Liestals Wachstumsstrategie erhält erste politische Risschen. Das zeigte die erste Lesung des bisher grössten Quartierplans namens «Grammet» im Einwohnerrat vom Mittwochabend. Mit diesem Bauvorhaben wollen die Bürgergemeinde und ein weiterer Investor im Osten Liestals zwei Gebäude mit 168 Wohnungen erstellen. Kostenpunkt rund 76 Millionen Franken.

Während die architektonische Qualität des Projekts durchwegs gelobt wurde, stiessen die dezentrale Lage und die mässige Erschliessung mit dem öV auf Kritik. So befürchtet Patrick Mägli (SP) viel zusätzlichen Autoverkehr. Aber er stellte auch seine Bedenken in den Raum, dass die Überbauung wegen ihrer «peripheren» Lage langfristig zu einem «sozialen Hotspot» werden könnte. Mägli: «Liestals Wachstum sollte differenzierter angeschaut werden.» Der Präsident der vorberatenden Bau- und Planungskommission (BPK), Thomas Eugster (FDP), stellte die Frage nach einem Überangebot in Liestal und meinte, dass man dem ein Stück weit vorbeugen könne, indem man die beiden Gebäude etappiert baue. Und auch Pascal Porchet (FDP) zeigte sich «zurückhaltend kritisch».

Gitterli-Vertrag wird verlängert

Auf einhellige Zustimmung stiess der BPK-Vorschlag, dass sich die Investoren «substanziell» an den zwei innerhalb der Überbauung vorgesehenen Kindergärten beteiligen müssen. Dies, weil sie wegen der hohen Ausnutzungsziffer einen ansehnlichen Mehrwert einfahren könnten. Abstimmen über «Grammet» wird der Einwohnerrat an der zweiten Lesung im Januar.

Einstimmig durchgewunken wurde der Antrag des Stadtrats, die Leistungsvereinbarung mit der Sport- und Volksbad Gitterli AG um ein Jahr zu verlängern und dieser ein «nachrangiges» Darlehen von 775 000 Franken zu gewähren. Ein Nein zu dieser Übergangslösung hätte wahrscheinlich bedeutet, dass die beliebten Bäder mit rund einer Viertelmillion Eintritten pro Jahr wegen ihrer verkorksten finanziellen Lage Anfang 2017 hätten schliessen müssen.

Auch hier gab es kritische Stimmen. Walter Leimgruber (SP) etwa bemängelte die Auslagerung an eine AG, was den Einfluss der Stadt Liestal stark vermindert habe. Einigkeit bestand, dass bei einer neuen Lösung, die bis im Sommer stehen sollte, die umliegenden Gemeinden finanziell stärker eingebunden werden. Stadtrat Daniel Muri (parteilos) hielt fest: «Kein Bad wirft finanzielle Rendite ab. Für mich sind in Liestal die vielen Besucher, darunter manche, die sich den Mittelmeerstrand nicht leisten können und hier schwimmen gelernt haben, die Rendite.»

Trotz einem Minussaldo von 611 000 Franken und rekordhohen Investitionen von 14 Millionen, die nur zu zwölf Prozent mit eigenen Mitteln finanziert werden können, winkte der Rat das Budget 2017 einstimmig durch.