An der Generalversammlung der Kehrichtbeseitigung Laufental-Schwarzbubenland AG (Kelsag) am Donnerstagabend in Hochwald waren einige Misstöne zu hören. Für Aufsehen sorgte der Liesberger Gemeinderat Volker Papenburg, der sich über die Entschädigung für seine Ortschaft erkundigte. Im Budget des Laufentaler Dorfs für das Jahr 2019 ist die Summe drin, die Kelsag will sie jedoch nicht entrichten.

Während Jahrzehnten hatte die Standortgemeinde Liesberg von der Kelsag Entschädigungszahlungen in der Höhe von jährlich 180 000 Franken erhalten. In der Ortschaft an der Grenze zum Kanton Jura befindet sich der Sitz des Unternehmens, das den Hauskehricht von 32 Gemeinden entsorgt. Lange Zeit wurde im Dorf eine Deponie betrieben, die man bis zum Jahr 2000 mit Kehricht und anschliessend bis zum Jahr 2016 mit der Schlacke des verbrannten Kehrichts füllte. Aufgrund von Emissionen wie Geruchsbelästigung und Verkehr erhielt Liesberg eine Entschädigung.

Liesberg pochte auf Zahlungen

Seit keine Schlacke mehr den Weg ins Laufental findet, sind sich die Verantwortlichen von Liesberg und der Kelsag uneinig darüber, ob die Standortgemeinde noch Entschädigungen erhalten soll oder nicht. «Für die beiden Jahre 2017 und 2018 haben wir Liesberg nochmals Entschädigungen in der Höhe von insgesamt rund 250 000 Franken entrichtet», sagt Kelsag-Geschäftsführer Edmund Frey Kuron. Liesberg pochte damals darauf, weiterhin entschädigt zu werden, da bis Herbst 2018 Aushubmaterial in die Liesberger Deponie gebracht wurde. Die Kelsag griff noch einmal ins Portemonnaie – wenn auch weniger tief als in den Jahren zuvor.

Mit dem Ende der Lieferungen von Aushubmaterial im Herbst 2018 war die Deponie abgeschlossen und befindet sich derzeit in der abschliessenden Rekultivierungsphase. Für die Kelsag ist deshalb klar: «Wir vertreten die Ansicht, dass gemäss Deponievertrag vom 4. Dezember 1995 mit Erreichen des zusätzlich bewilligten Aushubmaterials keine weitere Standortentschädigung von 145 000 Franken an die Gemeinde Liesberg zu zahlen ist und für die Zahlung einer Pauschalentschädigung von 35 000 Franken keine vertragliche Grundlage mehr besteht», teilte das Unternehmen seinen Aktionären mit.

Die Gemeinde Liesberg sieht dies anders und rechnet auch für das Jahr 2019 mit einer Entschädigung. Im Gegensatz zu dem der Kelsag ist im Budget der Ortschaft eine Entschädigung aufgeführt. «Wir sind ja weiterhin Standortgemeinde der Kelsag. Jährlich werden rund 13 000 Tonnen Grüngut in die Biogasanlage des Unternehmens gebracht», erklärt der Liesberger Gemeinderat Volker Papenburg auf Anfrage. «Die Verkehrsbelastung und die Geruchsemissionen haben wir – zwar weniger als früher – immer noch.» Zudem bestehe ein Vertrag bis Ende 2019, der nach Meinung des Liesberger Gemeinderats die Kelsag zu Entschädigungen verpflichte.

Stehen in Verhandlungen

Sowohl Kelsag-Geschäftsführer Edmund Frey Kuron als auch der Liesberger Gemeinderat Volker Papenburg betonen, in Gesprächen zu stehen. Bis anhin sei es jedoch noch nicht gelungen, eine Einigung zu finden. Es ist gut möglich, dass sich die beiden Parteien an den Verhandlungen die Zähne ausbeissen werden.