Es hätte ein Versuch sein sollen: der zweijährige Testbetrieb eines Ortsbusses, der vor allem die Quartiere in Reinach West (Unterer Rebberg, Hubacker, Mischeli und Surbaum) besser erschliesst. Doch mit 2982 Nein- zu 1580 Ja-Stimmen schickten ganze zwei Drittel der Stimmbürger das Anliegen von Gemeinde- und Einwohnerrat bachab und folgten der SVP-Parole. Die Wahlbeteiligung betrug 36 Prozent.

«An diesem Resultat gibt es nichts zu deuteln. Der Ortsbus ist vom Tisch», hält Stefan Brugger fest. Der CVP-Gemeinderat, der das Dossier betreute, ist enttäuscht. Vor allem bedaure er, dass das Volk den klaren Entscheid ihrer Vertreter im Einwohnerrat umgestossen hat. Diese hatten den Testbetrieb ursprünglich mit einer Zweidrittelmehrheit gutgeheissen.

Als einzige Ortspartei opponierte die SVP gegen den neuen Bus und erzwang mittels Behördenreferendum die Abstimmung. «Wir haben es im Alleingang geschafft. Das ist ein typischer Sieg Davids gegen Goliath», sagt denn auch SVP-Reinach-Präsidentin Caroline Mall. Für sie ist klar, dass die anderen Parteien am Volk vorbeipolitisiert haben: «Nur wir waren nah an der Basis.» Vor allem kritisiert Mall die anderen bürgerlichen Parteien, denn: «Man darf sich nicht ‹bürgerlich› nennen, wenn man es gar nicht ist.»

Nun Ruftaxi oder BLT-Variante?

Einer der Hauptgründe für das deutliche Nein dürften die Kosten von 360000 Franken pro Jahr gewesen sein. Brugger vermutet zudem, dass nicht allen Stimmbürgern klar war, dass es sich nur um einen Probebetrieb gehandelt hat, der bereits nach einem Jahr hätte abgebrochen werden können. SP-Präsident Markus Huber schliesst aus dem Resultat aber auch, dass «die Mehrheit der Reinacher mit dem jetzigen öV-Angebot anscheinend zufrieden ist». Ein Nachteil sei zudem, dass nur Reinach West von der Linienführung profitiert hätte. Selbstkritisch gesteht Huber: «Vielleicht hätten wir mehr auf die Strasse gehen und wie die SVP polemischer argumentieren sollen.»

Auch wenn das Ortsbusprojekt für Reinach nun gestorben ist, bleibt Mobilität ein Thema: «Wir werden im Einwohnerrat demnächst ein Postulat einreichen, dass ein Ruftaxi geprüft werden soll», kündet Mall an. Davon würde der ganze Ort profitieren; und es sei günstiger. Diese Idee kommt bei den anderen Parteien gut an. Gemeinderat Brugger warnt jedoch: «Man muss aufpassen, dass die öffentliche Hand nicht in das Terrain von Privatunternehmen eingreift.» Er könne sich dagegen vorstellen, dass die BLT die Linienführung der Busse 62 und 64 durch Reinach variiert.