Irgendetwas muss Stefan Zemp (SP, Sissach) falsch verstanden haben: «Das ist eine Schnapsidee», rief er aus. In Tat und Wahrheit ging es gestern Donnerstag im Parlament jedoch um Wein. Genauer: um einen eigenen Staatswein. Im Gegensatz zu den Nachbarkantonen fehlt Baselland nämlich ein solch prämierter Tropfen, der zu offiziellen Anlässen des Kantons ausgeschenkt werden könnte. Dieses Manko könnte bald passée sein. Der Landrat überwies mit
59 Ja- gegen 12 Nein-Stimmen bei 5 Enthaltungen deutlich ein entsprechendes Postulat von Sabrina Corvini-Mohn (CVP, Pfeffingen). Der Regierungsrat muss nun prüfen, ob jährlich ein Baselbieter Staatswein gekürt werden kann. Corvini hofft, dass dies 2016 das erste Mal der Fall sein wird.

Dabei hatte die Debatte zuvor fast schon groteske Züge angenommen: Zemp und mit ihm Teile der SP stellten sich auf den Standpunkt, dass die Kür eines Staatsweins nicht zu den Kernaufgaben eines Kantons gehöre. «Ich fordere, dass auch der beste Kachelofen des Baselbiets ausgezeichnet wird», provozierte Ofenbauer Zemp. Und Hanni Huggel (SP, Münchenstein) befürchtete, dass durch einen Staatswein der Alkoholkonsum gefördert würde. «Stattdessen könnte man doch sortenreinen Traubensaft anbieten. Den gibt es in Baselland nämlich noch gar nicht.»

120 Winzer mit 60 Rebsorten

Am Ende obsiegten die Weinliebhaber unter den Räten, darunter auch Hannes Schweizer (SP, Oberdorf), der gestand: «Ich trete bei der Abstimmung in den Ausstand, weil ich seit rund einem Jahr Rebbauer bin und natürlich selbst gewinnen möchte.» Aufmerksame Beobachter ertappten ihn allerdings dabei, wie er «aus Versehen» doch den grünen Knopf drückte.

Es gab aber auch «vernünftige» Argumente zu hören, die für einen eigenen Staatswein sprechen: «Mit der Kür soll die Arbeit der Baselbieter Winzer gewürdigt werden», sagt Corvini. Diese lieferten seit längerem eine Top-Qualität ab. Tatsächlich hat sich der Weinbau in der Region massiv gesteigert: Mittlerweile bauen in Baselland rund 120 Winzer 60 Rebsorten an. Und mit Urs Jauslin aus Muttenz befindet sich bereits ein Pinot-Noir-Weltmeister in den eigenen Reihen. Auch der «Syydebändel» von zwölf Oberbaselbieter Winzern ist mehrfach prämiert. Für Rolf Richterich (FDP, Laufen) steht beim Staatswein derweil vor allem die Förderung der regionalen Wirtschaft im Vordergrund.

Siegessicher hatte Corvini vorgesorgt und lud im Anschluss an die Landratssitzung zusammen mit dem Weinproduzentenverband Region Basel/Solothurn zu einer Wein-Degustation ins Foyer. Neben Jauslin präsentierten auch Ambros Thüring (Ettingen), Ueli Bänninger (Aesch), Thomas Engel (Kellerei Siebe Dupf Liestal) und Fredy Löw (Buus) jeweils einen Wein. Die meisten setzten dabei auf einen Pinot Noir, neben dem Riesling-Sylvaner die Baselbieter Hauptrebsorte.

Projekt kostet fünfstelligen Betrag

Diese beiden Sorten sind es denn auch, die beim hiesigen Staatswein das Rennen machen dürften: «Wir sind zu klein, als dass mehr als ein roter und ein weisser Staatswein Sinn machen würden», sagt Paul Leisi, Präsident des Weinproduzentenverbands Region Basel/Solothurn. Er freut sich über die Unterstützung der Politik, sagt aber auch: «Bei uns ist das Thema schon über zwei Jahre im Gespräch.» So habe man bereits alles aufgegleist, um beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain im Mai das Projekt «Staatswein Baselland» einzureichen. Dies im Rahmen des Förderprogramms für Spezialkulturen, das vom Wirtschaftsförderungsfonds gespeist wird. Gegenüber der bz nennt Leisi auch erstmals eine Kostenschätzung: «Wir veranschlagen für das Projekt einen tiefen fünfstelligen Betrag.» Das genüge auf jeden Fall für die Aufbauarbeit des Wettbewerbs.

Leisi schildert den Ablauf: Zuerst sollen unabhängige Profi-Sommeliers die vier besten Weine auswählen. Danach folge eine «VIP-Degustation», etwa von Regierungs- und Landräten, die unter Anleitung eines Profis die beiden Staatsweine küren. Leisi: «Die Verkündigung müsste dann ein schöner gesellschaftlicher Anlass sein. Das sollte der Staatswein den Kanton schon wert sein.»