Hans-Beat Rohr, Präsident des Sportvereins Muttenz (SVM), wählt deutliche Worte. «Wenn der Kunstrasen ganz kaputt ist, müssen wir im Winter und bei schlechtem Wetter den Betrieb einstellen.» In diesen Phasen – während vier Monaten im Winter, zwei Monaten im Sommer und bei Starkregen sind die Naturrasenfelder gesperrt – trainieren 33 SVM-Mannschaften unter der Woche auf dem Kunstrasenfeld.

Doch sei dieses in einem sehr schlechten Zustand, so Rohr weiter. «Es hat viele Stellen mit Rissen, zwischen den einzelnen Rollbahnen bestehen teilweise Lücken und der Boden dämpft nicht mehr. Die Verletzungsgefahr wird laufend grösser.»

Nur «nice to have»?

Der SVM-Vorstand und die verantwortlichen Gärtner der Gemeinde machten bereits vor vier Jahren auf den schlechten Zustand des Kunstrasenfelds aufmerksam. Der Gemeinderat nahm den Investitionskredit aufgrund der schlechten Finanzlage der Gemeinde aber immer wieder aus dem Budget. Für den Voranschlag 2019 liess er die 500 000 Franken nun erstmals stehen. Dagegen wehrt sich jetzt aber die Gemeindekommission. Mit zwölf zu drei Stimmen hat sie beschlossen, an der Gemeindeversammlung am 11. Dezember die Streichung des Investitionspostens zu fordern. Die aktuelle Finanzlage erlaube solche «Nice to have»-Investitionen nicht, findet Kommissionspräsident Markus Brunner. «Die Erneuerung des Kunstrasens ist schlichtweg nicht nötig. Wir können damit noch gut zuwarten», findet das SVP-Mitglied.

Das sieht Hans-Beat Rohr naturgemäss anders. Der SVM-Präsident sagt, er erkenne die schwierige finanzielle Situation der Gemeinde, die würde sich aber in absehbarer Zeit auch nicht komplett ändern. «Wir können das Problem nicht einfach ignorieren und die Erneuerung des Kunstrasenfelds stornieren.»

Verein will mobilisieren

Jetzt greift der SV zum Mittel der Mobilisierung. Die Club-Mitglieder sollen es richten, mit ihren Freunden und Verwandten, an der Gemeindeversammlung vom 11. Dezember. Dort soll die vereinte SVM-Front dafür sorgen, dass der Streichungsantrag der Gemeindekommission nicht durchkommt. In einem Brief an alle Mitglieder schreibt der SVM-Vorstand: «Dieses Kunstrasenfeld befindet sich in einem Zustand, welcher gefährlich für die Gesundheit der Nutzer ist.» Die marode Unterlage müsse «endlich erneuert» werden. Man danke im Voraus für das Erscheinen an der Versammlung und hoffe «auf eine erfolgreiche Abstimmung im Sinne und zum Wohle unserer Sportler.»

Unterstützung erhalten die Fussballer von Gemeinderat und Finanzchef Alain Bai (FDP), der sich selber ein Bild vor Ort machte. «Mit Blick auf die finanziellen Aspekte macht ein Aufschub meines Erachtens keinen Sinn, da die Investitionsausgaben damit nur in die kommenden Jahre verlagert werden und nicht davon auszugehen ist, dass die Gemeinde Muttenz bereits dann wieder grösseren finanziellen Handlungsspielraum haben wird.» Ein erneuter Aufschub der Sanierung des Kunstrasens widerlaufe zudem dem strategischen Ziel des Gemeinderats, ab 2020 die steuerfinanzierten Investitionen wieder vollständig mit eigenen Mitteln finanzieren zu können und keine neuen Schulden machen zu müssen.

Auch der für den Tiefbau zuständige Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne) sieht die Zeit für eine Sanierung gekommen. «Der Kunstrasen ist am Ende der Nutzbarkeit angelangt.» Beide Gemeinderäte unterstreichen die Bedeutung des Kunstrasenfelds für Muttenz. Der Platz werde nicht nur vom SVM, sondern auch von Schulen und vielen Freizeitfussballern von Jung bis Alt genutzt.