Wie der Japanische Knöterich aussieht, wissen zu Beginn nur die wenigsten Landrätinnen und Landräte. Als sie sich am Samstagmorgen am Aescher Bahnhof treffen, ist das asiatische Kraut den Parlamentariern grösstenteils noch fremd. Wenige Stunden später können sie die invasive Art erkennen, wann immer sie ihnen begegnet. Das ist im Baselbiet, wo die aggressive Pflanze die einheimische Flora bedroht, vor allem an Gewässern der Fall.

Die Birs bei Aesch gehöre zu den Orten, an denen der Knöterich in grosser Anzahl vorkomme, erfahren die Landräte. Ihre anfängliche Unkenntnis hält die Politiker unterschiedlicher Lager nicht davon ab, sich sogleich mit Werkzeugen auszustatten. Der Tisch mit den Grabgabeln, Blackeneisen und Spitzhacken leert sich in Windeseile. In gutem Schuhwerk und Kleidern, die ruhig dreckig werden dürfen, marschieren sie los. Aufgeteilt in zwei Gruppen, welche jeweils eine Seite der Birs vom lästigen Eindringling befreien sollen.

Dass das Unterfangen nicht leicht ist, zeigt sich schon nach kurzer Zeit. Zwar gelingt es, die mitgebrachten Säcke in kurzer Zeit mit den Pflanzen zu füllen. Da wegen deren Brüchigkeit meist ein kleines Stück in die Erde bleibt, kann von einer nachhaltigen Bekämpfung aber nicht die Rede sein. «Es ist mir klar, dass es sich hierbei um eine Sisyphusarbeit handelt», sagt der Grellinger Landrat Georges Thüring (SVP), der hinter der Aktion steht. Er habe damit aufzeigen wollen, dass die Neophyten ein ernsthaftes Problem darstellen.

Entspannter Bildungsdirektor

Als einstiger Gemeindepräsident sei er schon vor vielen Jahren auf die Bedrohung aufmerksam geworden. «Für künftige Geldsprechungen des Landrats ist es wichtig, dass sich jeder selbst ein Bild von der Gefahr durch gebietsfremde Pflanzen machen kann», findet er. Deshalb habe er seine Kolleginnen und Kollegen zum morgendlichen Einsatz eingeladen.

Gekommen sind auch viele, die politisch das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben wie der Laufentaler. Hannes Schweizer (SP) hat als Landwirt selbst Erfahrungen mit invasiven Arten gemacht. Als er bemerkt, dass der Organisator bislang noch nicht selbst gegraben hat, kann er sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: «Gib es zu, Georges, einer muss die Rolle des Adjutanten übernehmen», witzelt er, der im Gegensatz zu anderen trotz der Hitze kaum ins Schwitzen gerät. Gemeinsam mit Rahel Bänziger Keel (Grüne) und Jacqueline Wunderer (SVP) sorgt er dafür, dass der Stapel mit ausgerissenem Knöterich immer grösser wird.

Auf der anderen Seite der Birs hängen einige der verteilten Verpflegungstaschen an Ästen. Die überall zu beobachtende Grüppchenbildung gibt es auch hier. Alle paar Meter stehen einige Parlamentarier, die dem japanischen Störenfried mit vereinten Kräften zu Leibe rücken. Die Arbeitsmoral der Politiker ist dabei, wie auch im Landrat, äusserst unterschiedlich. Marco Born (FDP) und Caroline Mall (SVP) beschränken sich auf das Nötigste und genehmigen sich lieber bei einer Zigarette den einen oder anderen Schwatz.

Eine vermeintlich lahme Ente blüht hingegen in Ufernähe noch einmal auf. Urs Wüthrich (SP), der als einziger Regierungsrat der Einladung folgte, wirkt kurz vor seinem Abgang gelassener denn je. «Der Knöterich ist nicht nur frech, er ist auch äusserst gerissen», stellt der scheidende Bildungsdirektor fest. Das widerspenstige Kraut verstecke sich zwischen den Steinen, wo es nur schwer zu erreichen sei. Zur mangelnden Effektivität seiner Tätigkeit meint er selbstbewusst: «Ich schaue nicht zurück, sonst sehe ich die Pflanzen wieder von neuem wachsen.»