Die öffentliche Schlachtung zweier Sauen im vergangenen Oktober in Sissach lief unter tierschützerischen und hygienischen Aspekten einwandfrei ab. Zu diesem Schluss ist jetzt die Baselbieter Staatsanwaltschaft gekommen. Sie geht deshalb nicht weiter auf zwei Anzeigen ein, die die Tierschützerin Beatrice Pfister eingereicht hatte.

Die Behörden haben aufgrund der fast gleich lautenden Anzeigen geprüft, ob die verantwortlichen Metzger gegen die eidgenössische Tierschutzverordnung verstossen haben. Diese verbietet «das Verwenden von Tieren zur Schaustellung, zur Werbung (...), wenn damit für das Tier offensichtlich Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind». Pfister sah diese Vorschrift verletzt.

Selbstgeisselungs-Protest gegen öffentliche Schweineschlachtung

Selbstgeisselungs-Protest gegen öffentliche Schweineschlachtung

Mit dieser archaischen Aktion wollte ein Ex-Pfarrer die «Absurdität» der Metzgete auf offener Strasse in Sissach kritisieren.

Unhygienische Sitzbänke

Doch die Staatsanwälte nahmen den Veranstaltern ab, sie hätten einem breiten Publikum eine alte Tradition vermitteln wollen. «Der unmittelbare Zweck der Veranstaltung war damit kein finanzieller und auch kein primär werbender», halten sie fest. Die beiden Schweine seien weder vermenschlicht noch sonst wie der Lächerlichkeit preisgegeben worden. Deshalb liege auch kein «Zurschaustellung von Tieren» vor, wie Pfister bemängelt hatte.

Die Tierschützerin hatte zudem die Hygienebedingungen an der Schlachtung kritisiert. So dürfe man keine Festbänke aus Holz, keine Bodenbehälter für Schlachterzeugnisse und keine Stofftücher zur Reinigung verwenden. Zudem sei der Teerboden nicht geeignet gewesen und die Metzger hätten ihre Hände nicht ordentlich waschen können.

Doch nach Gesprächen mit dem kantonalen Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen kommt die Staatsanwaltschaft zum Schluss, die Metzger seien sauber vorgegangen. Verwiesen wird zudem auf den Bericht des Kantonstierarztes, wonach sämtliche Auflagen eingehalten worden seien.

Selbstgeisselungs-Protest gegen öffentliche Schweineschlachtung

Selbstgeisselungs-Protest gegen öffentliche Schweineschlachtung

Mit dieser archaischen Aktion wollte ein Ex-Pfarrer die «Absurdität» der Metzgete auf offener Strasse in Sissach kritisieren.

Das Fazit der Untersuchungsbehörde ist eindeutig: All die Straftatbestände «sind eindeutig nicht erfüllt». Dazu meinte Pfister: «Ich habe damit gerechnet, dass sich die Staatsanwaltschaft dem politischen Druck beugt, statt nach Gesetz zu urteilen. Offensichtlich scheinen da Beisshemmungen zu bestehen.» Sie beharrt auf dem, was sie bereits in ihrer Strafanzeige geschrieben hatte, nämlich dass die Hygiene nicht eingehalten worden sei. Das sei «beweisbar», wie sie betont.

Kein Weiterzug möglich

Sie verweist dafür auf Pressebilder, die zum Beispiel einen Boden voller Blut zeigten. Dieses sei nicht ordnungsgemäss entsorgt worden. Auf den Bildern sei zudem nicht erkennbar, womit die Metzger Hände und Geräte desinfiziert hätten. Pfister ist daher erstaunt über die Feststellung der Staatsanwaltschaft, dass die «fraglichen Straftatbestände nicht erfüllt» seien. «Es muss wieder einmal mehr festgestellt werden, dass das Tierschutzgesetz auch im Kanton Baselland nur auf dem Papier besteht. Die Leidtragenden sind die Tiere. Der Kampf für sie geht weiter.»

Bereits beim Einreichen ihrer Klage war Pfister kämpferisch aufgetreten. Gegenüber der «Volksstimme» hatte sie erklärt, sie gehe «nötigenfalls bis vor Bundesgericht». Doch sie darf die Sache gar nicht weiter ziehen. Als Klägerin betreffend Offizialdelikt ist sie nämlich nicht als Privatklägerin konstituiert, wie Staatsanwaltschafts-Sprecher Thomas Lyssy auf Anfrage erklärt. Der Grund: Pfister ist nicht persönlich von der Angelegenheit betroffen. Die Sache ans Gericht weiterziehen könnten nur die angezeigten Metzger – und die haben nach dem für sie positiven Entscheid absolut keinen Grund dafür.