Am 3. April eröffnet die Migros die erste «Bike World» der Nordwestschweiz im Aquabasilea in Pratteln. In der neuen Filiale werden zukünftig – auf einer Fläche von rund 1200 Quadratmetern – über 450 Bikes verschiedenster Marken und Preiskategorien angeboten, die direkt auf einer Indoor-Strecke getestet werden können. Zudem setzt der Grossverteiler auf unzählige Mess- und Testmöglichkeiten, die es den Kunden ermöglichen sollen, das individuell angepasste Bike zu finden.

Für kleine Velogeschäfte in der Region wird die Eröffnung der riesen Bike-Filiale keine allzu erfreuliche Nachricht sein. Harco Riesen, Geschäftsführer des Cellovelo in Liestal, bestätigt dies: «Wir haben schon früh von der ‹Bike World› in Pratteln Wind bekommen. Es ist nicht gerade so, dass wir uns über den neuen Shop freuen.»

Keine Existenzängste

Die künftige Konkurrenz wird in der Velobranche zwar ausgiebig diskutiert, trotzdem bleibt der allgemeine Tenor eher positiv. Auch Riesen möchte die Situation nicht schwarzmalen: «Wir haben einen anderen Kundenstamm, der lokal einkauft und die persönliche Betreuung schätzt. Das Cellovelo wird also nicht von Existenzängsten geplagt.»

Klein aber fein

Seit 35 Jahren gibt es das Cellovelo in Liestal und es läuft von Jahr zu Jahr immer besser. «Das spricht dafür, dass unser Laden trotz der grossen Konkurrenz gefragt ist,» sagt Riesen und ist überzeugt, dass ein kleineres Velofachgeschäft auch seine Vorteile mit sich bringt. Beispielsweise könne man die Mitarbeitenden gezielter aussuchen und hätte mehr Zeit, um diese ausbilden. Ausserdem sei der Kundenkontakt viel familiärer. «Die meisten Kunden kennen wir mit Namen», berichtet Riesen.

Dennoch beobachtet auch das Velogeschäft in Liestal negative Entwicklungen in der Branche. Vermehrt würden Kunden ihre Fahrräder bei grossen Unternehmen kaufen und nur in Reparaturfällen auf die kleinen Velogeschäfte zurückgreifen. Sicherlich könnte dies dem einen oder anderen Unternehmen den Kopf kosten, doch Riesen ist zuversichtlich: «Solche kleine Reparatureinnahmen können wir in unserem Fall mit dem Verkauf von E-Bikes abfangen. Bei uns sind über 50 Prozent der verkauften Velos solche, die einen Motor haben.»

Der Geschäftsführer von Cellovelo stört sich also kaum an dem günstigen Erwerb von Fahrrädern: «Für uns ist es wichtig, dass wir alle Kunden gleichermassen bedienen können, selbst wenn das Velo nicht von uns ist.» Zwar setzten sie im Grossen und Ganzen auf ein höheres Preisniveau, wollen aber ein Velogeschäft für alle bleiben.

In Ausnahmefällen komme es aber vor, dass das Fahrrad nicht mehr repariert werden kann. «Wenn die Reparaturkosten den Einkaufspreis übersteigen, dann lassen wir die entsprechende Reparatur sein. Jedoch kommen solche Fälle nur sehr selten vor, vielleicht ein bis zwei Mal im Jahr», fügt Riesen hinzu.