Der Weierbach ist verschmutzt. Sehr stark sogar. Während sechs Monaten wurden vom Bundesamt für Umwelt im Bach im Grenzgebiet von Oberwil und Binningen Proben entnommen. Das Fazit: Über den gesamten Zeitraum war die Belastung mit Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln über der gesetzlichen Vorschrift. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) kommt in seiner Studie zum Schluss, dass die Lebewesen im Bach sehr stark gefährdet werden.

Am Weierbach wird extensiv Landwirtschaft betrieben, der grösste Teil im Gemüseanbau. Christian Stamm hat für die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz die Untersuchung des Weierbachs begleitet. Die giftigen Stoffe seien klar auf die Landwirtschaft zurückzuführen, sagt Stamm. Weil das Gebiet stark von der Landwirtschaft genutzt wird, steige die Konzentration der einzelnen Stoffe an. Doch scheint dies nicht das einzige Problem zu sein. So wurde laut der Studie etwa ein sprunghafter Anstieg der Konzentration des Stoffes Metolachlor gemessen.

Innerhalb von Tagen stieg die nachgewiesene Menge um mehr als das Hundertfache an. Metolachlor wird als Herbizid eingesetzt, um unerwünschte Gräser auf den Feldern zu vernichten. Normalerweise steigt die Konzentration der Stoffe in den Gewässern an, nachdem es geregnet hat. In diesem Zeitraum gab es aber laut der Studie keinen Niederschlag in diesem Gebiet. Eine mögliche Erklärung: Ein Landwirt ist beim Einsatz der Pflanzenschutzmittel unsachgemäss vorgegangen.

Gefährliche Stoffe bekannt

Stamm verortet das Problem aber nicht nur in der falschen Anwendung durch Landwirte. Die nachgewiesenen Wirkstoffe sind offiziell zugelassen. Dabei wüsste es das Bundesamt für Landwirtschaft besser: «Es werden vom Bundesamt für Landwirtschaft Stoffe zugelassen, die nachweislich Probleme verursachen», kritisiert Stamm. Die Rechnung sei ganz einfach: Würden die Stoffe nicht zugelassen, gelangten sie nicht in die Bäche. Die Zulassungsverfahren für diese Pflanzenschutzmittel seien indes nicht öffentlich, sagt Stamm. Ein Missstand, den auch die SRF-Konsumentenschutzsendung «Kassensturz» in der aktuellen Ausgabe vom Dienstag thematisiert.

Insgesamt hat das Bafu zwischen März und September 2015 fünf kleinere Bäche in der ganzen Schweiz untersucht. Im Weierbach wurden 98 verschiedene Stoffe aus Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen – der höchste Wert aller untersuchten Bäche. Zudem war praktisch über den gesamten Untersuchungszeitraum die Konzentration von mindestens einem Stoff über dem vorgeschriebenen Maximalwert in der Gewässerschutzverordnung. Durch die Belastung mit den Stoffen aus den Pflanzenschutzmitteln würde die Fauna im Bach gefährdet. Denn die Stoffe, die gegen Gräser auf den umliegenden Äckern eingesetzt werden, sind giftig für die Lebewesen im Bach. Andere Wirkstoffe gefährden etwa auch Fische.

Projekt soll entschärfen

Dass es mit Weierbach ein Problem gibt, das hat auch das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) festgestellt. Bereits 2013 wurden in den Gewässern rund um den Weierbach Proben entnommen, und man kam zum gleichen Schluss wie das Bafu. Das AUE hat daraufhin reagiert und das Ressourcenprojekt Leimental gestartet. «Gesamthaft ist das Ziel eine Reduktion der Belastung. Ohne dabei die landwirtschaftliche Produktion zu senken», sagt Xenia Ehrensperger vom AUE. Es gebe jedoch in den Projektvorgaben keinen Richtwert, an dem festgemacht werden könne, ob das Projekt Erfolg hatte oder nicht.

«Es geht vor allem darum, Massnahmen zu entwickeln, die dann in andere Gebiete übertragen werden können», so Ehrensperger. In erster Linie soll verhindert werden, dass die Stoffe überhaupt in die Gewässer geraten. «Die Wirkstoffe können beispielsweise bei Regen über Oberflächenabfluss oder via Drainagen direkt in die Gewässer gelangen», sagt Ehrensperger. Weiter könnten die Pflanzenschutzmittel auch mit dem Wind die Gewässer erreichen.

«In diesem Fall gilt es, den Einsatz der Stoffe zu überdenken und zum Beispiel Alternativen für die Unkrautbekämpfung zu finden. Andere Massnahmen zielen auf die sogenannten Punktquellen ab, dazu gehört etwa auch die Reinigung von Spritzgeräten und Maschinen nach dem Austrag der Pflanzenschutzmittel», so Ehrensperger.

Das Projekt, welches seit Januar 2017 läuft, wird vom Bund finanziell unterstützt. Rund eine Million Franken wird es über die gesamte Dauer bis ins Jahr 2024 kosten. 80 Prozent davon trägt der Bund. Entgelte für den Mehraufwand der Bauern sind ebenfalls Teil dieser Kosten. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soll indes nicht verboten werden, bestätigt Ehrensperger. Die Projekterkenntnisse könnten jedoch die gesetzlichen Grundlagen beeinflussen und die Mindestanforderungen im Umgang mit den Pflanzenschutzmitteln erhöhen.