Der 78-jährige Lukas Stoecklin ist gehbehindert. Das Tram kann er nur mit Mühe benützen, den Bus gar nicht. Deshalb hat der Allschwiler bisher die Koordinationsstelle Fahrten für mobilitätseingeschränkte Personen beider Basel (KBB) benutzt. Dank ihr kommt er zu subventionierten Taxifahrten für sogenannte Freizeitfahrten, also für Verwandtenbesuche, kulturelle Aktivitäten oder Einkäufe – für fünf Retourfahrten pro Monat. Wenn der Taxameter zum Beispiel 50 Franken anzeigt, übernimmt Stoecklin davon nur 19 Franken. Vor allem bei längeren Fahrten profitiert er.

Doch ab dem 1. Januar 2017 muss er immer den vollen Transportpreis zahlen. Denn seine Rente beträgt etwas mehr als 50 000 Franken pro Jahr. Das ist die Limite, unter der man subventionsberechtigt ist. Einberechnet wird dabei auch das Vermögen. «Lustfahrten sind so nicht mehr möglich», sagt Stoecklin. «Was bisher Behinderten erleichtern sollte, aus ihren vier Wänden herauszukommen, Kultur und soziale Kontakte zu geniessen, noch etwas menschliche Wärme vor ihrem Tod zu erleben, wird in Almosen für Minderbemittelte umfunktioniert.»

Das findet auch Marcel Buess, Präsident der Behindertenselbsthilfe beider Basel (IVB). Viele Wohlhabende könnten Taxifahrten problemlos übernehmen, räumt er ein. Doch ihm geht es ums Prinzip: «Behinderte sollen alle gleich behandelt werden.» Er vergleicht den KBB mit dem Tarifverbund Nordwestschweiz. «Dort erhalten alle die gleichen Subventionen, Vermögende profitieren davon so wie Ärmere.» Deshalb hat er Verständnis für Stöcklins Ärger. «Die Bedürfnisse der Behinderten sollen im Vordergrund stehen. Da darf es keine Rolle spielen, wie viel einer verdient.»

Kleine Hilfestellungen inbegriffen

Auf ein weiteres Problem weist Stöcklin hin: Die von der KBB akkreditierten Transportunternehmen sind verpflichtet, die Gehbehinderten von Haustüre zu Haustüre zu begleiten. Ausdrücklich in der subventionierten Transportdienstleistung inbegriffen sind «kleinere Hilfestellungen», etwa das Zusammenlegen eines Rollstuhls. «Ein normaler Taxifahrer lädt einen einfach aus», hat Stöcklin festgestellt.

Wie viele Gehbehinderte über die Limite von 50 000 Franken fallen werden, ist unklar. Buess will nicht ausschliessen, dass einige Menschen weniger Fahrten in Anspruch nehmen werden. Stöcklin meint sogar, das werde die Mehrheit der bisherigen Nutzer der KBB tun, vor allem Alleinstehende, die in Einfamilienhäusern leben. Sicher ist nur: Basler sind nicht betroffen. Denn die Beschränkung der Subventionen für Minderbemittelte ist die Konsequenz eines Landratsbeschlusses vor einem Jahr.

Matthias Weber, Leiter des «Hilfsmittel Shop + Service» von Pro Senectute in Liestal, stellt oft fest, dass auch gut Situierte sich über zu teure Taxifahrten beklagen. Vorstellbar ist für ihn, dass er ab kommendem Jahr mehr Hilfsmittel verkauft, mit denen Gehbehinderte selber mobil bleiben können, etwa Elektroscooter. Denkbar ist für ihn, dass Gehbehinderte vermehrt auf private Netzwerke zurückgreifen, um ihre Mobilitätsbedürfnisse zu decken. Solche Netzwerke gebe es im stadtnahen Raum wenig. «Aber je mehr man ins Land hoch geht, um so grösser wird die Selbsthilfe untereinander. Stoecklin nützt das wenig. Er hat nur ein Mal pro Monat jemanden, der ihn mit einem Auto fährt.