Was die Sitzverteilung angeht, ist der Wahlkreis Muttenz ausgesprochen stabil. Seit den Wahlen 1999 gab es keine Sitzverschiebung mehr in den beiden Gemeinden Muttenz und Birsfelden. Doch das könnte sich dieses Jahr ändern. Voraussetzung wäre, dass die SVP etwas mehr Stimmen als 2015 macht und auch noch etwas Proporzglück hat. Gleichzeitig müsste die SP etwas verlieren. Dann würde die Volkspartei am 31. März einen Sitz gewinnen, zu Lasten der Sozialdemokraten. Die SVP hätte dann neu drei der neun im Wahlkreis zu vergebenden Sitze, die SP zwei.

Allerdings hat die SVP ein Handicap. Wegen der Amtszeitbeschränkung darf ein bekannter Bisheriger nicht mehr antreten: Dominik Straumann, derzeit im Landrat SVP-Fraktionspräsident, ehemaliger Muttenzer Gemeinderat und erster SVP-Nachrückender für einen Nationalratssitz. Die einzige Bisherige auf der Landratsliste der Volkspartei ist Anita Biedert. Wahlchancen hat neben ihr Markus Brunner, der in Schwingerkreisen mobilisieren wird. An der Birsfelder Gemeindeversammlung in Erscheinung getreten ist zudem Parteipräsident Samuel Bänziger. Auf der Liste sind insgesamt fünf Mitglieder der Muttenzer und Birsfelder Gemeindekommissionen. Ob es für Peter Sumsander (samt Ehefrau Sylvie) ein Vorteil ist, den Kleinbasler Polizeiposten geleitet zu haben, ist fraglich.

Was für einen Sitzgewinn der Rechtsbürgerlichen spricht: Auch die SP tritt geschwächt an, muss sie doch erst recht auf ein Zugpferd verzichten. Die Grande Dame der Baselbieter Sozialdemokraten, Regula Meschberger, durfte nicht mehr auf die Liste und ist bereits im vergangenen Jahr zurückgetreten (bleibt aber Birsfelder Gemeinderätin). Ihre Nachfolgerin Désirée Jaun, auch sie im Birsfelder Gemeinderat, hatte bisher noch wenig Gelegenheit, im Landrat in Erscheinung zu treten. Ihr Muttenzer Ratskollege Roman Brunner ist gestandener Bildungsexperte, und Kathrin Schweizer wird von ihrem Regierungsratswahlkampf profitieren können. Wird sie Regierungsrätin, ist der ehemalige Pfarrer und Muttenzer Gemeinderat Roger Boerlin einer der Nachrückende mit den besten Chancen. Als Juso-Schweiz-Vorstandsmitglied ist auch der Muttenzer Jonas Eggmann kein Unbekannter.

Hardwald-Petition bewegte

Was ebenfalls zuungunsten der Sozialdemokraten spricht: Umweltthemen sind schweizweit derzeit im Trend, und damit auch die Ökopartei. Deshalb werden wohl auch in Muttenz und Birsfelden viele linke Wähler ihre Stimme den Grünen geben. In beiden Parteien ist man für Umweltthemen sensibilisiert, das hat die erfolgreiche Petition gegen die Verbreiterung der Rheinfelderstrasse im Hardwald vor einigen Wochen deutlich gezeigt.

Für einen zweiten Grünen Sitz wird es aber kaum reichen; Jürg Wiedemann ergatterte seinen vor vier Jahren recht knapp. Er und seine Grün-Unabhängigen treten nicht mehr an. Deshalb ist völlig offen, wer den grünen Sitz erbt. Am bekanntesten ist der Muttenzer Gemeinderat Joachim Hausammann, der aber nicht nur Freunde hat, seitdem ihn die «Basler Zeitung» als «Pöbler» bezeichnet hat.

Nicht auszuschliessen ist, dass anstelle der SVP die FDP von einer allfälligen Schwäche der SP profitiert, vor allem angesichts des nationalen Höhenflugs der Freisinnigen. Der Birsfelder Gemeindepräsident Christof Hiltmann ist über die Partei- und Gemeindegrenzen hinweg be- und anerkannt. Er muss sich keine Sorgen um seine Wiederwahl machen. Auch die übrigen Kandidaten auf der FDP-Liste werden die Wähler gut mobilisieren können. Es handelt sich allesamt um Persönlichkeiten, die in den beiden Gemeinden in der Lokalpolitik Ämter bekleiden. Zusammen ist ihnen eine Überraschung zuzutrauen. Sie könnten für die FDP einen zweiten Sitz ergattern, von dem die Partei vor vier Jahren nicht allzu weit entfernt war. An wen der dann ginge, ist allerdings völlig offen.

EVP ist sicherer Wert

Was man aber punkto Sitzverschiebung im Wahlkreis Muttenz nicht vergessen darf: Birsfelden bleibt eine sozialdemokratische Hochburg, und auch in Muttenz sind die Genossen stark. Im ganzen Wahlkreis ging 2015 mit 26,5 Prozent mehr als jede vierte Stimme an die SP. Das war deutlich mehr als der Kantonsdurchschnitt (22,0 Prozent). Damit war der Wahlkreis einer der wenigen, in dem die SVP nicht die Spitze besetzt hat. Diese holte 2015 22,2 Prozent der Stimmen.

Bei den übrigen Parteien wäre dieses Jahr alles andere als Konstanz eine Überraschung. Angesichts der jahrzehntelangen Verluste der CVP schweizweit kann die Partei froh sein, ihren einzigen Sitz im Wahlkreis zu behalten. Vor allem in Birsfelden kann der Bisherige Simon Oberbeck auf eine starke katholische Basis zählen. Als ehemaliger Präsident der Jungen CVP Schweiz hat er sich einen Namen gemacht, als Gemeinderat ist er nie negativ aufgefallen. Stabil ist erfahrungsgemäss die EVP, die in den beiden Gemeinden auf die Stimmen vieler Reformierter zählen kann. Damit hat die Bisherige Sara Fritz ihren Sitz fast auf sicher, zumal sie mit ihrer unauffälligen, seriösen Art kaum Feinde hat.

Die Grünliberalen müssten schon von einem sehr starken Aufwind profitieren, um mit den fünf Männern auf ihrer Liste einen Sitz zu holen. Diese haben wenig politische Erfahrung in ihren Gemeinden vorzuweisen. Kaum besser sieht es mit den sechs Kandidaten der BDP aus. Es widerspräche jeglichem Trend, würde die schrumpfende Partei ausgerechnet in diesem Wahlkreis punkten.

Ein unbeschriebenes Blatt ist Alex Osterwalder, der für «Christ und Politik» ins Rennen steigt. Diese Bewegung möchte christliche Politiker zur Wahl verhelfen. Auf der Webseite findet man neben Bibelzitaten das Motto «Wir wollen unser christliches Vermächtnis im Sinne und Geist des Rütlischwurs von 1291 bewahren und pflegen».

Infogram: Landratswahlen – Wahlkreis Muttenz im Kanton Baselland