Bei Acino zeichnet sich eine teilweise Wende ab: Nach offenbar zeitweilig turbulenten Konfrontationen haben sich Geschäftsleitung und Mitarbeitervertretung auf einen Kompromiss geeinigt: Anstatt – wie Ende März angekündigt – 23 Arbeitsplätze nach Estland und in die Ukraine zu verlagern, geht es nun noch um deren 16. Zudem werde noch geprüft, ob die betroffenen Arbeitnehmenden an anderer Stelle bei Acino in Aesch oder Liesberg beschäftigt werden könnten.

Diese Entscheide sollen im Lauf der Jahre 2017 und 2018 erfolgen.
Das Konsultationsverfahren habe am 10. Mai mit der Wahl einer Mitarbeitervertretung begonnen, berichtet eine Acino-Sprecherin. Dann habe man gemeinsam drei Wochen lang jede der zur Diskussion stehenden Stellen im Detail angeschaut. Dabei habe die Geschäftsleitung eingesehen, dass man gewisse Stellen nicht aus den Arbeitsabläufen in Aesch herausbrechen und verlegen könne.

Es sei für die Leitung ein wichtiger Schritt gewesen, auf die Hinweise aus der Belegschaft einzugehen. «Die Mitarbeitenden wollten noch weniger Stellen verlegen. Es ist also ein Kompromiss.»

Künftig nur noch in Liesberg

Dass sich die Belegschaft gewehrt hat, hat sich also gelohnt: Der grösste Teil der Verpackungsarbeiten bleibe nun in Aesch, bestätigt die Acino-Sprecherin Informationen der bz. Dafür investiere das Unternehmen in eine weitere Hochgeschwindigkeitslinie für den Standort Pfeffinger Ring. Nur die Verpackung von Kleinmengen oder kompliziert zu verpackender Medikamente werde nach Estland verlagert.

Zur Gewerkschaft Unia äussert sich Acino nicht. Diese hatte am 9. Mai, einen Tag vor dem Start des internen Konsultationsverfahrens, per Communiqué den Stellenabbau kritisiert und geschrieben: «Erst nach aktivem Einsatz der Unia konnte eine Mitarbeitendenvertretung gegründet werden, welche nun die Anliegen der Arbeitnehmenden gegenüber der Geschäftsleitung vertritt.» Die Geschäftsleitung habe jedoch Verhandlungen platzen lassen. Offenbar gingen diese dann ohne Unia weiter.

Acino ist ein mittelgrosser Produzent von Medikamenten, deren Patent abgelaufen ist (Generika). Firmensitz ist zwar Zürich, aber die Medikamente für die Märkte im Nahen Osten und in Afrika werden in Aesch und Liesberg – zukünftig nur noch in Liesberg – hergestellt.

Dafür investiert Acino derzeit in den Ausbau des Standorts Liesberg. In der Ukraine wird vor allem für den Inlandmarkt produziert, in Estland steht ein reiner Verpackungsbetrieb. In Aesch soll der Standort Dornacher Strasse geschlossen werden.