Im Kanton Baselland herrscht eine Zweiklassengesellschaft: In den 60er- und 70er-Jahren schossen die Hallenbäder im Unterbaselbiet nur so aus dem Boden, meistens als Teil von Schulanlagen. Und dieser Boom wirkt sich bis heute aus. Sechs der acht klassischen Hallenbäder liegen im Bezirk Arlesheim.

Doch heute werden sie je länger, je mehr zur Bürde. Da viele Standortgemeinden Sparpakete schnüren müssen, rückt der kostspielige Unterhalt der Hallenbäder in den Fokus. «Der Betrieb eines Hallenbades ist nie kostendeckend», hält Christian Saladin vom Baselbieter Sportamt trocken fest.

Binningen etwa kostet der Unterhalt des Hallenbads Spiegelfeld jährlich bis zu einer Million Franken. Nur der Druck der Öffentlichkeit verhinderte eine Schliessung. Dasselbe Bild präsentiert sich in Birsfelden oder Oberwil. Nun werden stattdessen die Eintrittspreise erhöht und die Öffnungszeiten beschränkt – das bedauert Rahel Bänziger. Die Grünen-Landrätin aus Binningen stösst sich daran, dass jeweils die Standortgemeinden allein für den Unterhalt einer Dienstleistung aufkommen müssen, die auch die umliegenden Gemeinden nutzen. «Die Mitbenutzer reissen sich nicht gerade darum, sich finanziell zu beteiligen», sagt sie. In Binningen hätte der Gemeinderat erst kürzlich die Nachbarn angefragt und nur Absagen erhalten.

Kanton zahlt nicht

Bänziger bringt deshalb eine neue Idee ins Spiel: In einem Postulat fordert sie die Regierung auf, zu prüfen, ob Standortgemeinden von Hallenbädern über den horizontalen Finanzausgleich entlastet werden könnten. Konkret schwebt Bänziger vor, dass die Unterhaltkosten vom Finanzausgleichsbeitrag abgezogen werden oder aber eine neue Sonderlastenabgeltung geschaffen wird. «Binningen muss sparen, doch die Einsparungen des letzten Jahres gingen direkt wegen des höheren Finanzausgleichs wieder verloren», kritisiert sie.

Die Vorteile ihrer Idee liegen für Bänziger vor allem darin, dass der Kanton nicht belastet würde, denn «dort ist es völlig unrealistisch, Geld zu bekommen». Dass der Kanton über den Swisslosfonds fünf Millionen Franken an das Gelterkinder
17-Millionen-Neubau-Projekt beisteuert, ist denn auch die absolute Ausnahme, wie Saladin bestätigt. Und auch Beiträge umliegender Gemeinden gebe es meistens nur bei Neubauten und Sanierungen. Für den stellvertretenden Leiter des Sportamts ist klar: «Hallenbäder müssen wir, wenn immer, möglich erhalten.» Die zur Verfügung stehende Wasserfläche in Baselland sei bereits «sehr begrenzt». Bänzigers Idee sei deshalb prüfenswert.

Agglo-Bäder zusammenlegen?

Ganz anders klingt es beim Kanton. «Dieser Vorschlag ist nicht mit dem heutigen Finanzausgleichs-System kompatibel», sagt Michael Bertschi von der Abteilung Gemeindefinanzen des Statistischen Amts. Der Betrieb eines Hallenbads könne nicht als Sonderlast im herkömmlichen Sinn gelten. Im Gegensatz zu den Sonderlasten Bildung oder Sozialhilfe sei es eine optionale Dienstleistung. Zudem dürften Sonderlasten von der Gemeinde nicht beeinflussbar sein. Tatsächlich dürfte die Gefahr gross sein, dass dann auch Gemeinden mit einer Kunsteisbahn oder einem Tennisplatz Begehrlichkeiten anmelden.

Bänziger argumentiert, dass Schwimmunterricht im Lehrplan vorgeschrieben sei. Tatsächlich ist es aber so, dass in Baselland nur allgemeiner Sportunterricht obligatorisch ist und Schwimmen nicht explizit dazugezählt wird. Das ist auch der Grund, warum BDP-Landrat Marc Bürgi bereits vergangenen Frühling eine Motion eingereicht hat, die das Schwimmunterrichts-Obligatorium fordert. Sie wird an einer der nächsten Sitzungen vom Landrat beraten. Bürgi schlägt eine andere Richtung ein: «Die Hallenbäder müssen besser über den Kanton verteilt werden.» Er fordert, dass der Kanton in vier bis fünf Regionen den Betrieb eines Bades übernimmt, der aber von allen Gemeinden bezahlt würde. «Nur so könnte man Ungerechtigkeiten abbauen.» Etwa, dass Reinach sich wegen des Finanzausgleichs kein Hallenbad leisten kann, Gelterkinden als Nehmergemeinde aber ein neues baue.

Auch Ueli Kräuchi vom Gemeindeverband VBLG hält den Finanzausgleich für das falsche Instrument. «Die Unterbaselbieter Gemeinden sollten miteinander diskutieren, welche ihrer Hallenbäder es wirklich braucht und für jene dann gemeinsame Trägerschaften anstreben.» Kräuchi weiss jedoch um den öffentlichen Druck und fügt an: «Am Ende entscheidet der Steuerzahler. Wenn ihm ein eigenes Hallenbad höhere Eintrittspreise oder Steuererhöhungen wert ist, spricht nichts dagegen.»