Ein Fuchs und ein Storch stehen auf einem Tisch und dazwischen Eva Maria Brackes. Für sie ist die Lichtprobe vorbei, das Licht im Theatersaal des Palazzo geht an. Die 31-Jährige räumt ihre Requisiten weg. Es bleiben aber zwei Kleber auf dem schwarzen Boden, beschriftet mit Weiss 5. Dort wird sie am Wochenende ihren Tisch wieder hinstellen.

Brackes ist eine von 16 Teilnehmenden der Weiterbildung Figurentheater. Seit bald zwei Jahren pendelt die Pflegefachfrau regelmässig nach Liestal, wo sie im Hanro-Areal von Margrit Gysin, Irene Beeli und Michael Huber unterrichtet wird. Brackes äussert sich begeistert über die Teilnehmenden und darüber, dass «ich durch die Weiterbildung wieder zu meiner Kreativität gefunden habe».

Ihre Abschlussarbeit, die wie alle anderen unter dem Motto «Fabeln fabulieren» steht, handelt vom Teilen. Weil der Esstisch auch bei Brackes oft im Mittelpunkt steht, ist er Zentrum ihrer Aufführung. Die lebhafte Saarländerin, die schon lange in Zürich lebt, spielt mit Tischmarionetten. Dass grösser nicht unbedingt einfacher bedeutet, habe sie lernen müssen, sagt sie schmunzelnd. Rund vier Monate benötigte sie für ihre Arbeit, seit einem Monat probt sie. Ihr ist wichtig, Spass zu haben. Perfekt muss sie nicht sein.

Das Licht muss aber die Szenerie perfekt ausleuchten. Gabriela Schelbert muss sich deshalb sofort entscheiden: Wohin kommt ihr Djembe? Und wohin der Sonnenschirm? Gysin und Huber sind vor Ort und beraten sie, damit der Schirm optimal steht und auch alle Zuschauer das Schattentheater darauf sehen. «Die Lichtprobe ist Teil der Weiterbildung», erklärt Gysin, «die angehenden Puppenspieler müssen wissen, wo sie was haben wollen und wie es ausgeleuchtet werden soll.»

Liebe auf den ersten Blick

Schelbert ist aufgeregt, «aber gleichzeitig reizt es mich enorm, mit meinem Stück aufzutreten und zu sehen, wie es wirkt». Ein halbes Jahr hat sie daran gearbeitet. Die Psychomotorik-Therapeutin ist langjähriger Puppentheater-Fan. Sie entschied sich für die Weiterbildung, «weil das Puppentheater mir Raum gibt, Kreativität zu entfalten, was für meine Arbeit mit Kindern sehr wichtig ist».

Für die 51-Jährige waren die Fahrten von Zürich nach Liestal und retour mit zwei Kolleginnen, wo man sich stets ausgetauscht hat, sehr wertvoll. Zudem «lernte ich, mich zu entwickeln, gross zu schaffen, da tun sich Welten auf».

Bei Theatermacher, Regisseur und Musiker Benno Muheim war es Liebe auf den ersten Blick. Er war lange auf der Suche nach einem inspirierenden Format für Inszenierungen für Kinder. «Ich wollte die Fragen beantwortet haben, wie komme ich auf den Punkt, wie erzähle ich?» Antworten fand er im Puppentheater am Festival Figura. Deshalb hat er nach einer Weiterbildung gesucht.

Der 37-Jährige fasst die zwei Jahre so zusammen: Inspiration, grossartige Begegnungen und tolles Handwerk. Seine Abschlussarbeit machte er mit Anna Nauer zusammen. Die beiden gründeten schon während der Weiterbildung ein Ensemble. Mit «Hand im Glück» sind sie bereits auf Tournee gewesen. Er ging von dramaturgischen Fragen aus, Nauer war eher aufs Material konzentriert, «doch dann ging es auf die Probebühne und das war magisch. Wir spielten. Einfach so. Wie Kinder, einfach mal rein in die Sache.» Sie entwickelten einfachste Objekte und schufen dann daraus Papierfiguren. Er wie auch Schelber und Brackes haben bereits Ideen für Puppentheater in der Zukunft.

Mehr zur Weiterbildung finden Sie unter: www.weiterbildung-figurentheater.ch.
Aufführung der Abschlussarbeiten im Theater Palazzo in drei Teilen: Freitag, 27. Mai, um 19 Uhr sowie am 28. Mai um 17 Uhr respektive 19 Uhr.