Vor wenigen Tagen wurde still und heimlich die erneuerte Kantonsstrasse zwischen Reigoldswil und Titterten nach viermonatiger Sperrzeit wieder dem Verkehr übergeben. Doch nicht alle ihre Nutzer können sich über das neue Werk freuen. So kritisiert der Titterter SP-Landrat und alt Gemeindepräsident Hannes Schweizer: «Das ist eine unnötige Luxus-Sanierung.»

Was ist passiert? Das Tiefbauamt hat die Strasse der Klasse eins – das sind die vom Verkehrsaufkommen her unbedeutendsten Kantonsstrassen – auf einer Länge von 1,8 Kilometern «instand gesetzt», wie der behördliche Sprachgebrauch lautet. Im Detail heisst das laut Regina Wenk, Leiterin des Strassenkreises zwei, dass Randverstärkungen angebracht, Entwässerungen angepasst, Amphibiendurchgänge eingebaut, Sichtweiten verbessert und der Belag erneuert wurden. Die zuvor 5,5 bis maximal 6 Meter breite Strasse hat jetzt eine Breite von mindestens sechs Metern, in Kurven bis zu 7,85 Metern. Die Kosten beziffert Wenk auf 800’000 Franken zusätzlich die nicht eingeplanten Aufwendungen für Stützmauern, die nach einem Hangrutsch während der Bauarbeiten errichtet werden mussten. Insgesamt rechnet Wenk mit einem Betrag von einer Million Franken.

Verleitet zum Rasen 

Den Hangrutsch sah Hannes Schweizer, der als Bauer das Gebiet bewirtschaftet, kommen und er warnte davor. Doch nicht der Rutsch stört Schweizer am meisten, sondern die beobachtete Widersprüchlichkeit des Kantons: «Ich bin für werterhaltende Sanierungsmassnahmen und der Sanierungsbedarf der Strasse war unbestritten. Aber dass der Kantonsingenieur sich einerseits in den Medien über zu wenig Geld für dringend notwendige Strassensanierungen beklagt, dann aber untergeordnete Strassen ausbaut, geht nicht auf.»

Schweizer erwähnt an Beispielen neben der Strasse vor seiner Haustüre auch die Verbindungen von Arboldswil nach Bubendorf, von Ziefen nach Lupsingen oder von Lampenberg Station nach Lampenberg. Strassenerweiterungen seien allenfalls dort sinnvoll, wo Unfallschwerpunkte bestünden, ansonsten verleiteten sie nur zum Rasen und zögen erst recht Unfälle nach sich. Aber gerade die Strasse nach Titterten sei bisher alles andere als unfallträchtig gewesen, sagt Schweizer. Dies bestätigt Wenk; in den letzten zehn Jahren hätten sich dort keine polizeilich registrierten Unfälle ereignet.

Schweizer hat im Landrat nun eine Interpellation eingereicht und plant je nach Antwort mehr: «Sollte aus der Beantwortung eine Rechtfertigung solcher Sanierungsprojekte wie zwischen Reigoldswil und Titterten hervorgehen, will ich mit einem Vorstoss die Finanzkompetenz der Regierung bei Strassensanierungen einschränken.» Und er ergänzt: «Wenn der Kanton zu viel Geld hat und kleine Überlandstrassen generell verbreitern will, muss die Bau- und Planungskommission des Landrats solche Ausbauprojekte genehmigen.»

Strassen werden stetig breiter

Was sagt Kantonsingenieur Jacobi zu Schweizers Widerspruchs-Vorwürfen? Er schickt den Leiter des Geschäftsbereichs Kantonsstrassen, Urs Hess, an die Auskunftsfront und dieser erläutert: «Da gibt es keine Widersprüche. Was wir zwischen Reigoldswil und Titterten gemacht haben, ist kein Ausbau, sondern ein Werterhalt der bestehenden Strasse. Dabei haben wir die Strasse an die neuen Normen vom Bund angepasst.» Mit diesen Normen meint Hess die gewachsene Breite von Lastwagen und Bussen von einst 2,3 auf nun 2,5 Meter.

Und Hess weiter: «Damit diese Fahrzeuge kreuzen können, braucht es eine minimale Strassenbreite von sechs Metern.» Dies führt zu einer langsamen, aber steten Verbreiterung des 440 Kilometer langen Kantonsstrassen-Netzes (ohne H2 und H18): Waren vor 15 Jahren 51 Prozent dieser Strassen weniger als sechs Meter breit, sind es heute nur noch 48 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Pro Jahr wird etwa ein Kilometer Kantonsstrasse auf sechs oder mehr Meter verbreitert.