Sie sind so überzeugt von ihrem Produkt, dass sie die Bevölkerung am nächsten Samstag einladen, es zu übertölpeln. Oder besser gesagt, es zu versuchen, denn gelingen werde es sowieso nicht. Sie – das sind zehn kreative Köpfe vor allem aus dem Ingenieur- und Informatik-Bereich, die beim Start-up-Unternehmen pQRSt tech in Lausen arbeiten. Das Produkt ist etwas, das es bis anhin nicht gegeben hat. CEO Milo Graf erklärt: «Wir haben ein weltweit einzigartiges Alarmsystem entwickelt, das auf einem Video-Analyse-Algorithmus basiert. Damit können zum Beispiel Schmuck oder Uhren ohne Panzerglas präsentiert werden.»

Zugriff hat nur, wessen Handvenen gespeichert sind. Handvenen seien um ein vielfaches sicherer als Fingerabdrücke oder die Iris des Auges, sagt Graf. Versucht eine nicht berechtigte Person, eine Uhr aus dem Schaukasten zu entfernen, geht ein Alarm los, je nach Einstellung über Lautsprecher, LED-Lampen, Pager und Smartphone. Alle Bewegungen im und um den Schaukasten werden aufgezeichnet und gespeichert. Ein Prototyp steht derzeit in der «Dream-Gallery» in der Liestaler Rathausstrasse. Dort kann die Bevölkerung am Samstag versuchen, eine Uhr ohne Alarmauslösung zu entfernen.

Graf setzt grosse Hoffnungen auf das in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut CSEM in Alpnach entwickelte Videoerkennungssystem, das zum Beispiel an der Uhren- und Schmuckmesse zum Einsatz kommen könnte. Es soll nun in Serie gehen. Als neusten Mitarbeiter hat die pQRSt tech im September einen Produktionsleiter angestellt und sondiert gegenwärtig nach grösseren Firmenräumlichkeiten.

Doch die Zukunftseuphorie bei den mehrheitlich knapp über 30 Jahre alten Mitarbeitern beruht nicht nur auf der Videoerkennung. Als Hoffnungsträger stehen auch eine neuentwickelte Drohne und ein mobiler Roboter in der Pipeline. Graf veranschlagt deren Serienreife auf die zweite Hälfte des nächsten Jahres. Die Drohne durchläuft derzeit eine Testphase bei mehreren Feuerwehren und soll selbstständig Brandherde entdecken. Details dazu will Graf im jetzigen Stadium nicht verraten.

Engländer stieg als Investor ein

Auch beim Roboter ist der ansonsten durchaus kommunikative CEO zurückhaltend, um der Konkurrenz nicht in die Hände zu spielen. Nur so viel: Der Roboter soll im Sicherheitsbereich zum Einsatz kommen und menschliches Personal an Zuverlässigkeit um ein Vielfaches übertreffen.

Womit wir am Anfang der Firmengeschichte wären: Graf, von Haus auf Kaufmann mit Zusatzausbildung im Sicherheitsbereich, arbeitete vor ein paar Jahren im Nachtdienst einer Sicherheitsfirma. Dabei fiel ihm auf, wie gefährlich Routinearbeit werden kann, wenn man etwa vergisst, regelmässig Fluchtwege oder Feuerlöscher zu überprüfen. Das könnte doch ein Roboter viel zuverlässiger erledigen, fand er.

Doch vorerst ruhte diese Idee und Graf tat sich mit Marc Hermann zusammen, einem breit ausgebildeten Sicherheitsfachmann. Daraus entstand das Unternehmen pQRSt GmbH. Es konzentriert sich auf den Personenschutz, betreibt zwei Ausbildungs- und Trainingszentren und bietet Kurse in taktischer Notfallmedizin – medizinische Hilfe unter Bedrohung – an. Die Medizin stand auch Pate bei der Wahl des Firmennamens: Die Buchstaben pQRSt stehen für die Herzfrequenzen.

Graf liess seine Roboter-Idee aber keine Ruhe. Und als er an der vorletzten Fasnacht zufällig auf Thaddäus Stucki, der sich vor allem mit Service-Robotern in Haus und Garten beschäftigte, stiess, war das die Geburtsstunde vom Schwesterunternehmen pQRSt tech AG. Als dritter kam dann noch der Ingenieur Rainer Furrer dazu, der heute technischer Leiter ist. Stucki streckte die Fühler über Facebook zu einem ihm bekannten, möglichen Investor aus.

Dieser, ein Engländer, sagte nach diversen Kontakten und der Präsentation des Roboter-Projekts zu, mit einem einstelligen Millionenbetrag bei pQRSt tech einzusteigen. Graf sagt: «Für Risiko-Projekte wie das unsrige ist es sehr schwierig, Schweizer Investoren zu finden. Aber ohne Investoren läuft nichts, obwohl hier immer alle von Robotik, künstlicher Intelligenz und Digitalisierung reden.»

Mit dem Engländer, einem Astrophysiker, stehen die Jungunternehmer in ständigem Kontakt und er bringt auch eigene Ideen ein. Das gegenseitige Vertrauen sei gross, sagt Graf. Und er prophezeit, dass die pQRSt tech bei optimalem Geschäftsverlauf in fünf Jahren einer der wichtigsten Player in digitaler Sicherheitstechnik sei.