Die Baselbieter CVP-Mitglieder haben es der neuen Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli nicht leicht gemacht. In einer vor der Wahl durchgeführten Fragerunde wurde die 40-jährige Aargauerin von einem Parteimitglied als Aushängeschild der Schweizerischen Evangelischen Allianz scharf kritisiert und deshalb als "Katholikenfeindin" nicht zur Wahl empfohlen. 

Das katholische Synodenmitglied Pascal Ryf nahm daraufhin in einem emotionalen Statement die nach Allschwil zugezogene ausgebildete Kindergärtnerin in Schutz. Im Jahre 2017 dürfe die Religionszugehörigkeit keine Rolle mehr spielen, die CVP sei eine christliche Partei, welche die interreligiöse Zusammenarbeit in den Vordergrund stelle.

Er habe Müller als offene und bereichernde Person erlebt, was der Allschwiler Landrat-Fraktionschef Felix Keller bestätigte. CVP-Regierungsrat Toni Lauber versprach den anwesenden Mitgliedern, dass man von der bisher Unbekannten bald sehr viel hören werde.

Nach diesem schwierigen Auftakt stimmte die überwältigende Mehrheit für die alleinige Kandidatin. Die einzige Gegenstimme kam vom besagten Kritiker, eine Handvoll Mitglieder enthielt sich.

Antrittsgeschenk der Partei

Bei ihrer Vorstellung strich Müller ihre Führungserfahrungen in diversen Bereichen hervor. Dabei nannte sie als vordringliches Ziel das bessere Kennenlernen der Parteibasis. Zudem werde sie viel Zeit in ihre Amtsführung investieren.

Sozusagen als Antrittsgeschenk darf Müller von einer Änderung im CVP-Finanzreglement profitieren. Bisher erhielt der Kantonalpräsident eine Entschädigung von 3000 Franken. Marc Scherrers Nachfolgerin wird nun in den Genuss einer Verdoppelung kommen, stimmten doch die CVP-Delegierten gestern noch vor Müllers Wahl für die Einführung einer zusätzlichen Spesenpauschale von 3000 Franken.

Der scheidende Präsident Marc Scherrer, der in einem humorvollen Abschiedsinterview von Felix Keller in die Zange genommen wurde, wertete seine Amtszeit als Erfolg, insbesondere wegen des Sitzerhalts im Nationalrat. Er werde der Partei in der zweiten Reihe und natürlich im Landrat erhalten bleiben.

Bei der Parolenfassung zum Abstimmungssonntag vom 21. Mai sagte die CVP Ja zur Energiegesetzrevision auf eidgenössischer Ebene und zur kantonalen Verfassungsänderung bezüglich der Zusammenarbeit der Gemeinden. Keine Chance bei den Baselbieter CVP-Delegierten hatten dagegen die Abschaffung der Amtszeitbeschränklung im Landrat sowie die Initiativen für den Erhalt des Bruderholzspitals und für die Ausbildung fachlich kompetenter Lehrpersonen.