20 Jahre Laufental im Baselbiet: Ausgerechnet im Jubiläumsjahr ist die Stimmung getrübt: Die erfolgte Schliessung der Bezirksschreiberei und das drohende Aus für die Geburtsabteilung am Spital Laufen nähren das latente Gefühl vieler Laufentaler, vom Kanton benachteiligt zu werden.

In den nicht einfachen Beziehungen zwischen Laufen und Liestal spielt die Symbolik eine nicht zu unterschätzende Rolle: etwa die Tatsache, dass das Laufental im «Baselbieter Lied» nicht erwähnt wird. Korrekt müsste dieses ja mit der Zeile «Vo Roggeburg bis Ammel» beginnen.

Oder die Tatsache, dass es bisher kein Laufentaler in die Baselbieter Regierung geschafft hat. Die Landräte aus dem jüngsten Bezirk sind sich einig: Die Frage nach der Vertretung des Laufentals in der Regierung sei eine untergeordnete. «Viel wichtiger ist doch, dass diese politisch und personell gut zusammengesetzt ist», findet die Laufner CVP-Landrätin Brigitte Bos. Im kleinräumigen Baselbiet hat die Berücksichtigung von Minderheiten bei Regierungswahlen noch nie eine Rolle gespielt. Umgekehrt sitzen derzeit mit Isaac Reber (Grüne) und Urs Wüthrich (SP) gleich zwei Sissacher in der Kantonsexekutive – was ebenfalls kein Thema ist.

SP: Gelegenheit für Newcomer

Und doch: «Endlich einmal einen Regierungsrat zu haben, wäre für das Selbstbewusstsein der Laufentaler wichtig», sagt FDP-Landrat Rolf Richterich (Laufen). Und für seinen Grellinger Ratskollegen Andreas Giger (SP) wäre ein Regierungsrat das «i-Tüpfelchen auf die gelungene Integration des Laufentals im Baselbiet».

Im Februar 2015 wählt das Baselbiet. Könnte es dann erstmals eine Laufentalerin oder ein Laufentaler in die Regierung schaffen? Die Chancen stehen schlecht. Noch am günstigsten präsentiert sich die Ausgangslage bei der SP: Weil Bildungsdirektor Urs Wüthrichnach zwölf Jahren Regierungstätigkeit nicht mehr antritt, wird bei den Sozialdemokraten mindestens ein Platz für eine Kandidatur frei.

Die Gelegenheit für Newcomer ist günstig. Bereits ins Spiel gebracht worden ist Sabine Asprion. Die Laufner Stadträtin, Vizepräsidentin am Zivilkreisgericht Baselland-West und Partnerin eines Advokaturbüros (im Gundeldinger Feld in Basel) verfügt politisch und fachlich über den nötigen Rucksack; mit 44 Jahren ist sie im besten Alter.

Asprion hat zwei Handicaps: Sie ist im Kanton zu wenig bekannt. Will sie Regierungsrätin werden, müsste sie bald die Öffentlichkeit suchen – bisher hat sie sich zurückhaltend zu ihren Ambitionen geäussert. Kommt hinzu, dass sie im bürgerlichen Laufental nicht über eine starke Heimbasis verfügt.

Verworren ist die Situation bei der FDP: Weil unklar ist, ob Regierungsrätin Sabine Pegoraro nach zwölf Jahren nochmals antritt, sind auch die Chancen für einen Laufentaler Regierungskandidaten schwierig abzuschätzen.

Mit Rolf Richterich (47), der im Landrat seit 2011 die FDP-Fraktion führt, gäbe es einen Laufentaler Freisinnigen, der das Rüstzeug hätte. «Ich würde eine Kandidatur zumindest nicht kategorisch ausschliessen», sagt er. Der Laufner Unternehmer gilt als intelligenter und kreativer Kopf; zwischen 2007 und 2011 leitete er die landrätliche Bau- und Planungskommission.

Zuletzt hat er sich allerdings mit wütenden Voten in Laufental-politischen Fragen ins Abseits manövriert. Das weiss auch Richterich, wenn er sagt: «Ein Laufentaler kann nicht in seiner Eigenschaft als Laufentaler in die Regierung gewählt werden.»

Ein Laufentaler, dem dieser Makel nicht anhaftet, ist Martin Dätwyler. Der stellvertretende Direktor der Handelskammer beider Basel ist in der Region hervorragend vernetzt und in Verkehrsfragen eine wichtige Stimme; der 45-jährige Laufner sitzt unter anderem im Verwaltungsrat des TCS beider Basel sowie in jenem der Schweizerischen Rheinhäfen.

CVP: Beneidenswerte Personaldecke

Die SVP ist im Laufental zwar wählerstärkste Partei, weiss aber kaum valable Regierungskandidierende in ihren Reihen. Im Gegensatz dazu verfügt die CVP im katholisch geprägten Laufental traditionell über eine beneidenswerte Personaldecke. So befindet sich die Mehrzahl der Gemeindepräsidien in CVP-Hand; die Partei verfügt über mehrere Exekutivpolitiker mit Potenzial; etwa den Laufner Stadtpräsidenten und Anwalt Alexander Imhof (50) sowie den Röschenzer Gemeindepräsidenten Remo Oser (44).

Eine paradoxe Situation: Die CVP wäre prädestiniert, den ersten Laufentaler Regierungsrat zu stellen. Nicht zufällig war auch der erste Laufentaler Landratspräsident ein Christdemokrat – Walter Jermann 1999. Dennoch ist eine Laufentaler Regierungskandidatur bei der CVP derzeit kein Thema.

Regierungsrat Anton Lauber (Allschwil) hat sein Amt erst letztes Jahr angetreten und wird wohl noch zwei weitere Amtsperioden mitregieren wollen. Die Laufentaler werden also mit grosser Wahrscheinlichkeit noch einige Jahre auf «ihren» ersten Regierungsrat warten müssen.