«Der Mörder ist immer der Gärtner», spottete einst Reinhard Mey über Krimi-Clichés. Todernst meinte es dagegen der Chef des Instituts für Immunologie der Universität Bern, Beda M. Stadler, als er für die EHEC-Seuche die Verwendung von Gülle auf Biohöfen verantwortlich machte: «Gülle ist die normalste Verbreitung solcher Bakterien und wird nun mal oft EHEC-Seuche von Bio-Bauern eingesetzt.»

Da konstruiert der Gentech-Befürworter falsche Zusammenhänge: Erstens halten auch konventionell produzierende Landwirte Tiere und düngen ihre Felder mit Mist und Gülle. Zweitens stellt die Forschungsanstalt für biologischen Landbau (FiBL) in Frick klar, dass zwar die EHEC-Keime im Darm von Rindern und Schafen – wie auch von Rehen, Wildschweinen, Schweinen, wilden Vögeln und Hühnern – vorkommen.

Doch je mehr Gras die Kühe fressen, desto weniger EHEC-Bakterien haben sie im Darm. Konventionell mit Kraftfutter gefütterte Rinder produzieren also die stärker belastete Jauche als die zu mindestens 90 Prozent mit Raufutter ernährten, von Stalder verdächtigten Bio-Kühe: Der Mörder ist dann halt doch der Butler – wenn überhaupt: Mittlerweile stellte man fest, dass die Gurken nicht die Quelle der Krankheit sind (bz vom Mittwoch) und somit auch eine allfällige Güllen-Verschmutzung keine Rolle spielt.

«Forscher sollten sachlich bleiben»

Trotzdem hält Pascal Simon, Leiter Landwirtschaftliche Produktion am Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain, fest: «Im Baselbiet haben wir nur eine Kuh pro Hektar, in der Innerschweiz sind es deren drei. Wir haben also keinen Gülle-Überschuss.» Zudem falle es keinem Bauern ein, kurz vor der Ernte mit Jauche zu düngen, schon gar nicht Gemüse im Gewächshaus: «Mist wird in erster Linie für Mais verwendet.»

Sein Fazit zu Stadlers Bio-Schelte: «EHEC hat nichts mit Bio oder Nicht-Bio zu tun. Aufgabe eines Forschers wäre es eigentlich, sachlich zu bleiben.»

Vertrauen in die hiesigen Bauern

«Wir haben einen Rückgang bei den Gurken, obschon wir seit vergangener Woche nur noch Schweizer Ware haben», stellt Stephanie Weiss als Sprecherin der Coop-Region Nordwestschweiz fest. Dem wolle Coop mit «Suisse-Garantie»-Klebern entgegenwirken. Migros-Basel-Sprecher Dieter Wullschleger spricht von «marginalen Umsatzeinbussen beim Gemüse». Dieser halte sich in Grenzen, da sich Migros vor allem auf regionale Produkte stütze.

Bernhard Adamo von der Agrico-Genossenschaft in Therwil berichtet: «Wir haben keinen unserer 1500 Biogemüse-Abonnenten verloren.» Auch Biobauer Ueli Steiner in Bubendorf stellt fest: «Wir verkaufen nur über den Hofladen und die Leute vertrauen uns.» Und Grossproduzent Andreas Eschbach aus Füllinsdorf erklärt: «Es ist Wahnsinn, wie unter Falschaussagen eine ganze Branche leiden kann. Doch wir sind bisher nicht betroffen, weil die Gurkenernte noch nicht angefangen hat.»