Der «Beobachter» macht in seiner neusten Ausgabe mit einem Gebührenvergleich unter 20 Kantonshauptstädten Liestal zusammen mit Bern zum teuersten Sterbeort. Konkret: Eine Erdbestattung koste in Liestal 2100, eine Urnenbestattung 3100 Franken. Am andern Ende der Skala steht Basel, wo laut «Beobachter» «zum Nulltarif beerdigt» wird.

Wieso kommen die Hinterbliebenen in Liestal derart zur Kasse? Stadträtin Regula Nebiker (SP) reagiert überrascht: «Das müssen wir zuerst anschauen.» Nach Konsultation des zuständigen Bereichsleiters, des Bestattungsreglements und der entsprechenden Gebührenverordnung kommt Nebiker zum Schluss: «Wir können uns die Zahlen des ‹Beobachters› nicht erklären.»

Arlesheim am grosszügigsten

Im Bestattungsreglement steht, dass Verstorbene, die zum Zeitpunkt des Todes in Liestal wohnten, eine ganze Reihe von Dienstleistungen unentgeltlich erhalten. Darunter fällt etwa die Aufbahrung in der Leichenhalle, die Bestattung von Sarg, Urne oder Asche, die Überlassung der Grabstätte während 20 bis 25 Jahren und die Benützung der Friedhofkapelle. Zulasten der Hinterbliebenen gehen die Transportkosten des Bestattungsunternehmens, der Sarg oder die Urne und die Kremation im Hörnli in Basel. Letztere beträgt derzeit 552 Franken. Wobei zwei Ergänzungen anzubringen sind: Sind die Angehörigen bedürftig, übernimmt die Stadt Liestal alle Kosten für eine «einfache» Bestattung. Und bei Verstorbenen, die ihren letzten Wohnsitz nicht in Liestal hatten, werden die effektiven Kosten verrechnet.

Andere Baselbieter Orte sind generöser. So übernimmt Oberdorf die Kosten für Kremation und Urne und Sissach zahlt bei Kremationen auch noch den Transport. Obenaus schwingt unter den angefragten Orten Arlesheim: Die Gemeinde zahlt für Einwohner nebst der Kremation 800 Franken an die Transportkosten und bei einer Erdbestattung eine Pauschale von 660 Franken.

Doch zurück zu Liestal. Auch wenn der Kantonshauptort nicht zu den grosszügigsten Gemeinden im Baselbiet gehört, die im «Beobachter» kolportierten Zahlen scheinen trotzdem stark überzeichnet. Wie kommt die Zeitschrift zu ihren Hochrechnungen? Der zuständige Redaktor verweist an den Liestaler Stadtverwalter Benedikt Minzer. Dieser habe auf Anfrage die entsprechenden Zahlen von 2100 Franken für eine Erd- und 3100 Franken für eine Urnenbestattung geliefert.

Des Rätsels Lösung: eine Kommunikationspanne. Während nämlich der «Beobachter» in seinem Artikel, bei dem es um einen ganzen Fächer von Kosten von der Autoprüfung über Hundesteuern bis eben zu Bestattungen geht, durchs Band von Gebühren redet, also von Beträgen, welche die Betroffenen zu berappen haben, spricht Minzer von den effektiven Kosten einer Bestattung. Das heisst, er subsumiert in seinen Zahlen auch die Aufwendungen für den Aushub eines Grabes oder die Miete der Grabstätte für ein Vierteljahrhundert, also Kosten, die von der Stadt Liestal getragen werden. Somit wird der vermeintliche Spitzenreiter Liestal bei den Bestattungsgebühren zu einem Durchschnittsort. Und Regula Nebiker bilanziert: «Wir haben viel dazugelernt in diesem Fall.»