Kevin Schläpfer, worüber reden wir heute?

Kevin Schläpfer: Über Party. Meine grosse Partyzeit ist mit 48 langsam vorbei. Aber ich vermisse sie nicht. Ich habe mich ja auch ausgelebt in jungen Jahren. Ich hatte das Glück, dass wir zu meiner Zeit als Aktiv-Hockeyspieler nur zwei Spiele in der Woche hatten, jeweils am Dienstag und am Samstag. Der Donnerstag war traditionell der Party-Abend der Hockey-Spieler.

Und da trank man auch als Profisportler mal einen über den Durst.

Ja, aber ich selber habe nie auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken. Trotzdem war ich oft einer der Letzten, der nach Hause ging.

War es als einziger Nüchterner in einer Runde Betrunkener nicht mühsam im Ausgang?

Nein. Ich habe ja selber auch Gas gegeben. Viele sagten mir: «So wie du drauf bist, hast du sicher auch getrunken.» Und der Vorteil war, dass ich mich am nächsten Tag besser gefühlt habe als die anderen. Viele wollen es nicht wahrhaben: Aber auch ohne Alkohol gibts Weltklassepartys. Meist ist derjenige, der keinen Alkohol trinkt, noch viel mehr «drauf» als alle anderen – weil er eben alles mitbekommt.

Warum haben Sie auf Alkohol verzichtet?

Es hat sich nie so ergeben. Wir tranken in der Familie keinen Alkohol, hatten keine Weinkultur. Ich habe Bier und Wein auch nicht gern, das ist mir zu bitter. Ich bevorzuge Süsses; meine Schwäche ist die Schoggi.

Mit Ihrem Job als Spitzensportler hing Ihr Anti-Alkoholismus also nicht zusammen.

Nein. Solange ich bei Zunzgen/Sissach in der 1. Liga spielte, ahnte ich ja nichts davon, dereinst in der Nationalliga A zu spielen. Ich glaube auch nicht, dass der Anti-Alkoholismus für die Sportlerkarriere nötig ist, sofern der Alkohol in Massen konsumiert wird. Ich hatte als Trainer nie ein Problem damit, wenn die Spieler hie und da ein Bier tranken.

Fühlten Sie sich als Anti-Alkoholiker nie als Aussenseiter?

Natürlich war ich ein Exot. Wenn einer eine Runde holte und ich eine Cola bestellte, bekam ich oft zu hören: «Nein, eine Cola bezahl ich nicht, nimm ein Bier.» Ich hab dann auch ein bisschen provoziert und mal um ein Uhr morgens ein Glas Milch bestellt. Aber einfach war der Alkoholverzicht früher nicht immer. Als ich jung war, hiess es an den Esstischen regelmässig: «Trink auch ein Gläschen, alles andere wäre unanständig.» Es gab einen gewissen Druck.

Gab es denn Situationen, in denen Sie sich über die Betrunkenen genervt haben oder sie zurechtweisen mussten?

Es war gelegentlich so, dass ich anderen riet, nach Hause zu gehen. Die folgten dann meinem Tipp. Schliesslich wussten sie, dass ich noch klar sehe.

Haben Sie denn schon gekifft?

Nein, das habe ich auch nicht. Meine Eltern haben beide geraucht. Und mein Vater hat mir gesagt: «Rauch nicht, das nimmt dir Energie.» Das habe ich mir zu Herzen genommen. Bis heute, so habe ich den Eindruck, habe ich mehr Energie als andere.

Wohin geht Ihre Energie? Sie sind ja bekanntlich auf Jobsuche, und zuhause rumzusitzen ist gewiss nicht Ihr Ding.

Derzeit fliesst viel Energie in die Heilung meines operierten Knies. Da ist Geduld gefragt, die ich eigentlich nicht habe. Langsam taste ich mich wieder ran, mache Übungen auf dem Hometrainer. Jetzt freue ich mich auf die Eröffnung der Kunschti Sissach – da werde ich jeden Tag sein.

Als Trainer ist man immer mit der jüngeren Generation im Austausch. Hat sich das Ausgangsverhalten verändert?

Es liegt heute gar nicht mehr drin – auch, weil heute dreimal pro Woche gespielt wird. Zudem hat sich der Sport physisch sehr entwickelt. Der ganze Wandel in der Ernährung betrifft ja nicht nur den Alkohol. Heute trinken die Sportler auch kein Cola mehr, sondern Wasser.

Ihr Sohn hat die Sekundarschule abgeschlossen. Macht er schon Partys?

Soeben hatte er seine Schulabschlusspartys und ist zeitweise auch bis zwei, drei Uhr morgens weggeblieben. Aber ich glaube, dass er unter dem Strich seriös ist. Letztlich muss er es selber wissen: Er will Hockeyprofi werden. Aber es ist ein langer Weg. Da kommt die Pubertät, die Frauen werden interessant etc. Ich als Vater kann ja auch nur sagen, was ich für gut empfinde. Ob die Kinder das befolgen, ist ihre Sache. Wenn man zu stur ist, provoziert man die Kinder vielleicht auch.

Sie sagen, Sie gehen es heute ruhiger an. Wie sieht ein perfekter Abend aus?

Völlig unterschiedlich. Das kann ein Eishockeymatch sein oder ein Fussballspiel, am besten mit meinem Lieblingsspieler Neymar. Es kann aber auch ein relaxter Abend mit meinen Kindern und meiner Freundin sein. Oder ein Abend mit Freunden. In diesem Jahr hatte ich einige Male einen Grillabend auf dem Balkon. Sissach ist für mich ja immer noch ein guter Rückzugsort. Hier zählt nicht, ob ich gerade Erfolg habe oder nicht. Hier bin ich einfach nur der Kevin und nicht der Hockeytrainer.