Von der Kantonsfusion über den Abhörskandal bis zu den Sitzungsgeldern der Regierungsräte – den Liestaler Schnitzelbänklern war kein Ereignis der vergangenen Zeit zu heilig, um nicht darüber zu lästern. Ihre witzigen Verse sind gewissermassen die aufgestochenen Eiterbeulen des vergangenen Jahres oder das willkommene Ventil, um Luft abzulassen.

Nach dem grossen Rambazamba vom Sonntag mit Umzug und Chienbäse verlagerte sich die Fasnacht am Montag in zehn Beizen und drei Cliquenkeller. Und die waren gerammelt voll, ganz im Gegensatz zu den Gassen im Stedtli. Das Gässle der Cliquen und Guggen fand beim Publikum trotz angekündigtem «Obestreich» nur geringen Zuspruch und kam, abgesehen vom Guggenlärm vor dem Rathaus, nie richtig in die Gänge.

Ob das Fasnachtskomitee bei der Planung der vielen Aktivitäten aufs richtige Pferd setzt? Da mögen die Tröimer den Fasnachtsoberen Trost spenden. Auch ihre Wünsche und Illusionen enden nämlich im Refrain immer mit dem alten Ohrwurm «S’isch jo nur es chlises Träumli gsi».

Was wären Schnitzelbänke ohne Seitenhiebe an unsere nördlichen Nachbarn? Als Folge des Einwanderungsstopps werden sie nun aber plötzlich herbeigesehnt. Dazu meinen die Güllerugger: «Bi dr BVB do müesse d’Cheffe goh, au em Carlo Conti z’Baasel goht’s eso, dr Völlmy, dä verloot s’Spidaal uf lyyse Soole, und e Schwob wo drus chiem, chasch jetz nümme hoole.» Mit Ausländern und der EU befassen sich auch die Rotznaase: «Us Sicht vo Brüssel sin Höggschtzahle für EU-Bürger nit s Fatale. Die grossi Angscht, wo die dört kriege, mir wurde d’Zürcher au abschiebe!»

Die Braut Basel bekommt Körbe

Land auf, Land ab – die Kantonsfusion kommt im Baselbiet nicht gut an. Das beurteilen die Oris Schlurbbi ganz pragmatisch: «E Hochzyt zwüsche Land und Stadt, fände d Städter sicher glatt, drum säg ich ohni z übertrybe, mir wei lieber ledig blybe.» Davon kann der Muser Schang im wahrsten Sinn des Wortes ein Liedlein singen: My Frau, die isch vo Basel, ach synerzyt am Rhy, wie ischs im Mondliecht Hand in Hand eso romantisch gsy, my Basel hani gärn und ohni s Schätzli giengs mer schlimm, doch under eus, no meh Fusion verchraft I eifach nümm!»

Die Schnitzelbänkler werden zwar nicht nach Rang und Punkten bewertet, nach dem erstmaligen Auftritt des Schnitzel Fritz war man sich aber in den Liestaler Beizen einig: Da ist ein Neuling in der Szene, der die hohe Schule der Bank-Dichtkunst mit bissig, schräg und skurril gesetzten Pointen bestens beherrscht und originelle Texte gekonnt theatralisch hinüberbringt. Dazu kommt die in wortwitzigem Dialog geführte Gitarrenbegleitung. Newcomer Schnitzel Fritz setzt in Liestal zweifellos neue Massstäbe.

Wahre Brüller sind denn auch seine «Menüvorschläge» die er im Zeedel als nicht alltägliche Speisekarte unters Volk bringt. So sagt der mit Schweinemütze auftretende Koch etwa zu den Innereien ganz ätzend: «Dr Ballmer gspührt e Riesedruck in dr Änddarmgegend, chlemmt alles zue, muess schuurig fescht verheebe, Är lauft verbii an jedem WC mit grosse schnälle Schritt, usswärts schiisse tuet är nümm, sit’s kei Sitzigsgäld me git.» Zum Menü «Saftigi Schänkeli» äussert der freche Feinschmecker Bedenken, dass er bei einem Prostitutionsverbot nicht mal mehr Poulet machen dürfe. Passend dazu: «Tuet’s z Züri emol kei einzigs Puff me geh, chasch d Polizischte wieder uf de Strosse schaffe gseh.»