Paul Wenger wechselt die Seite. Noch im vergangenen Herbst bekämpfte der SVP-Landrat die Initiativen des Komitees Gute Schule Baselland. Im Komitee «Gegen die unbezahlbaren Bildungsinitiativen» war Wenger Co-Präsident. Die Bildungsinitiativen wollten unter anderem die maximalen Klassengrössen in Primar- und Sekundarschule senken. Wenger war damals auf der Siegerseite - und tut nun alles dafür, seine einstigen Gegner beim nächsten Mal ebenfalls zu einem Sieg zu führen.

Das Komitee Gute Schule Baselland ist mittlerweile aus markenrechtlichen Gründen in «Starke Schule Baselland» umgetauft worden - die Bildungsdirektion reklamierte die Gute Schule Baselland für sich. Ab Sommer wird das Komitee aller Voraussicht nach wieder auf der Strasse stehen, um für die nächste Volksinitiative Unterschriften zu sammeln. Ziel ist, dass die strikte Niveautrennung in der Sekundarschule, wie sie heute bei den Pflicht- und Wahlfächern existiert, weitergeführt wird. Diese Trennung soll im Zuge von Harmos und den neuen Wahlpflichtfächern aufgehoben werden - daher soll auf den verschiedenen Leistungsniveaus das gleiche Wahlpflichtangebot gelten.

Niveaus sollen getrennt bleiben

Bei den neuen Wahlpflichtfächern Lingua (Weiterentwicklung des traditionellen Lateinunterrichts), und MINT (Mathematik, Informatik, Natur und Technik) will das Komitee aber eine Vermischung mit allen möglichen Mitteln vermeiden. Und die Geschäftsführerin Saskia Olsson weiss trotz ihrer erst 20 Jahre, worauf es ankommt: «Wir wollen politisch möglichst breit abgestützt sein.» Dem Komitee gehören neben Wenger und seiner Fraktionskollegin Caroline Mall beispielsweise auch die grünen Landräte Michael Vollgraff, Regina Werthmüller und Alt-Landrätin Madeleine Göschke, FDPlerin Bea Fünfschilling, GLP-Landrat Hans Furer sowie einige Berufsleute an, die sich der Vermischung der Niveaus widersetzen. «Sollten die Lehrerinnen und Lehrer Fächer wie etwa Lingua oder MINT P-, E- und A-Schülern zusammen unterrichten, stossen sie an ihre Grenzen», ist Olsson überzeugt. Und auch die Schüler würden benachteiligt: «Die einen langweilen sich, die anderen sind überfordert.»

Die Allschwiler Studentin sträubt sich gegen die zunehmende «Gleichmacherei» in den Schulen. «Wir müssen akzeptieren, dass nicht für alle die gleichen Lernziele gleich sinnvoll sind.» Mit ihrer Haltung eckt sie vor allem bei einem ehemaligen Bündnispartner der Starken Schule Baselland an. Von den Sozialdemokraten, die bei zwei der drei Bildungsinitiativen im letzten Herbst noch die Ja-Parole beschlossen hatten, ist nämlich noch niemand im Initiativ-Komitee. Der Baselbieter SP-Präsident Martin Rüegg etwa hält nämlich eine Durchmischung für durchaus sinnvoll: «Es gibt Studien, die zeigen, dass sowohl Schüler des höheren, als auch Schüler des tieferen Niveaus davon profitieren können.» Für eine Initiative zur strikten Niveautrennung sieht er bei den Sozialdemokraten kaum Unterstützung.

Regierungsrat äussert sich nicht

Ein wichtiger Sozialdemokrat äussert sich derweil nicht: Der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich. «Zur von Ihnen angesprochenen und offenbar angestrebten Initiative können und werden wir im geregelten Verfahren Stellung beziehen, falls und wenn diese eingereicht wird / worden ist», sagt sein Generalsekretär Roland Plattner. Bereits an einer Landratssitzung im vergangenen Mai hatte er sich zu einer Motion von Grünen-Landrat Wiedemann vorsichtig geäussert: Im Hinblick auf den Lehrplan 21 gäbe es keine Überlegungen, das heutige System grundlegend zu ändern. «Auf der anderen Seite kann niemand auf die Idee kommen, dass zum Beispiel im Wahlbereich alles weitergeführt wird», sagte Wüthrich damals.