Gemeindepräsident Peter Buser zeigt sich während des Apéros vor der Budget-Gemeindeversammlung am Mittwochabend aufgeräumt und locker. Die ersten acht Geschäfte der Traktandenliste bringt er souverän über die Bühne. Dann folgt «Kunsteisbahn, Information». Die Stimmung wird ernster. «Dieses Traktandum darf ich jetzt nicht auslassen», witzelt Buser und setzt um 22.07 Uhr zu einem längeren Monolog an. Seine Stimme klingt gebrochen. Dem Gemeindepräsidenten ist es sichtlich unangenehm, die Kostenüberschreitung beim Neubau der Eishalle und bei der Sanierung der Kunsteisbahn erklären zu müssen.

«Ziel nicht erreicht»

Neues gibt Buser nicht von sich und wiederholt schon Bekanntes, nimmt aber dabei kein Blatt vor den Mund. «Wir haben das Ziel nicht erreicht, das Projekt für 8,7 Millionen Franken zu realisieren. Eine Niederlage schmerzt immer», zieht Peter Buser eine Parallele zum Sport. Auch für die Planer sei die Situation unangenehm. Auf sie hat sich der Sissacher Gemeinderat verlassen: 60 Prozent der Offerten lägen im grünen Bereich, die Kosten habe man im Griff, hiess es.

«Doch mit dem Fortschreiten des Baus ist die eine oder andere Überraschung zum Vorschein gekommen», konstatiert Buser. Die Reserven von 400 000 Franken im Projektierungskredit von 8,7 Millionen erwiesen sich als viel zu tief. Allein die Baumeisterarbeiten kosten 600 000 Franken mehr als vorgesehen. Zusätzliche, vom Gemeinderat in Auftrag gegebene Arbeiten, die nicht in der Projektsumme berücksichtigt sind, belaufen sich auf 80 000 Franken.

Eine definitive Kostenübersicht ist erst nächstes Jahr möglich. Laut dem Gemeindepräsidenten dürfte das ganze Vorhaben aber um über zehn Prozent teurer werden als von der Gemeindeversammlung bewilligt. Die neuste Kostenkontrolle vom 29. November geht von einem Gesamtbetrag von 9,6 Millionen Franken aus.

Auf den umfangreichen Fragenkatalog, den drei Einwohner eingereicht haben, geht Buser nicht detailliert ein und bittet um Verständnis: «Einige Fragen kann ich nicht beantworten, weil das Projekt noch läuft.» Er verspricht, dass der Gemeinderat in einer Klausur der Sache genau auf den Grund gehen werde. «Es ist nicht alles optimal gelaufen», gesteht er.

Auch die Gemeindekommission empfinde Unbehagen, sie sei enttäuscht über die Kommunikation und den nun unvermeidlichen Nachtragskredit, betont Präsident Thomas Schwab und fragt sich: «Wie kann es sein, dass man die Bausubstanz nicht kennt?» Martin Häberli, Präsident der Geschäftsprüfungskommission, kündigt an, dass vorerst Ausschreibung, Verantwortlichkeiten und Organisation überprüft würden. Darauf hätten sich Kommission und Gemeinderat geeinigt.

Deutsch und deutlich

Ruedi Graf, ein flammender Befürworter der neuen Sportanlage, hat zusammen mit Stephan Marti und Thomas Martin den Fragenkatalog verfasst. Er attestiert dem Gemeindepräsidenten eine «ausführliche und ehrliche Antwort». Graf verlangt zu gegebener Zeit schriftliche Antworten, was Buser zusichert. «Das Projektmanagement hat richtige Böcke geschossen», glaubt Ruedi Graf. Dieser fordert den Gemeinderat auf, am Honorar des Planers von 1,2 Millionen Franken zu «schrauben».

Die Verantwortung müsse geklärt werden. «Wir müssen zahlen für das, was wir nicht bewilligt haben», macht eine Stimmbürgerin ihrem Unmut Luft. Ein anderer Votant ruft verärgert in die Halle: «Der Zeitdruck ist damals zu gross gewesen, jetzt haben wir den Schlamassel.»

Um 22.50 Uhr setzt Gemeindepräsident Peter Buser zum Schlusswort an. Dank des schönen Sommers werde dieses Jahr in Erinnerung bleiben, meint er versöhnlich. Vermutlich auch wegen dieser Kostenüberschreitung, was Buser aber nicht aussprach.