Gebannt verfolgte Jürg Aebi gestern Morgen auf der Zuschauertribüne des Baselbieter Landratssaals die Debatten über die Spitalfusion und über die Zukunft des Spitals Laufen. Von den Politikern musste sich der Chef des Kantonsspitals Baselland (KSBL) einige Kritik anhören: Am Standort Laufen betreibe das KSBL Misswirtschaft, röhrte etwa der Laufner FDP-Landrat Rolf Richterich. Nach den Debatten zeigte sich Aebi dennoch gut gelaunt – schliesslich hat die Fusion «seines» KSBL mit dem Universitätsspital Basel (USB) eine wichtige Hürde genommen.

Im Interview verrät Aebi, mit welchen Argumenten er das Stimmvolk in beiden Basel von einem Ja an der Urne überzeugen will. Vor allem in der Stadt sehen die Fusion viele kritisch.

Herr Aebi, wie gross ist der Stein, der Ihnen nach dem Ja der beiden Kantonsparlamente zur Spitalfusion vom Herzen gefallen ist?

Jürg Aebi: Mir ist kein Stein vom Herzen gefallen, weil ich das Resultat in etwa so erwartet habe. Auf dem Land war ich mir sicher, dass es reichen wird. Die Situation in der Stadt konnte ich weniger gut einschätzen. Nun bin ich trotz der eher knappen Zustimmung im Grossen Rat optimistisch, dass in der Volksabstimmung ein Ja resultiert: Das Basler Stimmvolk hat fast alle solchen grossen Vorlagen abgesegnet, auch wenn diese vom Parlament bloss mit knappem Mehr gutgeheissen wurden.

Wie überzeugen Sie die Bevölkerung von einem Ja zur Spitalgruppe?

Wir Spitalvertreter müssen dieses komplexe Konzept so darstellen, dass jedermann und jedefrau versteht, was für sie und ihn die Vorteile der Spitalfusion sind. In den Parlamentsdebatten waren die Patienten und die Gesundheitsversorgung eher ein untergeordnetes Thema. Dort müssen wir ansetzen. Das Universitätsspital Nordwest ist ein System mit vier Standorten, die aufeinander abgestimmt eine Versorgung für den Patienten anbieten. Dieser kann in Laufen ins System eintreten und wird dort von Ärzten untersucht, die ihn dann später vielleicht im Basler Unispital operieren. Das ist eine Qualität, die in der Schweiz sonst kaum ein Gesundheitsversorger bieten kann.

Die Stimmung ist vor allem in der Stadt kritisch. Dies nicht zuletzt wegen der Standorte Bruderholz und Laufen, die trotz Spitalfusion erhalten bleiben. Im Baselbiet werde Strukturerhalt betrieben, heisst es.

Das Gegenteil ist der Fall. Wir lösen mit der Spitalfusion strukturelle Probleme des Gesundheitswesens der gesamten Region. Diese hat bekanntlich ein Überangebot an stationären Betten und das vor allem in der Stadt. Aber wo werden mit der Fusion Betten abgebaut? Vor allem am heutigen Kantonsspital Baselland. Die Kritiker der Spitalgruppe monieren, auf dem Bruderholz werde eine neue Klinik mit 150 stationären Betten erstellt.

Doch was passiert tatsächlich? Gegenüber dem Zustand heute – auf dem Bruderholz zählen wir etwas über 300 Betten – nehmen wir rund 150 Betten aus dem System raus. Auf dem Bruderholz entsteht das ambulante Operationszentrum für die gesamte Region. Die Zukunft der Medizin ist ambulant. Von Strukturerhalt auf dem Bruderholz kann keine Rede sein – im Gegenteil: Das neue Ambulatorium auf dem Bruderholz ist das innovative Element dieser Spitalfusion.

Beim Bruderholz spielt auch die Symbolik eine Rolle: In den Augen vieler Basler haben die Baselbieter das Spital als Trutzburg an die Kantonsgrenze gestellt.

Ich sehe vor meinem geistigen Auge längst nicht mehr das Bettenhochhaus, sondern eine maximal vierstöckige neue Klinik. Zur Historie kann ich als unbelasteter Berner sagen: Das Bruderholz ist nicht zuletzt auf Drängen der Behörden des Kantons Basel-Stadt gebaut worden, die ihrerseits Kapazitätsengpässe in den Stadtspitälern beklagten. Dass das Bruderholz eine Baselbieter Provokation sein soll, ist ein Mythos.

FDP-Fraktionschef Rolf Richterich sagte in der bz vom Mittwoch, das KSBL sei 2018 schlecht unterwegs, der weitere Wertzerfall in vollem Gange. Baselland müsse deswegen wohl mehr Geld in die Spitalgruppe einschiessen. Ihr Kommentar?

Ich kann mich dazu nicht im Detail äussern. Wir werden unsere Zahlen für 2018 im kommenden Frühjahr bekannt geben. Der Kanton als Eigentümer weiss, wo wir stehen. Ich räume aber ein: Die sinkenden Base Rates, die sinkenden Patientenzahlen und die kritische Grösse, die das KSBL mittlerweile hat, erschweren es uns, gute Zahlen zu liefern. Wir werden kämpfen müssen in den kommenden zwei Jahren, um das Ziel zu erreichen, das in den Staatsverträgen festgehalten ist. Das KSBL befindet sich in einem schwierigen Prozess der Umstrukturierung, der auf unsere Wirtschaftlichkeit drückt. Diesen Prozess müssten wir aber auch bei einem Alleingang weiterverfolgen.

Beim Personal stecken Sie in einer Zwickmühle: Einerseits sind angesichts der Umstrukturierung Abgänge durchaus erwünscht, anderseits müssen Sie dafür sorgen, Ihre besten Leute für eine Tätigkeit im neuen Spital halten zu können.

Genau deshalb war die Abstimmung in den beiden Parlamenten so wichtig. Ich hoffe, dass nun am KSBL eine gewisse Ruhe einkehrt. Jetzt ist es auch für mich einfacher, den Angestellten glaubhaft eine Perspektive zu bieten. Wir brauchen gute Ärzte in der Spitalgruppe. Dazu kann ich Ihnen verraten: Wir haben auf Steuerungsebene beschlossen, dass im Universitätsspital Nordwest auch Ärzte ohne universitären Lehrauftrag Einheiten als Chefärzte führen können. Das nimmt einigen meiner Kaderärzte die Befürchtung, sie kämen durch die Fusion mit dem Unispital Basel unter die Räder. Heute kann ich sagen: Wir können die aktuelle Funktion und Position auch mit der Spitalfusion garantieren.

Zum Spital Laufen: Ihnen ist im Landrat Misswirtschaft vorgeworfen worden. Overheadkosten und Abschreibungen seien enorm. Das Spital Laufen könnte wirtschaftlich betrieben werden.

Die drei KSBL-Standorte sind seit fünf Jahren fusioniert. Deswegen weisen wir auch nicht für jeden Standort einzeln eine Erfolgsrechnung aus. Gleichwohl haben wir im Hinblick auf die Vorlage zu den gemeinwirtschaftlichen Leistungen fürs Spital Laufen eine solche Rechnung erstellt. Die Vorwürfe mit dem grossen Wasserkopf und der Abschreibungen weise ich zurück: Auch das Spital Laufen ist auf eine IT angewiesen oder auf eine Personalabteilung. Die Kosten dafür haben wir Laufen standortgerecht belastet. Die Laufentaler Politiker in der Verhandlungsdelegation zur Vorlage wissen: Der Preis, den wir zur Aufrechterhaltung der zusätzlichen Leistungen wie der 24-Stunden-Permanence berechnet haben, ist sehr fair. Da wurde nichts zu hoch angesetzt.