Der aus Nigeria stammende römisch-katholische Pfarrer von Büsserach, John Obinna Agbakwuo, ist in der Kirchgemeinde umstritten. Es kursieren zahlreiche Vorwürfe, unter anderem, dass er sich gegenüber Eltern, die ihr Kind in Büsserach taufen lassen wollten, unfreundlich und belehrend verhalten habe. Auch wurde ihm unterstellt, er veranstalte zu viele Spendenaktionen für seine Heimat in Afrika. Für die Kritiker von Pfarrer Obinna ist klar: Der neue Pastoralraum macht seine Anstellung ohnehin überflüssig. Doch wie sehr tangiert der Zusammenschluss der Pfarreien zum Pastoralraum die Personalentscheide der Büsseracher? Wir haben bei Pastoralraumpfarrer Bruno Stöckli nachgefragt.

An der öffentlichen Aussprache zwischen dem Büsseracher Kirchgemeinderat und Kirchenmitgliedern sagte der ehemalige Kirchgemeindepräsident Peter Jeker-Kaufmann, dass man wegen des Pastoralraums auf Pfarrer John Obinna verzichten soll. Was sagen Sie dazu?

Bruno Stöckli: Bei der Verlängerung oder Nichtverlängerung der Missio von Pfarrer Obinna geht es in erster Linie um die Pfarrei Büsserach. Die Umwandlung des Pastoralraumtypus A (Leitungsteam mit einem Pastoralraumleiter) zum Typ B (Einerleitung mit Mitarbeitenden) steht in unserem Pastoralraum nicht zur Diskussion. Durch einen Personalwechsel könnte sie aber vom Bistum her angestossen werden. Sollte der Bischof Pfarrer Obinna die Missio vorzeitig entziehen oder sie nicht verlängern, würde sich dies auf die Arbeit im Pastoralraum auswirken, doch die Stelle würde nicht gestrichen, sondern wiederbesetzt werden.

Peter Jeker-Kaufmann hatte bis zu seiner Demission als Präsident der Büsseracher Kirchgemeinde auch das Präsidium der Kirchgemeindepräsidentenkonfrenz (KGPK) unseres Pastoralraumes unter sich und hat sich sehr engagiert. Er hat das Recht, sich weiterhin Gedanken zum Pastoralraum und zu dessen Zukunft zu machen und sie einzubringen; er hat aber im Pastoralraum keine Mitbestimmungskompetenzen mehr.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Gestaltung der Zukunft aus?

Solange Pfarrer Obinna vom Bischof die Missio und von der Kirchgemeinde Büsserach eine Anstellung hat, kann das Pastoralraumteam im bisherigen Rahmen weiterarbeiten. Sollte sich dies ändern, käme es kurzfristig zu Vakanzen. Eine Nachfolgeregelung braucht ihre Zeit. Eine Neuausrichtung im Konzept oder eine Verschiebung von Aufgabenbereichen (zum Beispiel von der allgemeinen Seelsorge zur Stärkung einer Jugendseelsorge) müssten im Pastoralraumteam besprochen und die Wünsche/Vorstellungen an das Personalamt des Bistums und an die KGPK (sowie indirekt an die einzelnen Kirchenräte) des Pastoralraumes zur Begutachtung weitergeleitet werden.

Büsserach könnte die Nachfolgeregelung nicht mehr allein entscheiden?

Eine neu zu besetzende Seelsorgestelle wird nicht mehr von einer einzelnen Kirchgemeinde, sondern vom Pastoralraum ausgeschrieben. Dazu werden im Pastoralraum-Team (Team der aktuellen Seelsorgenden) erste Gespräche geführt und die Überlegungen/Anregungen/Wünsche an die betreffenden Stellen des Bistums und der KGPK zur Vernehmlassung weitergeleitet.

In unserem Pastoralraum haben die Kirchgemeinden keinen Zweckverband gegründet, sondern einen Zusammenarbeitsvertrag unterzeichnet, der eine Leitgemeinde (Breitenbach) vorsieht. Geschäfte, die für alle Kirchgemeinden relevant sind, werden nach Besprechung in der KGPK den einzelnen Kirchgemeinderäten zur Vernehmlassung zugestellt, nach deren Rückmeldungen wird in der KGPK der Beschluss gefasst und zur Bearbeitung sowie zur Ausführung an die Leitgemeinde weitergeleitet. Ordentlich trifft sich die KGPK zweimal jährlich.

In welcher Art tangiert dies die bisherigen Seelsorgenden?

Ab dem nächsten Personalwechsel werden alle bisherigen Anstellungsverträge der einzelnen Kirchgemeinden aufgelöst und im Auftrag der KGPK über die Leitgemeinde in Anstellungen für den ganzen Pastoralraum (eventuell mit Teilaufgaben in einer oder mehreren Pfarreien) überführt. Die Räte der einzelnen Kirchgemeinden können bei den Anstellungen noch mitreden, sie können aber nicht mehr – wie bisher – «ihre» Seelsorgeperson bestimmen und anstellen.