Es stinkt, es dröhnt. Die Anwohner der Quartiere Altbrunnenweg sowie Sigmundstrasse/Kasinostrasse beklagen sich über ihre Wohn- und somit Lebensqualität. «Es sind Lärm und Staub, die stören», sagt die Liestaler GLP-Einwohnerrätin Vreni Wunderlin. Die Immissionen kommen von der A 22 im Bereich der Umfahrung Liestal Süd. Seit 1986 besteht eine Sanierungspflicht.

Bereits vor über zehn Jahren wurde den Anwohnern des Altbrunnenwegs vom Kanton eine Lärmsanierung versprochen. «Es waren früher immer wieder Gelder budgetiert», sagt Fiona Schär, Mediensprecherin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), «doch die vorgelegten Projekte stiessen auf Widerstand und waren nicht mehrheitsfähig.»

Mehrere Gespräche und Vorstösse im Liestaler Stadtparlament später ist noch immer nichts an die Hand genommen worden, obwohl die nötigen finanziellen Mittel bereitgestellt worden waren. Deshalb reichten die Betroffenen am 29. November 2017 bei der Landeskanzlei eine Petition ein (die bz berichtete). Darin bitten sie um sofortige Erstellung von Lärmschutzwänden. Inzwischen ist der Bericht der Umweltschutz- und Energiekommission (UEK) unter der Leitung von alt Landratspräsident Franz Meier (CVP) an den Landrat erschienen. Heute wird das Thema im Baselbieter Landrat behandelt.

«Nicht veräppelt wie sonst»

Der Kommissionsbericht stützt sich auf die Beratung vom 12. März, an der auch Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP), ihre Generalsekretärin Katja Jutzi und Kantonsingenieur Drangu Sehu zugegen waren. Für die Petenten wohnten Christoph Meier und Vreni Wunderlin der Beratung bei. Die Anhörung sei gut verlaufen, sagt Wunderlin. Sie seien ernst genommen worden. «Der Kantonsingenieur hat sich sogar entschuldigt», erzählt sie, «wir sind uns nicht veräppelt vorgekommen wie sonst.» Schär erklärt, das erste Sanierungsprojekt datiere von 1993. «Eine Verkettung unglücklicher Umstände führte zur heutigen Situation.»

Die Kommission zeigt in ihrem Bericht «grundsätzliches Verständnis» für die Absender der Petition, «die sich – nach diversen erfolglosen Vorstössen im Stadtrat – hiermit direkt an den Kanton wenden». Die Verwaltung räume ein, vieles sei schiefgelaufen. Das Lärmsanierungsprojekt A 22 im Bereich Altmarkt ist lediglich angedacht, jedoch inexistent. «Statt ein Sanierungsprojekt umzusetzen», erklärt Schär, «wurde immer wieder neu projektiert in der Hoffnung, mal ein günstigeres, mal ein landschaftlich verträglicheres zu erhalten.» Zum heutigen Zustand geführt habe «das Hoffen auf das perfekte Projekt und das in den letzten zehn Jahren fehlende Geld».

Strasse geht an den Bund

Einen Grund für das Verschleppen liefert der Bericht dann doch. Der besagte Strassenabschnitt wird per 1. Januar 2020 an den Bund übergehen. Ab diesem Zeitpunkt wird der Bund für Lärmschutzmassnahmen und Strassenunterhalt aufkommen müssen. «Aufgrund dieser Tatsache ist der aktuelle Handlungsspielraum des Kantons stark eingeschränkt», wird im Kommissionsbericht von Verwaltungsseite argumentiert. So positiv Vreni Wunderlin die Anhörung empfunden haben will, mit dem Ergebnis ist sie «eigentlich nicht zufrieden». Offenbar wolle der Kanton nicht mehr viel investieren, so kurz bevor die Strasse an den Bund übergehe. «Das heisst, für uns verbessert sich faktisch nichts.»

Tropfen auf den heissen Stein

Immerhin wird eine Massnahme angeregt, die zwei bis drei Tropfen auf den heissen Stein wert sein könnte. Der alte Strassenbelag soll erneuert werden. Weichen soll er einem «lärmarmen» Belag. Das könnte Linderung bringen, denn gemäss dem Bundesamt für Umwelt verursachen die Abrollgeräusche der Autos bereits ab einem Tempo von 30 Stundenkilometern mehr Lärm als deren Motoren. Gleichzeitig wird eingestanden, dass es sich damit nicht um ein Lärmsanierungsprojekt handle. An anderen Abschnitten sei der Lärmschutz gut unterwegs. «Die Lärmschutzmassnahmen sind im Bereich Itingen–Sissach und auf dem Neubauteil Liestal–Pratteln umgesetzt», erläutert Schär, «somit sind diese zu einem grossen Teil schon realisiert.»

Das ursprüngliche Projekt wie auch die folgenden seien immer sehr teuer gewesen, da man sämtliche Stützbauwerke, Brücken und mehr abgerissen und neu gebaut habe, sagt Fiona Schär. Zudem hätte man die Lärmschutzwände nicht auf die bestehenden Bauten stellen können. Somit sei klar geworden, dass sich ein solches Projekt immer deutlich im zweistelligen Millionenbereich bewege. «Davor ist man zurückgeschreckt», sagt Schär, «zudem sind hohe Wände nicht gerade erwünscht und es bestand die Hoffnung, alles dem Bund abgeben zu können.»

Die als beschädigt erkannten Lärmschutzelemente sollen parallel zur Belagssanierung ersetzt werden. Die UEK stellt in Aussicht, dass die beiden Massnahmen aus dem aktuellen Unterhaltsbudget finanziert werden könnten. Ausgeführt werden sollen sie bis Ende 2018. Auf diesen Zeitpunkt hin lädt die Kommission die Baselbieter Regierung ein, ihr über die Umsetzung der Massnahmen Bericht zu erstatten. «Vor 2020 werden wir nun nichts mehr unternehmen», erklärt Vreni Wunderlin.