Er zählt zu den sechs Wahlkreisen, in denen sich am 31. März sämtliche bisherigen Landratsmitglieder der Wiederwahl stellen oder stellen können: der Wahlkreis Sissach. Saskia Schenker (FDP), Sandra Strüby-Schaub, Stefan Zemp (beide SP), Susanne Strub, Peter Riebli (beide SVP) und Regina Werthmüller (parteilos) treten erneut an. Werden sie alle wiedergewählt? Oder versalzt ein Newcomer einem Bisherigen die Suppe?

Wie schlägt sich Werthmüller?

Regina Werthmüller, die bei den vergangenen Landratswahlen 2015 für die Grünen gewählt worden war, trat kurz darauf aus der Partei aus. Sie solidarisierte sich damals mit dem von den Grünen ausgeschlossenen Landrat Jürg Wiedemann, der später die Grünen-Unabhängigen aus der Taufe hob. Werthmüller hat sich dieser politischen Organisation aber nicht angeschlossen und ist seither parteilos. Nun figuriert die 55-jährige Gymnastik- und Musikpädagogin auf der Mitte-Liste, die auch in den Wahlkreisen Gelterkinden und Waldenburg in die Wahlen steigt. Ebenfalls auf der Mitte-Liste kandidieren der frühere Thürner Gemeindepräsident Hansjörg Hänggi (parteilos) sowie Marcel Zimmermann (BDP) und Jack Bralig (CVP).

Vor vier Jahren konnte Regina Werthmüller auf stärkere Mitkandidierende auf der Grünen-Liste zählen und kam auf 1375 Stimmen, fast doppelt so viele wie der Zweitplatzierte. Als Zugpferd wird sie auch diesmal wieder viele Stimmen holen, dennoch kann sie sich ihrer Wiederwahl nicht sicher sein.

FDP will Sitz zurückerobern

Die Freisinnigen setzen sich zum Ziel, im Kantonsparlament drei Mandate zuzulegen. Laut Saskia Schenker, welche die FDP Baselland seit Dezember interimistisch führt, schielt die Partei unter anderem im Wahlkreis Sissach auf einen zusätzlichen Sitz. 2011 verlor diese ein Mandat an die SP. Schenker erreichte vor vier Jahren als Neue ein hervorragendes Resultat und überflügelte den bisherigen Marco Born deutlich.

Auch heuer steigt die FDP mit einem starken Team ins Rennen. Dazu zählen Björn Fankhauser, Präsident des Gewerbevereins Sissach und Umgebung, und Thomas Schwab, Präsident der Sissacher Gemeindekommission und Mitglied der kommunalen Geschäftsprüfungskommission. Schwab realisierte letztes Mal hinter Schenker und Born das drittbeste Ergebnis. Sandra Jenni, Daniele Rocca und Elisabeth Vock ergänzen die Liste der Freisinnigen.

Zweiter SP-Sitz wackelt

Auch die SP stellt sich mit soliden Mitgliedern der Wahl, angeführt von den Bisherigen Stefan Zemp und Sandra Strüby. Zemp ist als Gewerbler im Oberbaselbiet bestens verankert und bekannt für pointierte Voten; nicht nur im Landrat, auch an Gemeindeversammlungen hat sein Wort Gewicht. Strüby hat noch keine ganze Legislatur hinter sich, sie ist für Jürg Degen nachgerutscht; der frühere Landratspräsident zog sich 2016 zurück. Die Buckterin punktete letzthin zwar mit ihrer Motion für ein Kasak 4 mit Verpflichtungskredit zur Mitfinanzierung von Sportanlagen von kantonaler und regionaler Bedeutung. Dennoch könnte ihr Sitz gefährdet sein.

Ebenfalls auf der SP-Liste aufgeführt ist Theaterregisseur Kaspar Geiger aus Tenniken, der sich im Dorf vehement gegen die Überbauung der einstigen Pfarrmatte «Chilchacher» wehrt. Diese Parzelle will die Stiftung Kirchengut im Baurecht bebauen lassen. Claudia Gerber, Claudia Regenass und Nikolaos Schär heissen die weiteren SP-Kandidaten.

SVP sitzt sicher im Sattel

Keine Sorgen um ihre beiden Sitze machen muss sich die SVP. Peter Riebli, der auf Anfang Juli zum neuen Landratspräsidenten gewählt werden soll, und Susanne Strub sind gesetzt. Der Gemeindepräsident von Buckten sorgte im vergangenen Jahr mit seinem Vorstoss, den Grundbedarf in der Sozialhilfe um 30 Prozent zu senken, landesweit für Schlagzeilen.

Mit Matthias Liechti, der vor vier Jahren als Dritter bloss um 54 Stimmen an einem Landratssitz vorbeigeschrammt ist, hat die SVP einen weiteren Gemeindepräsidenten auf ihrer Liste. Liechti wohnt in Rümlingen. Frank Bader, Annette Gerber und der Itinger Hausarzt Daniel Schenk sind gute Stimmenlieferanten. Letzterer teilte im Vorfeld der Abstimmung zur Spitalfusion dem Kantonsspital Liestal schlechte Noten aus.

Auch die EVP weiss mit Sandra Bätscher-Gisin eine Gemeindepräsidentin in ihren Reihen. Die Tennikerin gehört dem Kirchenrat der reformierten Kantonalkirche an. Sie befürwortet die Überbauung des «Chilchacher» und ist eine grosse Gegenspielerin von Kaspar Geiger. Die anderen fünf EVP-Kandidaten sind weniger bekannt: Markus Romann – er kandidierte schon 2015 und belegte den letzten Platz –, Sarah Regez, Jürg Hüttenmoser, Silvan De Luca und Ruth Trinkler-Mauch.

Grüne müssen sich strecken

Einen schweren Stand haben auch die Grünen. Nachdem Regina Werthmüller ihre Partei verlassen hat, möchten sie ihren Sitz zurückerobern. Dies wird jedoch nicht einfach. Zwar haben die Grünen mit Biobauer und Gemüsegärtner Pascal Benninger ein heisses Eisen im Feuer, aber danach ist eher Flaute. Der 52-jährige Benninger, Vizepräsident der Grünen Baselland, hat vor vier Jahren hinter Werthmüller das zweitbeste Resultat auf der Liste der Grünen erreicht und wird auch heuer wieder zahlreiche Stimmen einheimsen.

Ob das der Partei aber zu einem Landratssitz verhilft, ist mehr als fraglich. Laura Grazioli, Elvira Rudin, David Fürer, Nicole Maegli und Thomas Schmelzer komplettieren die Liste. Grazioli ist Mitglied der Sissacher Gemeindekommission.

Ein Mandat kann «wandern»

Die zwölf Baselbieter Wahlkreise sind in vier Wahlregionen eingeteilt. Die Wahlregion 4 besteht aus den Wahlkreisen Sissach, Gelterkinden und Waldenburg. Gut möglich, dass je nach Wahlergebnis ein Sitz innerhalb der Wahlregion von einem Wahlkreis zum anderen «wandert».

So geschehen von vier Jahren: Damals verpasste der EVPler Martin Geiser aus Gelterkinden seine Wiederwahl. Davon profitierte Parteikollegin Andrea Heger-Weber aus Hölstein, die damit den Einzug in den Landrat schaffte. Das Mandat ging vom Wahlkreis Gelterkinden an den Wahlkreis Waldenburg über. Geiser, der seit Mitte 2017 die EVP Baselland präsidiert, tritt diesmal erneut an.