denn Pendler, Schüler oder Freizeitradler hätten unterschiedliche Bedürfnisse.

In erster Linie gestalte man die Routen für unsichere Velofahrer. So könne man zum Beispiel bei ungeübten E-Bikern Unfälle vermeiden. «Es gibt Abschnitte, auf denen schnellere Fahrer dann trotzdem die Kantonsstrassen wählen. Wir können niemanden auf unsere Routen zwingen.» Deshalb bestimme man meist für jeden Ort zusammen mit der Gemeinde aufgrund einer Hauptzielgruppe, wo die Route durchführen solle. Die Velorouten von den Kantonsstrassen zu trennen, sei «nicht unser generelles Ziel, sie soll aber auch nicht als Verschlechterung für die Route gelten».

Die Umweltorganisationen fordern hingegen klar definierte Schnellrouten. Dabei müsse man die Bedeutung von E-Bikes beim Pendeln einbedenken. Das kantonale Radroutennetz müsse diesbezüglich neu gedacht werden, finden sie. Es stammt aus dem Jahre 1987, in seiner aktuellen Form ist es 20 Jahre alt, und von den geplanten 300 Kilometern sind erst zwei Drittel umgesetzt.

Schnellrouten durchaus möglich

Gegen Veloschnellrouten im Kanton Baselland sträubt sich Armin Schmauss vom Baselbieter Tiefbauamt nicht. Im Radrouten-Verpflichtungskredit seien Mittel vorgesehen, um sich Gedanken über eine Weiterentwicklung des Veloroutennetzes zu machen, sagt er. «Das kann durchaus auf Pendlerachsen hinauslaufen.»