Nun meldet sich der Allschwiler Gemeinderat zu Wort zu den vergangene Woche von der bz publik gemachten Vorwürfen an die Adresse von Gemeindeverwalter Dieter Pfister und Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli. Nach einer ausserordentlichen Sitzung gestern Abend weist der Gesamtgemeinderat in einer Mitteilung sämtliche zuvor gemachten Zitate einzelner Mitglieder als auch die Vorwürfe zurück. Insbesondere jenen, wonach Nüssli und Pfister Unterlagen absichtlich zurückbehalten und die Traktandenliste der Ratssitzungen strategisch festgelegt hätten.

Gegenüber der bz sagten Gemeinderatsmitglieder und Verwaltungsangestellte, dass auf der Verwaltung ein «Klima der Angst» herrsche und sich Pfister im Ton vergreife. Der Behauptung, es werde auf der Verwaltung nur Gehorsam verlangt und kritischen Geistern das Leben schwer gemacht, entbehre «jeglicher tatsächlicher Grundlage», entgegnet nun der Gesamtgemeinderat. «Ich räume ein, dass in der Führung gewisse Schwierigkeiten bestehen», sagt Gemeindepräsidentin Nüssli auf Anfrage. Diese lägen aber in der Führungsorganisation und hätten mit der Person des Gemeindeverwalters nichts zu tun.

Gemeinderäte entschuldigen sich

«Erstaunt» zeigt sich der Gemeinderat, dass die Vorwürfe in der Exekutive zuvor nie ein Thema gewesen seien, sondern die Diskussion direkt über die Medien geführt worden sei. Sie sei dezidiert der Ansicht, dass solche Themen zuerst im Gemeinderat diskutiert werden müssten, um zu einer Einigung zu gelangen, sagt Nüssli. «Der Gemeinderat verurteilt dieses Vorgehen scharf», heisst es auch in der Mitteilung. Es verletze das Kollegialitätsprinzip und schade dem Vertrauen. Man habe im Plenum sämtliche Zitate angeschaut. Dabei sei klar geworden, wer, was und in welchem Kontext gesagt habe, sagt Nüssli. «Diejenigen Gemeinderäte, welche sich gegenüber der bz geäussert haben, entschuldigen sich hiermit in aller Form bei der Gemeindepräsidentin und dem Gemeindeverwalter für ihr unbedachtes Vorgehen und insbesondere den dadurch veranlassten Imageschaden der Gemeindeverwaltung», heisst es in der Mitteilung. Jene Ratsmitglieder, die gegenüber der bz die Vorwürfe erhoben hatten, waren gestern Abend für eine erneute Stellungnahme nicht erreichbar.

Mit der Arbeit Pfisters ist der Gemeinderat mehr als zufrieden, wie er festhält: Pfister habe seit seinem Arbeitsantritt sehr gute Arbeit leiste und dabei auch ein enormes Engagement im Interesse der Gemeinde gezeigt, heisst es in der Mitteilung. «Wir wollten einen starken Gemeindeverwalter – diesen haben wir jetzt», fügt Nüssli an.

«Unbeholfene Aussagen»

Schliesslich schreibt die Gemeinde, dass die Artikel in der bz «von unwahren Behauptungen und unbeholfenen Aussagen, die auch aus dem Gesamtkontext herausgezogen wurden», konstruiert worden seien. Die ausserordentliche Ratssitzung wurde von Präsidentin Nüssli einberufen, sie sei aber auch von zwei weiteren Ratsmitgliedern verlangt worden, betont Nüssli.

Die bz hält entgegen der Stellungnahme von Allschwils Gemeinderat fest: Der Kontext war allen Informanten klar und wurde entsprechend wiedergegeben. Zudem hatten alle Personen die Möglichkeit, ihre Aussagen gegenzulesen. Gemeindepräsidentin und Gemeindeverwalter wollten sich trotz wiederholter Nachfrage zuvor nicht äussern.