In manch einem Haushalt werden in diesen Tagen die Krippenfiguren hervorgeholt. Maria und Josef mit dem Christuskind werden da aufgestellt, dazu die Heiligen drei Könige, Hirten oder auch nur Ochs und Esel. Solche Weihnachtskrippen überzeugen immer noch aus dem gleichen Grund wie im Mittelalter, als sie aufkamen: Sie regen die Fantasie an und eignen sich bestens, um die biblischen Geschichten nachzuerzählen. Dass dies auch in anderen Kulturen so ist, zeigen die Krippen aus Peru, die ab dem ersten Advent im Forum Würth in Arlesheim zu bestaunen sind.

Krippen und kleine tragbare Altäre, sogenannte Retablos, kamen bereits im 16. Jahrhundert mit den Jesuiten nach Lateinamerika. Die Missionare setzten diese gerne ein, weil so Sprachbarrieren leichter überwunden werden konnten. Gerade in Peru hat sich bis heute eine lebendige Tradition um diese Krippen erhalten.

Indigener Glaube ist integriert

Die Exemplare, die im Forum Würth gezeigten werden, sind alle zeitgenössisch entstanden, erklärt die Kuratorin Sonja Klee. Die rund 20 bunten Krippen und Retablos sind alle aus der Sammlung von Carmen Würth. Sie vermögen über Landes- und Kulturgrenzen hinweg zu begeistern. So kamen auch verschiedene peruanische Künstler zu internationalem Ansehen, zum Beispiel Hilario Mendivil mit seinen typischen langhalsigen Figuren. Neben diesen Künstlern, die so weitherum berühmt wurden, gibt es auch viele nicht professionelle Künstler aus dem Volk. «Krippen sind Volkskunst im doppelten Sinn, sie sind vom Volk fürs Volk gemacht», sagt Walter Leimgruber, Professor und Leiter des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Universität Basel an der Vernissage. Der unmittelbare Alltag werde so stark in die Werke mit einbezogen, wodurch auch nicht-christliche Elemente aus der indigenen Kultur Eingang in diesen Kunstwerken fänden, erklärt Leimgruber. Es gibt auch Retablos, die an den Herranzas aufgestellt werden, den Festlichkeiten aus Anlass der Brandmarkung junger Herdentiere. Generell würden sich die Betrachter einerseits in ihrem gewohnten Umfeld und andererseits mitten in der biblischen Geschichte finden.

Neben diesem starken Alltagsbezug gibt es weitere Unterschiede zur europäischen Krippentradition. «So, wie das Göttliche der Heilsgeschichte mit dem lokalen Leben vermischt wird, so wird auch nicht zwischen hoher und populärer Kunst getrennt und auch nicht zwischen verschiedenen Gattungen», sagt Leimgruber. Die Volkskunst sei daher nicht wie bei uns ein etwas abgegrenztes, manchmal etwas verstaubtes oder einfach kitschig-kommerzielles Unternehmen. Zentral sei daneben auch die Form des Glaubens: «Die Glaubensformen in Lateinamerika sind nie reformiert worden», stellt Leimgruber klar. Deshalb hat sich dort eine ganz andere Bildsprache entwickelt als in Europa.

Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit, in der auch wir mit Krippen umgeben sind, ist der Vergleich zu Krippen aus einer so anderen Kultur spannend. Ob die Lebendigkeit der Tradition und auch der Figuren und Kunstwerke zu überzeugen vermag, kann dank der Ausstellung in Arlesheim nun jeder selbst bestimmen.

Krippenausstellung im Forum Würth, Arlesheim: bis zum 1. Februar 2015. Mo bis So, 11 bis 17 Uhr. Geschlossen: 24.12., 25.12., 31.12., 1.1. Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führung jeden Samstag 14 Uhr.