Der Wahlkreis Waldenburg wird neu aufgemischt wie kaum ein anderer. Denn mindestens ein Drittel der Sitze wird in der nächsten Legislatur von neuen Köpfen besetzt. Das tönt allerdings spektakulärer als es ist – es gibt beim bevölkerungskleinsten Wahlkreis nur sechs Sitze zu verteilen; derzeit besetzen die SVP drei und FDP, SP sowie EVP je einen.

Die zwei Landräte, die wegen Amtszeitbeschränkung gehen (müssen), sind zwar grundverschieden, aber doch auch wieder gleich: Hannes Schweizer (SP) und Hansruedi Wirz (SVP) sind beide Bauern mit alkohollastigem Erwerbszweig – ersterer mittlerweile Weinbauer, der zweite Obstbauer und Schnapsbrenner. Und politisch waren sie beide seit 2003 für ihre Parteien die Wahlkampflokomotiven mit Spitzenresultaten. Die grossen Fragen lauten nun: Wer kommt nach Wirz und Schweizer? Und kann die SVP ihre drei Sitze halten?

Ökonom oder Wirt

Denn die im Wahlkreis traditionell starke Partei hat zudem das Handicap, dass ihr die Mitte 2017 zurückgetretene Myrta Stohler fehlt. Sie überflügelte vor vier Jahren als damalige Landratspräsidentin sogar noch Wirz und machte das beste Resultat im Wahlkreis.

Mit dem bisherigen Landrat Matthias Ritter aus Diegten hat die SVP einen sicheren Wert, auch wenn er im Landrat bis jetzt nicht allzu viele Spuren hinterlassen hat. Gleiches gilt für den Tschoppenhöfer Michel Degen, der vor eineinhalb Jahren für Myrta Stohler nachrückte. Ihm kann man zugute halten, dass er auch nicht viel Zeit dafür hatte. Alle andern auf der SVP-Liste kandidieren erstmals und sind mit Ausnahme von Andy Moor, der bis 2017 sechs Jahre lang Lauwiler Gemeindepräsident war, kaum bekannt. Den dritten Sitz hat die SVP übrigens erst bei den letzten Landratswahlen auf Kosten der BDP gewonnen.

Die Genossen, die vor vier Jahren noch 20 Prozent der Stimmen holten, müssten im Nach-Schweizer-Zeitalter schon sehr einbrechen, um ihren einzigen Sitz zu verlieren. Die Frage ist hier mehr: Wer holt ihn?

In Poleposition stehen zwei Kandidaten aus den Nachbargemeinden Oberdorf und Niederdorf. Wobei der «Niederere» eher die höheren Wahlchancen hat: Der Ökonom Urs Roth ist ein fundierter Kenner des Gesundheitsbereichs, der seiner Fraktion, aber auch dem Landrat als Ganzem gut täte. Roth war lange Kadermitarbeiter beim Kantonsspital Baselland und leitet heute als Geschäftsführer die kantonale Spitex. Zudem ist er in der Leichtathletik-Szene verankert.

Der zweite mit realistischen Wahlchancen auf der SP-Liste ist der Wirt Salman Fistik mit kurdischen Wurzeln, der auch im Oberdörfer Gemeinderat sitzt. Er landete vor vier Jahren mit einem respektablen Resultat als Erstnachrückender hinter Hannes Schweizer.

Sie läutet Heimatglocken kräftig

Weder grosse Sorgen noch Hoffnungen muss sich die FDP machen; sie wird ihren einen Sitz halten können. Und den wird zweifellos die Bisherige Andrea Kaufmann machen. Die Waldenburger Gemeindepräsidentin fiel im und ausserhalb des Kantonsparlaments positiv mit eigenständigen Meinungen auf. Zuletzt vor drei Wochen bei der kantonalen Abstimmung über die Ausgleichsinitiative, als sie die Bedürfnisse ihrer Gemeinde über die Parteiräson stellte.

Dass Kaufmann die Heimatglocken effektvoll läuten kann, bewies sie auch, als es um die neue Waldenburgerbahn ging. Und derartiger Einsatz wird in einer eher benachteiligten Ecke des Kantons doppelt geschätzt – und in der Regel auch belohnt. Doch nach Kaufmann sieht es bezüglich Bekanntheitsgrad eher düster aus auf der FDP-Liste.

Der Transfer des Präsidenten

Bleiben noch die Grünen, die EVP und die Mitte-Parteien. Und hier wird's spannend und unvorhersehbar zugleich. Da ist einmal der EVP-Sitz von Andrea Heger. Die Hölsteinerin, mittlerweile auch noch als Gemeinderätin und Synode-Präsidentin der reformierten Kantonalkirche tätig, ist in ihrer ersten Landratsperiode als differenzierte, unideologische Politikerin aufgefallen. Sie dürfte ein entsprechend gutes Wahlresultat einfahren.

Wie weit ihre Mitstreiter zu einem guten Listenresultat beitragen können, ist eine andere Frage; am ehesten dürfte das noch der Niederdörfer Gemeinderätin Helene Koch gelingen.

Als weitere Unwägbarkeit kommt beim EVP-Sitz dazu, dass er ein eigentlicher Wandersitz ist zwischen den Wahlkreisen Waldenburg und Gelterkinden, die zusammen mit jenem von Sissach eine Wahlregion bilden. In dieser Wahlregion schaffte die EVP jeweils einen Sitz, der – abhängig auch von den Stimmen der anderen Parteien – 2007 im Wahlkreis Waldenburg, 2011 in jenem von Gelterkinden und 2015 wieder in Waldenburg landete.

Von einer schwächelnden SVP könnten in erster Linie die Grünen profitieren, die ihren jungen Kantonalpräsidenten Bálint Csontos ins Parlament bringen wollen. Dabei wenden sie einen Kunstgriff an: Csontos wohnt in Ramlinsburg, wo er auch Gemeinderat ist. Ramlinsburg gehört zum Wahlkreis Liestal, in dem aber Kandidaten aus den kleinen Dörfern schlechte Wahlchancen haben. Deswegen und um mitzuhelfen, den 2015 verlorenen Sitz zurückzuholen, kandidiert Csontos in Waldenburg.

Vor vier Jahren misslang den Grünen allerdings ein ähnliches Manöver mit dem Transfer von alt Landratspräsidentin Esther Maag aus Liestal auf ihre Waldenburger Liste. Den Grünen könnten jetzt ihr allgemeiner Aufwärtstrend und ihre starke Liste helfen. Zu dieser trägt auch der Kulturingenieur Hans Weber aus Langenbruck bei, bekannt vor allem von seinen langjährigen beruflichen Tätigkeiten beim Ökozentrum Langenbruck und als Geschäftsführer der Region Thal mit dem Naturpark. Ins Rampenlicht gerückt ist im vergangenen Jahr auch die junge Jael Bollag aus Diegten, die sich zusammen mit ihrem Vater gegen die unmittelbar neben ihrem Hof geplante Deponie Isental wehrt.

Aber auch die Mitte-Liste mit Kandidaten aus CVP, Grünliberalen und BDP ist nicht chancenlos. Hier gilt es vor allem, die beiden Gemeindepräsidenten aus Oberdorf und Langenbruck, Piero Grumelli und Hector Herzig, zu erwähnen. Wobei Letzterer, der auch die Kantonalpartei der Grünliberalen präsidiert, vor vier Jahren eher ein enttäuschendes Resultat erzielte.