Die unterirdische Galerie bei Altkirch, der Kilianstollen, hätte die deutschen Soldaten eigentlich schützen sollen. Aber am 18. März 1918 eröffneten die Franzosen ein heftiges Feuer mit schwerem Geschütz und begruben 34 deutsche Soldaten.

Einige konnten 1918 tot geborgen werden, 21 Soldaten galten als vermisst. Bis jetzt: Beim Bau einer Umfahrungsstrasse wurde der Kilianstollen 2010 wieder entdeckt, freigelegt und wissenschaftlich untersucht. Das Interesse der Medien war gross. Derzeit legen die Archäologen ihre Ergebnisse vor – 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Ergebnisse im Internet zugänglich

Unter anderem informiert ein 13-minütiger Dokumentarfilm in Deutsch und Französisch über die Stollenanlage. Gratis im Internet angeboten wird auch ein dreidimensionaler virtueller Rundgang durch den Kilianstollen, ebenfalls in beiden Sprachen. Interessierte können sich durch eine Computergrafik klicken, die eine exakte Nachbildung des Stollens zeigt.

Klicks auf Gegenstände, zum Beispiel einen Gasmaskenbehälter, öffnen ein Fenster mit Informationen. Filme und Rundgang können auf einer eigens eingerichteten Homepage angeschaut oder heruntergeladen werden. Die Homepage wird laufend ausgebaut.

Der Lössboden hat den Inhalt des Stollens konserviert und eine Momentaufnahme des Krieges überliefert. Wie in Pompeji fand man die Soldaten in genau der Lage, in der sie gestorben waren.

Ausgrabungen eines deutschen Stollens aus dem Ersten Weltkrieg (von PAIR)

Und ihre gesamte Ausrüstung war noch vorhanden, von der Zahnbürste über Waffen und Munition bis zu Uniformresten, Glücksbringer und Geschirr. Michaël Landolt vom elsässischen Amt für Archäologie in Sélestat betont den Wert dieser Funde: Bisher mussten sich die Historiker auf schriftliche Dokumente verlassen, zum Beispiel militärische Reglemente und Rapporte.

Der Kilianstollen verrät nun, wie die Soldaten tatsächlich ausgerüstet waren und wie sie lebten. Auch die Holzrahmen, mit denen der 1,7 Meter hohe Stollen ausgekleidet war, sind erhalten geblieben und zeigen die Bauweise. Ein Teil des Stollens soll nächstes Jahr wieder aufgebaut und dem Publikum gezeigt werden, zuerst im Militärhistorischen Museum in Dresden, dann auch in Altkirch.

Jetzt fehlt nur noch das Geld

Doch hier liegt das Problem: Im Elsass möchte man die Funde, die im In- und Ausland auf grosses Interesse stossen, dauerhaft ausstellen, zum Beispiel im Museum des Sundgaus in Altkirch.

Eine solche Ausstellung könnte Publikum anziehen. Aber das Städtchen Altkirch sieht sich ausserstande, die Ausstellung selber zu finanzieren, und das Museum lässt die Vorarbeiten derzeit ruhen. An einer Informationsveranstaltung in Altkirch versicherten die regionalen Politiker, man wolle eine Lösung finden und nach geeigneten Partnern suchen.

Damit wurde schon begonnen: Die Homepage zum Kilianstollen wird von der EU und mehreren Organisationen mitgetragen, darunter das Programm zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit am Oberrhein (Interreg IV), an dem sich auch die Schweiz beteiligen kann.