Durch Muttenz verlaufen zahlreiche kantonale Velorouten. Doch keine führt an der neuen Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) vorbei, in die ab Mitte September 4400 Studenten und Lehrkräfte ein und aus gehen werden. «Ich wüsste nicht, wie man derzeit mit dem Velo sicher zur Fachhochschule käme», sagt SP-Landrat Jan Kirchmayr. Er erinnert daran, dass die FHNW eine Einrichtung von kantonaler Bedeutung sei. Diese sollte an kantonale Velorouten angeschlossen werden, das stehe so im kantonalen Richtplan. «Dass keine Veloroute zur FHNW führt, irritiert.»

Kirchmayr bemängelt die stark von Lastwagen befahrene Hofackerstrasse, die zur Schule führt. Und wer übers Gebiet St. Jakob zur FHNW wolle, müsse sich wegen der Schänzlitunnel-Baustelle die Strasse mit dem Autobahnverkehr teilen. Gefährlich für Velofahrer sei zudem die Kreuzung Hofackerstrasse-Birsfelderstrasse (beim Pantheon). «Da muss dringend etwas geschehen», sagt Kirchmayr.

Ähnlich sieht das Roland Chrétien, Geschäftsführer von Pro Velo beider Basel. Er erinnert an den tödlichen Unfall an dieser Kreuzung 2014. Ein Velofahrer war unter einen Lastwagen geraten. Der Kurvenradius zur Autobahn hin sei sehr gross, sagt Chrétien, es werde zu schnell gefahren. «Die Stelle sollte man entschärfen.»

Armin Schmauss, als Projektleiter im kantonalen Tiefbauamt verantwortlich für die Veloroutenplanung, bestreitet nicht, dass die Erschliessung der FHNW für Velofahrer derzeit nicht optimal ist. «Muttenz hat aber ein sehr dichtes Radroutennetz», sagt er. Man komme bereits jetzt schon gut zum Polyfeld. «Das letzte Teilstück, die Hofackerstrasse, bleibt aber noch zu bewältigen», räumt er ein.

Gemeinde will handeln

Er meint aber auch, es müsse nicht zwingend eine kantonale Radroute bis ganz zur FHNW führen. «Man muss schon unterscheiden, welche Route von kantonaler Bedeutung ist und was als Erschliessung gilt.» Deshalb sieht er die Gemeinde in der Verantwortung. Diese, so meint er, könne die Hofackerstrasse velofreundlicher gestalten, etwa mit dem Einrichten von Velospuren oder Tempo 30.

Muttenz hat tatsächlich vor, die Hofackerstrasse umzugestalten, das bestätigt Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne). In welche Richtung die Sanierung gehen soll, ist Gegenstand von Planungen. So viel ist für ihn aber jetzt schon klar: «Wir werden die Situation für Velofahrende verbessern. Denn sie ist jetzt nicht gut.» Bis es so weit ist, muss die Gemeindeversammlung noch die nötigen Gelder sprechen. Saniert wäre die Strasse im Jahr 2021.

Schmauss vom Tiefbauamt weist auf einen anderen Ort hin, an dem es Muttenz selber in der Hand hat, den radelnden Studenten die Fahrt über das Gebiet St. Jakob zu erleichtern: Die Schänzli-Überbauung, für die die Gemeindeversammlung im Juni grünes Licht gegeben hat. Dort sind einige Massnahmen für Velofahrer geplant. Umsetzungshorizont ist in den kommenden rund zehn Jahren.

In die Verantwortung des Kantons fiele eine velofreundlichere Gestaltung der Kreuzung beim Pantheon, über die ein Teil FHNW-Studenten aus Basel fast zwingend radeln muss. Denn die Birsfelderstrasse gehört dem Kanton. «Der Knoten Birsfelderstrasse bleibt schwierig», räumt Schmauss ein. Und er macht keinerlei Hoffnung auf baldige Besserung. Ein Sanierungsprojekt hat der Kanton nicht in der Schublade. «In den kommenden fünf Jahren ist dort keine Veränderung geplant», stellt Schmauss klar. Für Hausammann ist die Situation an der Kreuzung «nicht ideal», aber er möchte nichts überstürzen. Noch sei nicht klar, was es dort genau brauche. «Wenn es so weit ist, werden wir beim Kanton vorstellig.»

Vielleicht doch eine Velospur

Immerhin ist seine Gemeinde nicht tatenlos. Noch vor der FHNW-Eröffnung wird Muttenz als erste Massnahme den Lastwagen-Transitverkehr auf der Hofackerstrasse untersagen. Auch wenn die Zu- und Wegfahrt zu den Firmenarealen erlaubt bleibe, werde es eine Reduzierung des Schwerverkehrs und so eine Verbesserung für Velofahrende geben, sagt Hausammann. «Aber es ist klar, die Velofahrenden werden vorerst nicht zusätzlich geschützt.» Allenfalls werde man nach Eröffnung der FHNW das Aufmalen einer Velospur prüfen. Fürs Erste empfiehlt er, über die Gründenstrasse zur FHNW zu fahren.