Sommer 2015. Es ist heiss am Birsufer von Aesch. 20 Landrätinnen und Landräte lassen die Spitzhacke gen Boden sausen. Immer und immer wieder. Doch ihr Gegner ist hartnäckig. Der japanische Staudenknöterich lässt sich an diesem Tag vielleicht zurückdrängen, nicht aber besiegen. Organisator Georges Thüring (SVP, Grellingen) ist schon da klar: Der Eindringling wird wiederkommen.

Winter 2018. Der Landrat kämpft noch immer gegen Neophyten. Allerdings nur noch mit Worten. 300'000 Franken zusätzlich beantragte die SP während der Beratung des Aufgaben- und Finanzplans 2019 bis 2022 (AFP) fürs Budget 2019. Dies um die Massnahmen zur Bekämpfung der invasiven Pflanzen fortzuführen, die der Landrat mit dem genau gleichen Betrag schon vor einem Jahr ermöglicht hatte. Und siehe da: Was sich am Mittwochabend abzeichnete, wurde am Donnerstag, an Tag zwei der Budgetdebatte, Tatsache.

Viele Abweichler bei der SVP

Mit 47 zu 35 Stimmen bei 3 Enthaltungen nahm das Parlament den Budgetantrag an. Damit ist das Ja dieses Jahr sogar um einiges deutlicher als 2017, als der Landrat die 300'000 Franken mit 42 zu 38 Stimmen absegnete. «Letztes Jahr sagte ich noch Nein, doch nun habe ich gesehen, was mit dem Geld bewirkt werden kann», sagte etwa EVP-Landrat Werner Hotz im Plenum. Vor allem scheint Dauerkämpfer Thüring erfolgreich in seiner Fraktion geweibelt zu haben.

Nicht weniger als sechs SVP-Landräte sagten Ja, dazu noch die beiden ex-SVPler Roman Klauser und Pascale Uccella. Bei der FDP hingegen getraute sich niemand, von der Fraktionsvorgabe der neuen Parteipräsidentin Saskia Schenker abzuweichen. Da aber die CVP fast geschlossen die Ratslinke unterstützte, kam der Antrag durch.

Schenker kritisierte bei ihrem Ablehnungs-Votum, dass das Sicherheitsinspektorat kurz vor der Budgetdebatte am 5. Dezember erstmals einen Bericht zur Umsetzung der kantonalen Neobiota-Strategie veröffentlicht hatte – und das wohl nicht ganz zufällig. Tatsächlich liest sich der Bericht wie ein Aufruf, zusätzliche Gelder zu sprechen: «Falls nächstes Jahr die invasiven Neophyten nicht bekämpft werden und sich ungehindert vermehren, werden die im Jahr 2018 freigeräumten Gebiete schnell wieder zugewachsen sein», steht im Fazit.

2020 kommt endlich eine Strategie

Genau diese Expertensicht verfing dann auch. «Ich habe intensiv mit Fachleuten diskutiert und sie sagen, dass vier Jahre der intensiven Austilgung Neophyten dauerhaft zurückbinden könnten», sagte Anita Biedert (SVP) und konterte damit Fraktionskollege Hans-Jürgen Ringgenberg, der von reiner «Sisyphos-Arbeit» sprach, die nichts bringe. Sogar SVP-Präsident Oskar Kämpfer musste eingestehen: «Vielleicht habt ihr Biologieexperten sogar recht, wenn ihr auf den Moment schaut.» Langfristig könne es aber sein, dass man etwas bewahren wolle, das nicht zu bewahren sei. Resignation.

Vor allem störte sich Kämpfer daran, dass der Landrat «der Regierung Gelder aufs Auge drücken möchte, die sie gar nicht will». Umweltdirektorin Sabine Pegoraro verwies denn auch darauf, dass ab 2020 die 5 Millionen Franken teure Neobiota-Strategie starte und bis dahin 500'000 Franken für den normalen Unterhalt von Ufern und Strassenborden zur Verfügung stünden. Sie konnte aber auch nicht entkräften, dass mit den 300'000 Franken zusätzlich dieses Jahr tatsächlich auch wertvolle Arbeit geleistet worden ist. Noch im ersten Halbjahr 2019 will Pegoraro nun die Vorlage zur Strategie auf den Tisch legen.

Randnotiz: Alle anderen 21 Budgetanträge der SP wurden abgelehnt. Finanzdirektor Anton Lauber kann mit einem fast unveränderten AFP planen. Der japanische Staudenknöterich hingegen muss sich vielleicht schon kommenden Sommer wieder vor Landräten mit Spitzhacken in Acht nehmen.