Vereinzelt wurde gar gejubelt. Die Birsfelderinnen und Birsfelder machten an ihrer Gemeindeversammlung einen grossen Schritt in Richtung eines neu gestalteten Ortszentrums. Sie folgten dem Antrag des Gemeinderats mit 268 Ja-Stimmen. Die Gegner des Projekts erreichten 85 Stimmen, sieben Einwohner enthielten sich. Grossmehrheitlich wurden danach 410 000 Franken für die Erarbeitung des nun notwendig werdenden Quartierplans gesprochen. Geht alles nach Plan, startet die Bauphase 2024 und endet 2030.

Bereits im Vorfeld wurde mit einem grossen Aufmarsch der Interessierten gerechnet. Deshalb fand die Versammlung nicht wie üblich in der Aula der Rheinparkschule, sondern in der grösseren Sporthalle statt. 360 wollten sich Gehör verschaffen zu einem Thema, über das gemäss Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP) schon seit den 1940er-Jahren nachgedacht wird.

Mehr Raum, mehr Baum

Das Projekt war nochmals überarbeitet worden. Der Fussabdruck der Gebäude verringerte sich von 6270 Quadratmeter auf 6050. Die öffentlich nutzbaren Grün- und Freiräume legten um 36 Prozent auf 5460 Quadratmeter zu. Dagegen nimmt die versiegelte Oberfläche um 21 Prozent ab und beläuft sich noch auf 7320 Quadratmeter. Statt 73 sind nun 80 Bäume vorgesehen. Noch einiges mehr wurde den gesammelten Wünschen aus der Bevölkerung angepasst.

Dennoch gab es weiterhin kritische Stimmen. Ökologisch und ökonomisch nicht genügend durchdacht sei das Projekt. Es brauche eine Gesamtplanung für Birsfelden, für die Infrastruktur der Gemeinde inklusive Risikoabklärung. Ob es die 160 bis 180 entstehenden Wohnungen braucht, wurde bezweifelt. Er teile die Begeisterung nicht, offenbarte ein Birsfelder. «Wir stehen bereits an 16. Stelle der am meisten verdichteten Gemeinden der Schweiz», führte er aus, «es geht darum, die bestehenden Gebäude zu optimieren.»

Ein Befürworter forderte rollstuhl-gerechte Toiletten im geplanten Zentrum, das eine Begegnungszone werden soll. Auch Alterswohnungen, «denn dann würden wir unser Haus für eine junge Familie freigeben».

Hiltmann erinnerte daran, dass Birsfeldens Einwohnerzahl von 15 000 auf 10 000 gesunken ist. Die Infrastruktur sei auf eine höhere Anzahl Einwohner ausgelegt. Zudem: «Es gibt extrem viele, die nach Birsfelden ziehen wollen.» Angestrebt werde eine grosse Wohnungsvielfalt mit unterschiedlichen Investoren. Entstehen solle eine durchmischte Form von Wohnen auf verschiedenen Preisniveaus.

Gemeinderätin Regula Meschberger (SP) meinte: «Was wir brauchen ist ein Mix an Wohnungen, damit wir kein Getto erhalten. Diese Chance haben wir nun, und wir müssen sie ergreifen.» Ein Birsfelder pflichtete bei. «Wir hatten bisher gar kein Zentrum, in Zukunft werden wir eines haben.»