Bauern machen Lärm mit Maschinen und Kuhglocken und verstinken die Landschaft mit Gülle. Bauern sind der Inbegriff des positiven nationalen Schweizer Selbstbilds. Bauern sind Subventions-Abzocker und verkörpern gleichzeitig die heile Welt: So trägt auf dem Joghurtbecher der Regio Molkerei beider Basel der Bauer im karierten Hemd den Milcheimer von der Weide und grasen Kühe mit Hörnern in alpiner Landschaft. In Realität melken Hightech-Maschinen Kühe, die zu 90 Prozent enthornt wurden.

Bauern produzieren also nicht nur als kleine Minderheit rund die Hälfte unserer Nahrung und werden für die Landschaftspflege mit Steuergeldern bezahlt. Sie sind auch Projektionsfläche urbaner Wünsche und Vorstellungen. So machte sich die bz auf, im UN-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe hinter die Kulisse zu schauen und mit den Akteuren zu sprechen.

Anlass ist nicht zuletzt, dass derzeit an einer Baselbieter Strategie für die Landwirtschaft gearbeitet wird. Diese erlebt massive Umbrüche: Die Gesamt-Nettowertschöpfung (Einnahmen minus Vorleistungen und Abschreibungen) der Baselbieter Bauernbetriebe sank in den Jahren von 2002 bis 2012 um zwei Drittel auf knapp 11,7 Millionen Franken. In der gleichen Zeit erreichten die Direktzahlungen mit 54,7 Millionen fast den vierfachen Betrag der Nettowertschöpfung.

Mehr als jeder siebte Baselbieter Hof hat aufgegeben. Dies geht aus Unterlagen des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain hervor.

Eine Bio-Pionierregion

Auch die Zahl der Biobetriebe hat im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft von 133 auf 128 abgenommen, ihr Anteil ist aber von 12 auf 13 Prozent gestiegen. Dazu passt, dass in der Region Basel auffällig viele Organisationen mit unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und Ausrichtungen in der Landwirtschaft ihren Hauptsitz haben: Demeter hat die nationale Geschäftsstelle in Liestal, Bio Suisse und Pro Specie Rara sitzen in Basel. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ist im Baselbiet entstanden, bevor es nach Frick zog. Zu dieser Häufung passend bewirtschaftet die Basler Christoph Merian Stiftung auf insgesamt sechs Höfen im Baselbiet, Fricktal und im Jura stattliche 412 Hektaren biologisch.

Eine eindeutige Erklärung dieser Häufung gibt es nicht, auch der Zufall dürfte mitgespielt haben. Sicher ist Dornach, seit den 1920er-Jahren als anthroposophisches Zentrum, daran nicht unbeteiligt, wurde doch unter anderem am Goetheanum der biologisch-dynamische Landbau mit dem Demeter-Label entwickelt.

Eine zweite Wurzel des Alternativ-Agrar-Clusters findet sich in Sissach und Oberwil: Anfang der 70er-Jahre hat der damalige Ebenrain-Direktor Otto Buess den Gutsbetrieb als ersten der Schweiz auf Biolandbau umgestellt und stand in Diskussionen mit Wissenschaftern und Bauern, die ein Forschungsinstitut für Biolandbau gründen wollten.

Durch familiäre Verbindungen eines ETH-Professors stiess man auf den Bruderholzhof in Oberwil, wo dann das FiBL in seinen Anfängen zu Hause war. Gemäss dem heutigen Ebenrain-Leiter Lukas Kilcher waren sowohl initiative Bauern als auch der damals zuständige Regierungsrat Paul Manz und der Ebenrain aufgeschlossen und mitverantwortlich, dass das Baselbiet eine Bio-Pionierrolle entwickeln konnte.

Das FiBL zog später auf den Bernhardsberg in Oberwil und dann nach Frick. Es wurden zwar auch andere Standorte evaluiert. Doch das gute Angebot des Kantons Aargau und der Umstand, dass viele FiBL-Mitarbeiter in der Nordwestschweiz lebten, habe den Ausschlag für Frick gegeben. An der Gründung von Bio Suisse zu Beginn der 80er-Jahre war dann auch das FiBL beteiligt. «Die Nähe zum FiBL führte zum Standort Basel», berichtet Kilcher.

Auch dass Pro Specie Rara vor anderthalb Jahren den Geschäftssitz nach Basel verlegte, beruht nicht zuletzt auf persönlichen Beziehungen: Geschäftsführer Béla Bartha lebt in Riehen und hatte Verbindungen zu den Merian Gärten.

So kann man gespannt sein, wie sich diese Institutionen, die sich intensiv mit Nachhaltigkeit und der zukünftigen Nahrungsversorgung befassen, weiterentwickeln. Doch die bz fokussiert ihre Serie nicht auf diese Szene, sondern versucht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Schlaglichter auf ein breites bäuerliches Spektrum in der Region zu werfen.