Die Pfadi geniessen in Pratteln einen guten Ruf, denn zahlreiche Lokalpolitiker waren selber mal Pfadfinder. Doch das reicht nicht, um die Gemeinde im Sommer 2021 zum Mekka der Schweizer Pfadibewegung zu machen. Das musste jetzt die ehemalige Pfadfinderin und Einwohnerrätin Eva Keller feststellen, als das Lokalparlament ihr Postulat diskutierte.

Sie hatte vorgeschlagen zu prüfen, ob man das Bundeslager (Bula) 2021 der Schweizer Pfadi in Pratteln stattfinden könnte, auf dem gleichen Areal wie das Eidgenössische Schwingfest 2022, nur ein Jahr früher. Die Idee dahinter: Die Infrastruktur für die beiden Grossanlässe doppelt nutzen und so Kosten sparen.

1,3 Quadratkilometer Land nötig

«Sympathisch», «gute Idee», «überlegenswert», hiess es rechts und links zu Kellers Vorschlag. Pratteln könne von einem Bula nur profitieren, darüber war man sich einig. Trotz einiger Bedenken, insbesondere betreffend der benötigten Fläche, war eine grosse Mehrheit der Einwohnerräte bereit, die Idee vom Gemeinderat auf ihre Realisierbarkeit prüfen zu lassen. Das wolle der Gemeinderat gerne tun, hatte Gemeinderat Urs Hess (SVP) im Voraus angekündet. «Sie wissen, dass ich den Pfadi sehr verbunden bin», sagte er.

Hess ist Obmann der Altpfadi Pratteln – und Vizepräsident des Organisationskomitees des Eidgenössischen Schwingfests. Und als solcher stellte er klar: Er glaubt nicht an Synergien zwischen den beiden Grossanlässen, im Gegenteil: Das Schwingfest brauche das Areal über ein Jahr im Voraus. Und zwei Jahre auf Ertrag zu verzichten, dürfe man Festgelände-Besitzern, nämlich den Bauern, nicht zumuten.

Von den Letztgenannten sitzen zwei für die SVP im Einwohnerrat. Zwei Jahre hintereinander nur Rasen sähen gehe nicht, sagte Urs Schneider. Und Matthias Nebiker rechnete vor, die fürs Bula benötigten 1,2 Quadratkilometer Fläche entsprächen der ganzen Landwirtschaftsfläche Prattelns. «Der Anlass ist für Pratteln schlicht eine Nummer zu gross», sagte er, nicht ohne zu betonen: «Ich habe nichts gegen die Pfadi.» Am Ende stimmte die SVP als einzige Fraktion geschlossen gegen eine Prüfung.

Kühe sind versichert

Trotz der Überweisung ihres Vorstosses zeigte sich Keller nach der Ratsdebatte desillusioniert. Dabei würden die Bauern fürs Bula gut entschädigt, sagte sie. «Es gibt sogar eine Versicherung, die mögliche Folgeschäden abdeckt, etwa wenn eine Kuh einen liegen gelassenen Nagel frisst.». Und das regionale Gewerbe werde von einem Bula in Pratteln profitieren. Sie habe mit den Pfadi der Region, mit Pro Natura und Schwingern geredet. Synergien zu nutzen, werde als sinnvoll betrachtet.

Doch gegen Urs Hess, der im Gemeinderat sehr stark sei, und gegen die vereinten Bauern habe ein Bula in Pratteln «wohl nur noch ein My Chance».