Der Wahlkreis Oberwil ist eine Hochburg der CVP. Ausser im traditionell katholischen Laufental wählten 2015 in Oberwil, Therwil, Biel-Benken und Ettingen nirgends im Baselbiet so viele Stimmbürger die Christliche Volkspartei, nämlich 19 Prozent. Das ist genau doppelt so viel wie der Kantonsdurchschnitt. Die Tendenz über die letzten 20 Jahre ist sogar eher steigend, dies trotz des langsamen Rückgangs der CVP schweiz- und kantonsweit seit Jahrzehnten.

Somit darf man annehmen, dass auch bei den jetzt anstehenden Landratswahlen Pascal Ryf wiedergewählt wird. Er ist einerseits in Kirchenkreisen, andererseits als ehemaliger Schulleiter in Bildungskreisen als einvernehmlicher Politiker bekannt. Vor vier Jahren luchste die CVP der BDP ihren einzigen Sitz im Wahlkreis ab, dank einem Spitzenergebnis von Christine Gorrengourt. Diese ist zurückgetreten, an ihre Stelle ist Claudia Brodbeck nachgerückt. Auf der Liste befinden sich neben ihr auffallend viele weitere Frauen.

Derzeit hat die CVP im Wahlkreis Oberwil zwei Sitze, ebenso die SVP, die SP und die FDP. Die vier Parteien erzielten vor vier Jahren ungefähr gleich viele Stimmen. Einen Sitz ergatterten die Grünen. Es bräuchte schon sehr viel Proporzpech und das Mitspielen der übrigen Kreise in der Wahlregion, damit die CVP einen ihrer beiden Sitze verliert.

Umgekehrt bräuchte die SVP viel Glück, um einen dritten Sitz zu ergattern. Gesetzt ist wohl der kantonale Parteipräsident Oskar Kämpfer, der nicht zuletzt beim Feilschen um die Regierungsratskandidaturen strategisch geschickt gehandelt hat.

Ein Velo-Lobbyist auf der SP-Liste

Die Volkspartei muss dafür auf Hans-Jürgen Ringgenberg verzichten, welcher der Amtszeitguillotine zum Opfer fällt. Offen ist, wer auf ihn folgt. Auf der Liste befinden sich zwei Landwirte aus Oberwil, das könnte in diesem Wahlkreis am Rande der Agglomeration Stimmen einbringen.

Wegen ihres hartnäckigen Widerstands gegen Zubringerdienstzonen war die Oberwilerin Indre Steinemann vor einigen Jahren in den Schlagzeilen, und sie kandidierte 2012 (erfolglos) für den Gemeinderat. Inzwischen ist es um das Gemeindekommissionsmitglied eher ruhig geworden. Der Landrat könnte für die 42-Jährige ein Polit-Comeback bedeuten.

Ebenfalls nur mit einem Bisherigen tritt die SP an, mit Christoph Hänggi. Der Therwiler ist nach zehn Jahren im Landrat gut vernetzt, er dürfte wiedergewählt werden. Nicht mehr auf der Liste ist die ehemalige Parteipräsidentin Pia Fankhauser. Die übrigen Kandidierenden sind vor allem im Bildungswesen verankert, insbesondere die Oberwiler Parteipräsidentin Ursula Wyss Thanei.

Die Leimentaler Velofahrer werden Roland Chrétien wählen, den Geschäftsführer von Pro Velo beider Basel – wobei für Umweltbewegte die Grünen eine Alternative sind. Bei denen will Lotti Stokar wieder in den Landrat gewählt werden. Als ehemalige Oberwiler Gemeindepräsidentin ist sie im ganzen Leimental bekannt. Ausser bei der «Basler Zeitung», die ihr vor einigen Jahren Vetterliwirtschaft vorwarf, hat sie viele Freunde.

Stimmen holen wird auch der Oberwiler Gemeinderat Christian Pestalozzi. Die Grünen schwimmen schweizweit auf einer Erfolgswelle, ökologische Themen interessieren wieder. Ein zweiter Sitz im Wahlkreis Oberwil wäre für die Grünen zwar eine Riesenüberraschung. Trotzdem wird es interessant sein, ob im Leimental die Auseinandersetzung um die Langmattstrasse in Oberwil den Grünen nützt.

Rätsel Paul Hofer

Überhaupt sind Verkehrsfragen im Leimental ständig ein Thema. Doch der Dauerstau könnte auch den Bürgerlichen in die Hände spielen. So kandidiert als Bisheriger für die FDP Andreas Dürr. Als Präsident des Automobil Club beider Basel (ACS) sind die verkehrspolitischen Präferenzen des Biel-Benkemers eindeutig.

Die Freisinnigen präsentieren im Wahlkreis Oberwil eine in Wirtschaft, Rechtswesen, Gesundheitswesen und Politik breit abgestützte Liste, etwa mit der Oberwiler Gemeinderätin Regula Messerli.

Kaum voraussehbar ist, wie die Wähler die Eskapaden des Freisinnigen Paul Hofer goutieren werden. Als Präsident der kantonalen FDP war sein forscher Stil umstritten, ebenso sein abrupter Abgang mitten in den Kantonswahl-Vorbereitungen. Und beim Poker um Regierungsratskandidaturen hatte er eine eher unglückliche Hand. Ob der 72-Jährige deswegen seinen Landratssitz verliert?

Die FDP ist die einzige Partei, die mit zwei Bisherigen antreten kann, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Dass sie einen ihrer beiden Sitze verlieren, ist unwahrscheinlich.

Überhaupt ist nicht abzusehen, inwiefern es im Wahlkreis Oberwil zu einer Sitzverschiebung kommen könnte. Die BDP verlor vor vier Jahren ihren einzigen Sitz an die CVP. Die kantonalen Parteispitzen der kleinen Partei geben sich zwar ungebrochen optimistisch. Und zwei der drei Kandidaten sind keine Unbekannten: Christoph Collins führt die Basler Sektion von Operation Libero mit an. Und Beat Schmid hat sich im Unterbaselbiet für die Providerwahl in den kommunalen Kabelnetzen durch die Einwohner starkgemacht, ist also nicht nur an seinem Wohnort Oberwil bekannt. Doch die beiden müssten schon von einem sehr starken kantonweiten Aufwind der BDP profitieren, um in den Landrat zu kommen.

Angesichts ihrer Konstanz in den vergangenen zwanzig Jahren dürfte auch die EVP im Wahlkreis Oberwil leer ausgehen. Mit Ausnahme einer 30-Jährigen ist auf der Siebnerliste niemand unter 50 Jahre alt. Das spricht nicht unbedingt für die Nachwuchsplanung der Partei.

GLP ist lokal verankert

Noch am ehesten den Parteien mit Sitz gefährlich werden könnten die Grünliberalen. Listenführer ist Yves Krebs, der sich mit pointierten Kommentaren in den sozialen Medien einen Ruf gemacht hat. Die übrigen Kandidaten machen deutlich, dass sich die Grünliberalen in den vergangenen Jahren lokal verankern konnten. Das zeigen die vielen Inhaber eines politischen Amtes auf ihrer Liste. Und auch die Grünliberalen könnten vom wachsenden Interesse an Ökothemen profitieren.