In Thürnen kommt es zum Eklat. Das Komitee für Thürnen teilte am Montagabend mit, dass Gemeindepräsident Hansjörg Hänggi nicht mehr zur Wiederwahl antreten würde. Grund sei ein «weiterer Vertrauensbruch» von Seiten der anderen freien Ortspartei, der Bürgerlichen Vereinigung Thürnen (BVT), sowie öffentlich getätigte Aussagen von deren Mitglied Robert Schneeberger, alt Gemeindepräsident und Vater der Baselbieter Nationalrätin Daniela Schneeberger. 

«Es ist sehr schade», wird Hansjörg Hänggi in der Mitteilung zitiert, «dass das politische Klima im Dorf derart vergiftet wird, dass eine vernünftige Arbeit nicht mehr möglich ist.» Hänggi ist seit 2004 Mitglied des Gemeinderats, den er seit 2008 präsidiert. Das Komitee für Thürnen kündigt an, keine Kandidaten mehr zu stellen für die Gemeindewahlen am 28. Februar - es werde «in die Opposition gehen.» 

«Vertrauliche Informationen gesteckt»

Konkret geht es beim erwähnten Vertrauensbruch um Aussagen von Vertretern der Bürgerlichen Vereinigung Thürnen in einem Artikel in der «Volksstimme» von Mitte Januar. Der Zeitung wurden laut Komitee «offenbar vertrauliche Informationen gesteckt», obwohl zwischen allen Beteiligten in Thürnen schriftlich Stillschweigen vereinbart worden sei. 

Weiter zitiert das Komitee in der Mitteilung eine Aussage von Rolf Schneeberger, die dieser kürzlich in der «Basler Zeitung» getätigt hat. Demnach sagte Schneeberger, der Thürnen zwischen 1976 und 1996 präsidierte, er wolle Hänggi «nicht mehr im Rat sehen» und er «arbeite daran».

Vorwurf der Amtsgeheimnis-Verletzung

Der Graben, der durch Thürnen verläuft, ist nicht frisch. Bereits Ende Oktober sorgte ein Brief von Robert Schneeberger für Aufsehen im Dorf. Im Vorfeld des zweiten Wahlgangs bei einer Ersatzwahl für den Gemeinderat warf er Hänggi «chaotisches und repressives Verhalten» vor. Weiter empfahl er im Schreiben den Kandidaten seiner «Vereinigung» zur Wahl, der schliesslich gewählt wurde. 

Auch das «Komitee» stellte mit Katja Eichelbeger-Bausinger eine Kandidatin. Pikanterweise sollen den Brief Schneebergers, so sagte es jedenfalls Gemeindepräsident Hansjörg Hänggi an der Dezember-Gemeindeversammlung, nur jene Dorfbewohner erhalten haben, die im ersten Wahlgang Eichelberger gewählt und ihr Wahlcouvert nicht verschlossen hätten. 

Das würde bedeuten, so implizieren es Hänggis Aussagen, dass jemand vom Wahlbüro die Namen der Eichelberger-Wähler herausgegeben hätte. Das wäre eine Amtsgeheimnis-Verletzung. Der Präsident und der Vize-Präsident des Wahlbüros reagierten an besagter Versammlung erstaunt auf die Vorwürfe.