Schwitzen. Das tun wir alle in diesem Sommer. Mehr als sonst. Speziell gefordert sind Leute, die ihre Arbeit im Freien und unter brennender Sonne verrichten müssen. Wie gehen sie damit um?

Viel trinken, Sonnenschutz für Haut, Kopf und Augen, vermehrt Pausen sowie ab und zu in den Schatten – dies sind die wichtigsten Verhaltensregeln. Die Getränke werden in der Regel vom Arbeitgeber gratis und in ausreichendem Mass zur Verfügung gestellt, teils auch Sonnencrème. Das lindert zwar, doch die Arbeit muss trotzdem getan werden.

Unfallgefahr ist nicht grösser

«Wir haben keine Zeit, um langsamer zu arbeiten, das liegt nicht drin», betont Hans Thommen, Hochbau-Polier bei der Implenia Basel und zuständig für die Grossbaustelle Rebgarten beim Liestaler Stedtli. Er ist schon lange in diesem Metier tätig. Für ihn sind diese Verhältnisse «sehr grenzwertig», seit Sommer 2003 habe er nie mehr solche erlebt. Die Arbeiter auf der Baustelle aber sind robust. Alles Südländer, die meisten Portugiesen und Italiener, die sich derart hohe Temperaturen gewohnt sind. «Nach einem Arbeitstag ist man abends schon recht müde», erzählt Thommen. Laut dem Polier ist die Unfallgefahr bei Hitze und Trockenheit nicht grösser. Bei der Schutzkleidung werden keine Kompromisse eingegangen.

Noch stärker wirkt sich das jetzige Wetter beim Teeren aus. «Da kommt die Hitze von oben und von unten», sagt Sandra Salvador-Ziegler vom Tiefbauunternehmen Ziegler AG in Liestal. Gefühlte 60 Grad. Häufig seien dort langjährige Mitarbeiter am Werk, die mit solchen Gegebenheiten umgehen könnten, erklärt die Personalverantwortliche, die der Geschäftsleitung angehört. Salvador berichtet, es hätten sich schon Stimmen gemeldet, die für hitzefrei plädiert hätten. Sie fragt sich jedoch: «Ab welcher Temperatur soll das sein?»

Die Ziegler AG würde gerne Betriebsferien machen, aber der Bauherr wünscht das nicht. Dieser wolle während dieser Zeit vor allem, dass die Arbeiten vorwärts kämen, sagt Salvador. Die Firma mit Filiale in Sisseln betreibt derzeit gegen 25 Baustellen und beschäftigt rund 250 Mitarbeitende. Wegen Schulferien herrscht derzeit die grösste Personalabwesenheit.

Morgens schon ganz früh die Arbeit aufzunehmen, wenn die Temperaturen noch angenehmer sind, ist nicht überall möglich. «Wir dürfen auf einer Baustelle erst ab 7 Uhr Lärm machen, sonst gibt es Probleme mit Anwohnern», meint Rita Lais, Personalverantwortliche der Wenger AG Gartenbau aus Aesch. Oder sie schauten, dass ihre Angestellten eine Stunde früher nach Hause gehen könnten. Gemäss Lais sind Landschaftsgärtner mit Bauarbeitern vergleichbar. «Unsere Leute sind jahraus, jahrein draussen und Kälte und Hitze gewohnt.»

Hitze beeinträchtigt Arbeitstempo

Bei der Elektra Baselland können die einzelnen Equipen der Abteilung Leitungsbau selbstständig entscheiden, wann sie am Morgen starten wollen. Sie müssen jedoch allfällige Lärmbelästigungen berücksichtigen. «Die Teams können früher beginnen, eine längere Mittagspause machen und abends ein wenig länger arbeiten», erläutert Tobias Andrist, seit gut einem Monat CEO des Energieversorgers aus Liestal.

Für ihn ist klar, dass die Hitze das Arbeitstempo beeinträchtigt und für gewisse Arbeiten mehr Zeit eingerechnet werden muss – «nicht nur draussen, auch drinnen». In der jetzigen Ferienzeit sei die ganze Bautätigkeit jedoch eher reduziert, konstatiert Tobias Andrist.