Zufrieden strahlt Ruedi Baltisberger, Präsident des Kirchenrates Therwil/Biel-Benken. Denn die Sanierung der Dorfkirche Therwil schreitet zügig voran. «Wir sind stolz auf unsere frühbarocke St.-Stephans-Kirche», sagt er. Und Ratskollege André Ackermann ergänzt: «Die Kirche ist ein Bijou des Leimentals.» Fast entschuldigend fügt er an, dass es im Leimental sonst wenige Sehenswürdigkeiten gebe, die über die Region hinaus strahlten. Die Kirche aber gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken barocker Architektur der Region Basel.

Mit der Sanierung, in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege, liegt man im Zeitplan. Im März haben die Fachleute mit ihrer Arbeit begonnen. Für die Firmung im November sowie über die Grossfeiertage Weihnachten 2018 und Os-tern 2019 sei die Kirche geöffnet. Ab 9. Mai 2019 bleibt sie dann für rund sechs Monate vollständig geschlossen.

Morsche Balken im Dachstock

Zurzeit ist die Sanierung des Dachstocks im Gange. Diese war eigentlich gar nicht vorgesehen. «Wir wollten zuerst nur die Aussenfassade, an welcher der Verputz abblättert, neu verputzen lassen», sagt Baltisberger. Dann habe man sich aber entschieden, eine Zustandserfassung zu machen, um allfällige Mängel beheben zu können, «wenn wir schon ein Gerüst stellen müs-sen», so Ackermann, der für das Bauliche zuständige Kirchenrat.

In der Tat fanden die Architekten unter dem Dach meterweise morsches Holz. «Wir sind ziemlich erschrocken», sagen die beiden Kirchenräte. Denn einige der Stützbalken waren so morsch, dass die ernsthafte Gefahr bestand, dass irgendwann die Decke einstürzt. Dies konnte man nun abwenden, weil man den Schaden rechtzeitig entdeckt habe, zeigt sich Brandenberger erleichtert. Für die Kirchenbesucher bestünde keine Gefahr mehr.

Nun liegt der Boden des Dachstocks frei. Dicke alte Balken sind freigelegt. Die schadhaften Balken werden aber nicht vollständig ersetzt, sondern nur dort, wo sie morsch sind. Dieses Stück wird jeweils entfernt und an dessen Stelle montieren die Zimmerleute ein frisches Stück Holz, das sie mit dem alten Balken verbinden. Damit habe man dem Wunsch der Denkmalpflege entsprochen. Das intakte neue Stück Balken aus Tannenholz wirkt wie eine Prothese an menschlichen Gliedmassen. Der so gestützte Balken ist genau so wirksam wie zuvor.

Die Kirche St. Stephan wurde – mitten im Dreissigjährigen Krieg – zwischen 1627 und 1631 im frühbarocken Stil erbaut. Die äussere Gestaltung entspricht noch weitgehend dem ursprünglichen Zustand. In den letzten knapp 400 Jahren wurden lediglich das Turmdach verändert, Klangöffnungen eingefügt und der Glockenturm erbaut. In den Jahren 1962/63 erfuhr die Kirche – samt Turm, St.-Anna-Kapelle und Ausstattung – letztmals eine vollständige Sanierung. Im Jahre 1991 erfolgte eine Innensanierung. Bei dieser Gelegenheit wurden eine neue Orgel angeschafft und die Empore neu gestaltet.

Sanierung kostet 2,3 Millionen

Als man das Dach für die aktuellen Sanierungsarbeiten abdeckte, stellte man fest, dass einige Ziegel sogar älter als die Kirche sind. Ackermann sagt: «Der älteste Ziegel stammt aus dem Jahr 1569.» Andere tragen die Jahrzahlen 1640, 1700 und 1730 – Zeugnisse späterer Dachdeckerarbeiten. Diese sollen, soweit sie intakt sind, wieder verwendet werden.

Die Sanierung der Fassade, des Dachstocks und des Inneren der Kirche kostet rund 2,3 Millionen Franken. Dabei kann die Kirchgemeinde auf Beiträge der Gemeinden Therwil und Biel-Benken sowie auf Beiträge aus dem Lotteriefonds des Kantons Baselland und der römisch-katholischen Landeskirche zählen. Dazu sind Einzelspenden gekommen, wie die beiden Kirchenräte Brandenberger und Ackermann erfreut mitteilen: «Die Finanzierung scheint sichergestellt zu sein.»

Während der Zeit, in der die Kirche geschlossen ist, finden die Gottesdienste im grossen Saal des Pfarreiheims statt. Dieser wird dafür eigens als Gotteshaus umgestaltet. Sogar die Fenster werden mit buntem Papier beklebt, um sie wie gotische Kirchenfenster in allen Farben leuchten zu lassen. Und die Sakristei befindet sich vorübergehend im Pfarreiheim. Im November 2019 soll die Kirche im Rahmen der Firmung und mit einer würdigen Feier wieder eingesegnet und eröffnet werden.