Es dauerte nicht lange, nachdem am Mittwoch der Bericht der Bau- und Planungskommission (BPK) zum 8. Generellen Leistungsauftrag (GLA) veröffentlicht wurde, da meldete sich bereits die SP zu Wort. Sie wehre sich gegen den «öV-Kahlschlag», schrieb sie. Keine überspitze Formulierung, sondern Realität, findet SP-Landrat und BPK-Mitglied Jan Kirchmayr. Denn die BPK gehe mit ihren Vorschlägen noch weiter als die Regierung.

Diese hatte zwei Hauptsparmassnahmen vorgeschlagen: Zum einen soll die Bahnlinie S9 (Sissach - Olten) – besser bekannt als Läufelfingerli – durch einen Bus ersetzt werden. Dazu kommt, dass die Linien 91 (Waldenburg - Bretzwil), 92 (Hölstein - Bennwil) und 93 (Lampenberg - Ramlinsburg - Lausen), die am Wochenende bereits nicht mehr verkehren, auch unter der Woche auf neun Kurspaare reduziert werden sollen.

Dem zweiten Vorschlag möchte die BPK nicht folgen. Mit 12:1 Stimmen empfiehlt sie, stattdessen von Montag bis Freitag 13 Kurspaare verkehren zu lassen. Ausserdem möchte sie mit 7:6 Stimmen auf den Linien 91, 92 und 93 wieder vereinzelte Wochenendkurse einführen. Und die Linien 108 (Sissach - Wittinsburg) und 109 (Rümlingen - Häfelfingen) sollen neu Wochenendkurse erhalten. «Das ist der einzige kleine Erfolg», sagt Kirchmayr. «Das tröstet aber auch nicht darüber hinweg, dass sonst nur abgebaut wird.»

Die BPK folgte der Regierung in Sachen Läufelfingerli laut Bericht nämlich «stillschweigend». Ausserdem stellt sie etwas völlig Neues in den Raum: Auch im Unterbaselbiet sollen auf einigen Linien bis zu fünf Kurspaare abgebaut werden. Würde auch auf den Linien 47 (Bottmingen - Muttenz), 60 (Biel-Benken - Schweizerhalle), 61 (Allschwil - Oberwil), 62 (Biel-Benken - Dornach), 63 (Dornach - Muttenz), 64 (Arlesheim - Allschwil) und 65 (Pfeffingen - Dornach) reduziert, wäre dies ein «Akt der innerkantonalen Solidarität», heisst es im Bericht. Auf diesen Linien würden zurzeit doppelt so viele Kurspaare verkehren wie vom Bund empfohlen.

«Affront» gegenüber Agglo

«Absolut untragbar» findet Kirchmayr den Vorschlag. «Erstens sind diese Linien gut ausgelastet und zweitens kann das nicht entschieden werden, ohne die betroffenen Gemeinden vorab zur Vernehmlassung einzuladen.» Selbst die Bau- und Umweltschutzdirektion sprach sich gemäss Kommissionsbericht gegen diese Anregung aus. Und auch die Grünen schrieben in einer Pressemitteilung, der Abbau wäre ein «Affront gegenüber den Unterbaselbieter Gemeinden». Sie seien «schockiert über einen derart unüberlegten Vorschlag von der bürgerlichen Mehrheit in der BPK».

Ähnlich klingt es bei GLP-Landrat und Kommissionsmitglied Matthias Häuptli. «Es bringt nichts, die beiden Kantonshälften gegeneinander auszuspielen», ist er überzeugt. «Man sollte nicht zu Lasten gut frequentierter Buslinien nicht rentable Buslinien erhalten.» Das heisse allerdings nicht, dass die GLP für einen Abbau im Oberbaselbiet sei. «Ein gewisses Minimalangebot muss es geben, auch wenn das Angebotsdekret einen gewissen Kostendeckungsgrad fordert.» Deshalb müsse auch das Dekret angepasst werden. Auch dies hat die BPK angestossen.

FDP-Landrätin und BPK-Mitglied Saskia Schenker versucht zu erklären, wieso die BPK nun plötzlich auch Linien im Unterbaselbiet ins Visier nimmt: «Wir haben versucht, Lösungsansätze zu finden, die ausgewogen das ganze Baselbiet betreffen und im Einzelnen möglichst verkraftbar sind. Dies soll eine Diskussion über gewisse Grundsätze im Landrat ermöglichen.» Schenker ist denn auch eine Befürworterin des Busersatzes für das Läufelfingerli. Denn für die Mehrheit der Bewohner des Homburgertals sei die Umstellung auf den Busbetrieb dank Taktverdichtung sogar eine Verbesserung des Angebots.

Dass im Kommissionsbericht steht, dass die BPK dem Vorschlag der Regierung zum Läufelfingerli «stillschweigend» gefolgt sei, stört Häuptli. «Diese Formulierung impliziert, dass dieser Vorschlag nicht umstritten wäre. Dem ist nicht so.» Nicht weiter auf diese Wortwahl eingehen möchte Kirchmayr. Er hält aber fest, dass die tiefe Auslastung des Läufelfingerli wegen schlechter Anschlüsse in Olten mehrheitlich selbstverschuldet sei.