Von «Hiobsbotschaften» sprach Nicole Nüssli, interimistische Gemeindepräsidentin von Allschwil, als sie am Mittwoch an der Einwohnerratssitzung über die neuesten Kündigungen von Verwaltungsangestellten informierte. In den letzten Wochen haben die Gemeindeverwalterin, ihr Stellvertreter in der Funktion als Leiter Zentrale Dienste und letzten Montag noch eine juristische Mitarbeiterin ihre Kündigungen eingereicht.

Nüssli informierte den Einwohnerrat, dass die Gemeinde nach einer juristischen Mitarbeiterin suchen werde, während sich ein externes Stellenvermittlungsbüro um die Besetzung der Stellen der Gemeindeverwalterin und des Leiters Zentrale Dienste kümmert. Es zeichne sich aber ab, dass der Gemeindeverwalter und der Leiter Zentrale Dienste nicht nahtlos ersetzen werden könnten. «Damit die Gemeindeverwaltung nicht führungslos ist, soll es deshalb ab dem 1. Dezember eine Interimslösung geben», kündigte Nüssli an.

Die Vakanzen machen sich bereits in einzelnen Geschäften der Gemeindeverwaltung bemerkbar. So musste etwa am Mittwoch ein Traktandum gestrichen werden, weil das entsprechende Personal zur Weiterbearbeitung nicht da ist. «Es fehlt schlicht an Manpower», betont Nüssli.

Besteht einen Zusammenhang?

Nicht nur der personelle Teilausfall in der Gemeindeverwaltung gab am Mittwoch zu reden. Auch die Häufigkeit der Kündigungen wurde von einigen als alarmierend eingestuft. Denn mit den drei jüngsten Kündigungen haben in den letzten drei Jahren über ein Dutzend Angestellte ihren Dienst bei der Verwaltung quittiert.

Der Einwohnerrat Roland Naef (parteilos) reichte deshalb einen dringlichen Vorstoss ein, in dem er die Geschäftsprüfungskommission (GPK) damit beauftragt, sich sofort mit dem Thema Personalfluktuation zu beschäftigen.

Einerseits soll ermittelt werden, ob «der heutige Gemeinderat überhaupt in der Lage ist Kadermitarbeiter zu selektionieren» oder ob jeweils professionelle Hilfe bei den Bewerbungsverfahren beigezogen werden sollte. Andererseits soll die GPK unter anderem herausfinden, ob die letzten Kündigungen Zufall sind oder ob die Stimmung auf der Verwaltung «mies» ist.

Naef rannte mit seinem Antrag bei der GPK offene Türen ein und zog deshalb seinen Vorstoss zurück. Denn auch für die GPK sind letzten Kündigungen alarmierend, weshalb sie sich bereits eingeschaltet hat, wie GPK-Präsident Jean-Claude Bourgnon erklärt.

«Uns macht der Zeitraum besorgt, in dem die Vakanzen stattfinden», erklärt Bourgnon. Die Häufung der Kündigungen könne nicht abgestritten werden. Die GPK wird deshalb in den nächsten Wochen prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen den vielen Vakanzen gibt. «Schlechte Stimmung kann ein möglicher Grund sein», so der GPK-Präsident. Aber auch der Lohn oder die Weiterentwicklungsmöglichkeiten seien Kriterien für Arbeitszufriedenheit.

«Aus individuellen Gründen»

Von schlechter Stimmung in der Verwaltung will Nicole Nüssli nichts wissen, «auf keiner Abteilung», betont sie. Viele Verwaltungsangestellte seien langjährige Mitarbeitende. «Ein Bild von mieser Stimmung repräsentiert das sicher nicht.» Die Kündigungen seien aus individuellen Gründen eingereicht worden - neue berufliche Herausforderungen oder ein Umzug in eine andere Stadt seien genannt worden. «Die Wechsel sind einzeln nachvollziehbar», sagt Nüssli.

Bis die Ursachen der Personalfluktuation ermittelt wurden, wird die Gemeinde mit der definitiven Anstellung von Kaderpersonal warten müssen. Laut Bourgnon wird es Winter oder Vorfrühling werden bis der Bericht der GPK vorliegt.